Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1871)
- Date
- 1871-07-11
- Page
- Seite 566 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226827--29659-3252507- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Bogotá 2× ep/1044235
OCR text
Im ersten Jahre schoß fast die ganze Saat ins Kraut; die Achren waren sehr selten und sehr mager. Die Körner dieser ersten Saat wurden gesaet: eine große Zahl kam in der Erde um, ohne zu keimen. Die überlebenden Halme zeigten sich etwas fruchtbarer; jedoch man mußte sich gedulden und mehrere Generationen abwarten, ehe man normale Erndten erlangte. Die Geschichte der Einführung unserer Hühner in Amerika zeigt ebenso bedeutungsvolle Thatsacken. In Cuzco sind sie jetzt ebenso fruchtbar wie in Europa; aber Garcilazo berichtet uns, daß es zu seiner Zeit keineswegs so war. Die Eier waren selten, von den Küchlein wurden wenige groß. Aus den genauen Berichten, welche Herr Roulin über die Geschichte der auf dem Plateau Bogota eingeführten Gänse gesammelt hat, wird begreiflich, was sich betreffs der Hühner ereignete. Als Herr Roulin diese Vögel beobachtete, waren sie seit zwanzig Jahren in Reugranada, und doch hatten sie ihre normale Fruchtbarkeit noch nicht erlangt. Aber sie kamen ihr immer näher und legten öfter; übrigens gab höchstens ein Viertel der Eier Küchlein, und schließlich starb die Hälfte derselben nach dem ersten Monat. Rach Verlauf einer Zeit, welche kaum den zweihundertsten Theile des Gebens einer Gans gleich kommt, hatte der Züchter von Bogota nur ungefähr den achten Theil von dem erzielt, was man in Europa erreicht. Man weiß übrigens, wie viele Versuche der Acclimatisirung von Thieren in sehr verschiedenem Klima erfolglos blieben. Oester geschah es, daß von zahlreichen Individuen nur sehr wenige am Leben blieben, die jedoch, in Freiheit gelassen, nach einem langen Zeiträume eine überraschende Menge von Nachkommen hinterließen. Als Resultat ergiebt sich also bloß, was wir oben schon bemerkten, daß ein allmäliges Vorrücken und eine Verpflanzung nach einer Gegend mit gleichen Mitteln der Temperatur weniger gefährlich ist, in anderen Fällen aber zwar große Sterblichkeit und geringe Fruchtbarkeit eintreten, nach mehreren Generationen aber sich jene vermindert, diese sich hebt, und daß es außerdem Länder giebt, in welchen die Colonisirung aus den verschiedensten Gegenden der Erde eine leichtere zu sein erscheint, wie z. B. Australien. Allen diesen Fragen, Zweifeln und sich widersprechenden Beobachtungen gegenüber, tritt der jüdische Stamm als eine völlige Ausnahme auf. Wir haben Theile dieses Volksstammes in allen Gegenden der Erde ansässig, und überall bezeugt die Statistik das Anwachsen derselben, wenn auch in vielen Ländern nicht durch größere Zahl der Geburten als die der übrigen Bewohner, doch durch längere Lebensdauer und namentlich durch eine geringere Sterblichkeit der Kinder. So leben sie in stärkeren oder schwächeren Gemeinden in Indien, Persien, Arabien, Syrien, in der Tatarei, Bucharei und China, wie in allen Staaten von Europa; in Afrika bis tief in das Innere hinein, in Nordafrika wie am Cap; in Nordamerika wie in Südamerika, in welchem letzteren sie bereits feit Jahrhunderten Colonien besitzen (Surinam). Ebenso sind die Gemeinden in Australien im größten Wachsthum begriffen. Hierbei ist zu bemerken, daß diese Colonisirung der Juden in den verschiedensten Ländern aller Klimaten und Temperaturmittel durch die ganze Geschichte des jüdischen Volkes geht. Schon am Beginne derselben steht die Verpflanzung. des Stammes aus Syrien nach Aegypten, wo, so weit üns Notizen überliefert sind, die Lebensdauer durchaus nicht abnahm, dagegen die außerordentliche Fruchtbarkeit ihrer Ehen die Feindseligkeit der ägyptischen Herrscher motivirte. Nur etwas über sieben Jahrhunderte war dieses Volk in seinem eigenen Lande beisammen. Daß die nach Assyrien verpflanzten zehn Stämme aus der Geschichte verschwanden, läßt sich dieser Uebersiedelung nicht zuschreiben, da die 130 Jahre später nach Babylonien versetzten beiden Stamme (Juda und Benjamin), obwohl durch Krieg und Belagerung sehr decimirt, nach wenigen Jahrzehnden im Stande waren, mehrere Hunderttausende an das Mutterland zurückzugeben und doch in den babylonischen und medischen Ländern in großer Zahl zurückzubleiben. In Palästina wuchsen sie bald wieder zu Millionen heran, während von der Zeit Alexanders an immerwährend große Colonien nach dem Auslände abgegeben wurden. Was wir von diesen wisien, z. B. in Alexandrien, Antiochien und in vielen ägyptischen und syrischen Städten, erweist uns, daß sie hier überall an Zahl außerordentlich gediehen und selbst schon nach verhältnißmäßig geringen Zeiträumen bedeutend anwuchsen. Vor der zweiten Zerstörung Jerusalems gab es schon bedeutende jüdische Colonien in den europäischen Ländern, in Athen, Korinth, Sparta, ans den Inseln des Archipels, in Italien, besonders in Nom, in Gallien und Spanien, selbst in Germanien, soweit es von den Römern besetzt gehalten wurde. Einige deutsche Gemeinden schreiben sich einen Ursprung aus der Zeit vor dem Falle des Tempels zu. Gerade die unerwartete Zerstreuung der aus Palästina vertriebenen Juden hätte ihnen nach den Erfahrungen der Acclimatisation verderblich werden muffen. Plötzlich und in kleinen Gruppen nach den verschiedensten Ländern verjagt, hätten sie nach den gewöhnlichen Gesetzen der Vernichtung nicht entgehen können. Wir wiffen nichts hiervon. Vielmehr nahmen sie in den innerasiatischen Ländern einen großen Aufschwung, wie wir historisch aus de» babylonischen Landschaften wiffen, und im Mittelaller erscheinen sie schon zu Karl des Großen Zeilen voy Verbreitung und Bedeutung in allen Ländern, nicht zu gedenken, daß bis dahin die Novellen der oft- und weströmischen Kaiser und die Beschlüffe der verschiedenen Concilien über und gegen die Juden uns ihren Einfluß und ihre Ausbreitung erweisen. Später war es ein eigenthümliches Verhängniß, daß sie oft aus ganzen (Ginnten rmt KlnaM OD.f.. 1.. .