Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1871)
- Date
- 1871-07-11
- Page
- Seite 559 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
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559 Großbritannien. London, 23. Juni. Die Abschaffung der religiösen Beschränkungen an den Universitäten ist nunmehr vollendete Thatsache, und Oxford hat nicht lange gezögert , von der gesetzlich zugestandenen Freiheit Gebrauch zu machen, indem es bereits einem Katholiken und einem Israeliten den Titel des „Magister artium“ verliehen hat. Holland. Amsterdam, im Mai. (I. C.) Die HHr. A. C. Wert heim und E. I. Asser aus Amsterdam sind wieder zu Mitgliedern der Provinzialstaaten von Nordholland erwählt worden, und Herr vr. Leon aus Haag zum Mitglied der Provinzialstaaten von Südholland. Rußland. St. Petersburg, im Juni. (Privatmitth.) Bei den im Mai stattgefundencn großen Staatsprüfungen an der hiesigen Universität haben nicht weniger als zehn junge Israeliten die Eandidatcnwürde erlangt. Mit dem Besitze derselben sind sie, entsprechend den Bestimmungen des Gesetzes, vollständige Staatsbürger geworden und berechtigt, zu allen Staatsämtern zugelassen zu werden. Es verdient mit dankbarer Anerkennung hervorgehoben zu werden, daß die hier erscheinende russische Zeitung „Nowosti" unserer Glaubensgenossen, gegenüber dem Fanatismus der russischen Bevölkerung und Journalistik, mit großer Wärme und und vielem Geschick sich annimmt. In mehreren, sehr gut geschriebenen Artikeln tritt sie nicht nur dem landläufigen Judenhaß, den lächerlichen Borurtheilen gegen Juden und Judenthum mit Energie und Sachkenntniß entgegen, sondern auch namentlich, an der Hand statistischer Nachweise, dem allgemeinen Vorwurf, daß die Juden wenig Neigung zu nationaler Bildung besitzen, indem sic aufs Unwiderleglichste zeigt, daß dieselben trotz der für sie noch herrschenden Ungunst der Verhältnisse doch einen bei Weitem höheren Procentsatz zum Schulbesuch liefern, als die Russen. Dem Vernehmen nach ist Herr Werblowski, Se crctär des hiesigen Kreisgerichts, zum Kreisrichter in der Provinz ernannt. Der Secretär des regierenden Senats, Herr Abraham Dawidowitsch Nafalowitsch, ist als Geschworener deS hiesigen Gerichts bestätigt worden. Herr Ginzburg, schon seit Jahren durch seine großartige Wohlthätigkeit rühmlichst bekannt, hat wiederum 70,000 Rubel zum Bau der Synagoge gespendet. Beneidenswerth das Herz, das so zu empfinden, die Hand, die so.zu spenden vermag! — Derselbe, großherzoglich Hessen - darmstädtischer Generalconsul, ist vom Großherzog von Hessen-Darmstadt zum Baron ernannt und als solcher vom Kaiser Alexander bestätigt worden. „Wiestuik" berichtet, daß General Strandmann in dem Badeort Druskeniki (Gouvernement Grodno) eine Abtheilnng theils freier, theils billiger Betten für arme Israeliten eingerichtet habe. Für den gleichen Zweck haben die bekannten Menschenfreunde, die Herren Ginzburg, Palakow, Warschawski u. s. w. bedeutende Summen gespendet. Odessa, 17. Juni. Die Regierung entschädigte 176 Israeliten türkischer Staatsangehörigkeit ans Vorstellung des Gesandten der Pforte mit 10l>,060 Rubeln für den durch den Pöbel erlittenen Schaden. lWenn diejenigen Juden, welche türkische Untcrthanen sind und sich zufällig in Odessa aufhielten-, entschädigt zu werden die Berechtigung hatten, warum sollte diese nicht auch für die Juden anerkannt werden, welche russische Unterthanen sind? Die StaatSzugeherigkeit macht hierin doch keinen Unterschied, und die Ehre des russischen Staates erfordert, daß man nicht dem Andrängen einer fremden Macht zugesteht, was man den eigenen Unterthanen vorenthält.) Warschau, im Juni. lPrivatmitth.) Die besseren, intelligenteren Kräfte innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde haben sich endlich aufgerasst und vereinigt, um durch Wahl der hervorragendsten Männer aus ihrer Mitte, an ihrer Spitze Herr Dr. Nathanson, die Wahrnehmung und Vertretung der Gemeindcinteresscn würdigeren, berufeneren Händen zu übergeben. Freilich etwas spät! Denn während beispielsweise in Berlin, Wien, Leipzig u. s. w. unsere den vornehmsten und gebildetsten Kreisen angehörcnden Glaubensgenossen es sich als Ehre anrechnen, ja, sich förmlich darum bewerben, zu Gemeindeverwaltern gewählt zu 28*