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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-18 · Heft 29 (18.7.1871) · p. Seite 576

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 29 (18.7.1871)
Date
1871-07-18
Page
Seite 576 (sequence 8)
Language
German
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576 Stadtverordnetenversammlung der Stadt Iarocin in der Provinz Posen hat ihren jüdischen Mitbürger, den bisherigen Vertreter des dortigen Districtscommissarius Goldring, zu ihrem Bürgermeister erwählt und die Bestätigung dieser Wahl durch die Negierung ist erfolgt. Labiau (Ostpreußen). (Privatmitth.) Auch der Vorstand der hiesigen Shnagogengemeinde sieht sich genöthigt, an den wohlthätigen und frommen Sinn seiner Glaubensgenossen zu appelliren, um eine Synagoge erbauen zu können. Als Motiv seiner Bitte spricht der Vorstand in dem Aufrufe Folgendes aus: „Soweit unsere Erinnerung reicht, wurde in unserer Gemeinde der Gottesdienst in einem gemietheten Betlocal verrichtet. Dieses Local ist uns nunmehr gekündigt worden, und da im ganzen Orte ein dem Zwecke entsprechender Raum uns nicht zur Verfügung steht, so sind U>ir in die Notwendigkeit versetzt worden, zum Bau einer neuen Synagoge zu schreiten. Unter Aufwendung großer Opfer haben wir bereits den Bauplatz für ein neues Gotteshaus erworben; aber da drei Viertel unserer Gemeinde aus armen Familienvätern besteht, so sind wir leider außer Stande, den Bau eines Gotteshauses, des nothwendigsten Erfordernisses einer jüdischen Gemeinde, in Ausführung zu bringen." Dies genügt sicherlich, um die Dringlichkeit der Bitte zu erweisen. Die milden Gaben sind an den Vorsteher Herrn I. Fr e ymuth zu senden, und wird darüber öffentlich Rechenschaft abgelegt werden. Oestcrreichischungarische Monarchie. Wien, 3. Juli. Man schreibt von hier: Abraham Firkowitsch, Chacham der Karatten in der Krim, von welcher Sette eine kleine Anzahl auch in Halicz in Galizien lebt, befindet sich jetzt in Wien. Derselbe besitzt bekanntlich eine Bibliothek, die insbesondere durch die zahlreichen seltenen hebr. Manuscriptc, welche Unica sind, höchst werthvoll ist. So hat er Thorarollen, die zur Zeit der Kreuzzüge geschrieben wurden. Herr Firkowitsch. ein Greis von 85 Jahren, ist noch in voller Lebensfrische und hat sich vor kurzer Zeit wieder verehelicht. Bekanntlich hat dieser Chef der Karacten kürzlich Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser genommen, um dem Monarchen eine auf die Militärpflicht bezügliche Bitte seiner Gemeinde vorzutragen. DaS Oberhaupt der karattischen Kirche erschien in einem prachtvollen, dem Gewände der Popen ähnelnden Anzuge. Er trug ein schwarzseidenes Unterkleid, darüber einen Ueberwucf aus Moire antique, einen Weißen breiten Gürtel, auf dem schneeweißen Haupte eine Art polnischer weißer Haube mit schwarzer Verbrämung. Auf der Brust trug er eine große, ihm vom Kaiser Nicolaus verliehene Medaille am rothen Bande deS russischen St. Anna-Ordens. Die ganze Erscheinung machte einen höchst würdevollen Eindruck, und mehrere Audienzwerber, die im Vorsaale des Rufes gewärtig waren, ließen dem greisen Chef der Karatten den Vortritt; er verweilte ziemlich lange im Cabinet deS Kaisers. Frankreich.' Paris, 3. Juli. Mach den Arch. isr.) Bei dem Trauergottesdienst in der Notre Dame um den von der Commune erschossenen Erzbischof von Paris waren auch die Großrabbiner Isidor und Zadok Kahn gegenwärtig. Zugleich richteten diese, sowie die Mitglieder des Consistoriums ein Beileidsschreiben an das Metropolitancapitel von Paris, in welchem sie ihr tiefeS Mitgefühl an dem schrecklichen Ereigniß, welches die katholische Kirche von Paris betroffen, mit beredten Worten ausdrückten. — Die Nachricht vom Tode des ausgezeichneten Malers Alexander Laemlein ist hierher gelangt. Derselbe war zu Hohenfeld in Bayern geboren, als Kind nach Paris gekommen, welches er nicht wieder verließ. und als Franzose naturalisirt. Er hat Zeit seines Lebens mit Mangel und Entbehrung gekämpft, und obschon er auf den meisten Kunstausstellungen mit zahlreichen Medaillen ausgezeichnet worden und die letzten Jahre als Lehrer an der Nationalzeichenschule von Paris wirkte, konnte er es doch zu keinem Wohlstände bringen. Seine bedeutendsten Gemälde find „das Erwachen Adams", „die Vision Ezechiels", „die Musik" u. A. Seit Jahren kränkelnd, haben die Leiden der Belagerung seine Organisation gänzlich untergraben, so daß er an Blutleere litt, Paris in den ersten Tagen des Aprils verlassen mußte und bei einem Gastfreunde in Pont-Levoise Zuflucht suchte. Am 26. April fiel er an der Tafel plötzlich

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