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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-11 · Heft 28 (11.7.1871) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 28 (11.7.1871)
Date
1871-07-11
Page
Seite 560 (sequence 12)
Language
German
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560 werden, haben sich die gebildeten und vornehmen Jsraelüen Warschaus — und Warschau war in dieser Hinsicht für die Provinz maß- und tonangebend. — seither förmlich davor gescheut, sich mit jüdischen Angelegenheiten zu befassen, gerade als ob cs eine Scbande wäre, Jude zu sein oder jüdische Interessen zu vertreten. Tie Folge war, daß an die Spitze der Gemeinde- Verwaltung Männer kamen, die weder im Besitze einer nur annähernd genügenden Bildung und Intelligenz waren, noch sich eines Vertrauen erweckenden Rufes erfreuten, wodurch nicht nur die Gemcindeintcrcsseu, sondern auch und ganz besonders die Ehre und Würde des Judenthums aufs Schwerste geschädigt wurden. Dies läßt sich schon daraus ersehen, daß es gelungen ist, einen ehemaligen Kaufmann, der nicht einmal im Stande sein soll, sich anderer als der jüdischen Schriftzcichcn zu bedienen, mit dem höchst wuchtigen Posten des Warschauer Rabbinats zu bekleiden! — Hoffen wir nun, daß die neue Gemeindevertretung, welche von der Negierung bereits ihre Bestätigung erhalten, durch energische, erleuchtete, bahnbrechende Thätigkeit sich des in sie gesetzten Vertrauens würdig und auf der Höhe der Zeit und ihrer veränderten Aufgaben zeige, damit sie verdiene, die Vertretung der Hauptstadt des Landes genannt zu werden, auf welche die Gemeinden der Provinz als auf ihre Führerin und Lehrerin blicken dürfen. Warschau, im Mai. (Privatmitth.) (Verspätet). Am 20. April d. I. ist Herr Jacob Tugendhold, der Meister der jüdischen Schriftsteller Polens, in einem Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verstorbene, aus Breslau gebürtig, trat bereits im Jahre 1820, mit einem reichen sowohl specicll jüdischen wie allgemeinen Wissen ausgerüstet, in den diesseitigen Ncgierungsdicnst, zumeist als Eensor, ein, und hat seit dieser Zeit in ununterbrochener Reihenfolge, von einer warmen Liebe für seinen Glauben und seine Glaubensgenossen und von einem tiefen Drange zu gemeinnützigem Streben und Schassen erfüllt, als Schriftsteller sowohl wie als Schöpfer, Leiter und Mitglied der verschiedensten israelitischen Humanitäts- und wissenschaftlichen Institute, sich nicht nur um die Juden Warschaus, sondern ganz Polens die bedeutendsten Verdienste erworben. Ramemlich verdient er als erster Organisator der israelitiscben Elementarschulen zu Warschau, sowie als Director der dortigen Rabbinerschule genannt zu werden, welcher er vom Jahre 1855 bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1861 Vorstand, und aus der die tüchtigsten Männer (freilich nur keine Rabbiner, weil, was auch heute noch der Fall ist, der Cultnsznstand der Gemeinden ein solcher ist, daß sie einen gebildeten Rabbiner noch nicht vertragen) hcrvorgegangen sind. Seine zahlreichen, in sehr gutem Polnisch — nur sehr wenige unserer Glaubensgenossen konnten sich ein halbes Jahrhundert früher mit gleicher Fertigkeit und Eorrectheit wie er der Landessprache bedienen — abgcfaßtcn Schriften waren sowohl der Erhebung und Bildung, wie der Vcrtheidigung der Juden gegen die Angriffe und Voruriheile der nichtjüdischen Welt gewidmet; auch mehrere streng wissenschaftliche Werte hat er geschrieben und viele in- und ausländische Zeitungen mit Artikeln aus seiner Feder versehen. — Der Name Tugendholds ist unbedingt mit der neueren Geschichte der Juden Polens nach den verschiedenartigsten Richtungen hin aufs Innigste verflochten. t ll J c i I) C ll. Der hier 5 Jahre im Amte gewesene Lehrer Fränkel ist nach Glogau berufen und wird dadurch die hiesige Lehrer-, Cantor- und Schächterstelle zum l. Mai 1872 vacant. Dieselbe bietet außer nicht unwesentlichen Nebeneinkünsten zunächst ein baares Gehalt von 350 Thlrn. bei freier Amts-Wohnung und Feuerung; auch ist damit eine von der Königl. Regierung bewilligte Renumeralion von 30 Thlrn. für die Seelsorge der hiesigen Strafgefangenen verbunden. In hiesiger Synagoge findet einstimmiger Chorgesang statt. Geeignete Bewerber von guter, wissenschaftlicher Bildung belieben sich unter Einreichung ihrer Atteste an den Unterzeichneten zu wenden. Naugard, d. 4. Juli 1871. Der Borstand der Synagogen-Gemeinde. Annonce. Die hiesige Eantor-, Schächteru. Religionslehrer- Stelle ist sofort zu besetzen. Oualisicireude wollen sich zum sofortigen Antritt melden. Gehalt 150Thlr., freie Wohnung und Nebenaccidentien. Reisekosten werden nicht erstattet. Der Vorstand: Sandberg, d. 4. Juli 1871. Pcrurl. Dw Cantoru. Schächlerstelle hwr, mtt 250 bis 300 Thlrn. jährlicher Einnahme, wird am 1. August c. vacant. Bewerber mit guten Zeugnissen wollen sich an Unterzeichneten melden. Reisegeld wird nicht vergütigt. Zirke o/W., d. 2. Juli 1871. Der Vorstand: Selkn.

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