Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1871)
- Date
- 1871-07-11
- Page
- Seite 555 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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V JL 555 Ansicht, die er wiederholt außspricht, nämlich daß das Gute als Lohn durch Gott selbst, das Böse als Strafe durch dieEngel ertheilt und ausgeführt werde. „Denn, sagt Philo,H) dem Besten kam es seiner Natur nach zu, nur das Beste zu thun, die Strafe der Gottlosen aber durch feine Diener vollziehen zu lassen. Die Güter, welche die der Tugend beflissenen Seelen nähren, müssen auf Gott selbst zurückgeführt werden, die Ertheilung der Uebel aber ist den Engeln übergeben." An einer anderen Stelle:7) „Gott erachtet es für billig, daß die Güter durch ihn selbst gespendet werden, die Ausführung des Gegentheiles aber seinen Mächtigen überlassen bleibe, so daß er einzig und allein als der vorzügliche Urheber des Guten, keineswegs aber eines Nebels angesehen werde." Jndeß beschränkt auch Philo nach den Lehren des Iudenthums die Vergeltung der bösen Handlungen des Menschen durch die Barmherzigkeit Gottes und die Wiederversöhnung mit Gott. Wir wollen hierüber nur einige wenige Stellen anführen. De Alleg. lib. 3. I, 108 (Bibl. Bd. III S. 151) sagt er: „Doch erkenne auch hierin die Güte Gottes; er öffnet den Schatz der guten Dinge, aber denjenigen der bösen schließt er. Denn cs ist Gottes Natur, das Gute bereitwillig zu geben und unaufgefordert zu schenken, das Uebel aber nicht leicht zu verhängen. Moses stellt Gottes Gnade und der Huld noch höher und sagt, der Schatz der Uebel sei nicht nur gewöhnlich versiegelt, sondern auch, wenn die Seele auf der Grundlage der richtigen Vernunft wankt und so der Strafe würdig scheinen könnte; denn zur Zeit der Rache würde der Schatz der Uebel versiegelt, wie denn die heilige Schrift zeigt, daß Gott die irrenden nicht sofort bestraft, sondern ihnen Zeit zur Umkehr und zum Verlassen der Sünde giebt". In dem schon angeführten Buche De praem. et pocn. bemerkt er: „Gott durch seine Billigkeit und Güte zögert stets mehr mit der Strafe als mit der Gnade." Dann wieder: „Sobald die Menschen zur Gottesfurcht zurückkehren, von der Unmäßigkeit zur Enthaltsamkeit, und die Jrrthümer ihres vergangenen Lebens verurtheilen und was von schändlichen Bildern in ihre Seele sich eingeprägt hatte, sühnen, dagegen zur Beruhigung der Leidenschaften 7) De CoDfus. Ling. I, 432. *) De Abraham. II, 22. Philo zieht diese Ansicht auS den Ausdrücken der Schrift bei der Vernichtung SodomS. und zu einem friedlichen Leben zurückeilen: dann begünstigt sie Gott, und wendet ihnen das Glück und die Güter des Lebens wieder zu." Endlich (De ereer.) „Wer die Züchtigungen GotteS nicht als inunerwährende, sondern als Anregungen zur Besserung betrachtet und mH veränderter Gesinnung seine Berirrung verurtheilt, und mit geläutertem Geiste seine Schuldhaftigkeit von Herzen anerkennt, zuerst im aufrichtigen Bewußtsein, dann auch mit Worten, daß man es höre: der erlangt Gnade bei Gott, der diese dem menschlichen Geschlechte gewährt hat." Geben wir demnach zu, daß Philo die Probleme dieser ganzen Frage in rein philosophischer Weise nicht löst, so müssen wir doch anerkennen, daß er insofern einen Fortschritt gethan, als er, ohne die Anschauungen des Judenthums irgendwie zu verlassen, doch ein Hauptgewicht auf das innere Seelenleben des Menschen legt und die blos äußerliche Vergeltung mehr in daö Heiligthum des Geistes verweist, so daß eben Glück und Unglück, Wohl und Wehe weniger von den äußeren Bedingungen, als von den Empfindungen abhängig erscheinen, welche im Bewußtsein des Guten und des Bösen, in den Gefühlen der Schuldlosigkeit und der Schuldhaftigkeit liegen, daß daher das Gute um des Guten willen zu thun, das Böse um des Bösen willen zu lassen sei. Indem also Philo nicht sowohl den Weg verfolgte, welchen das Buch Hiob angebahnt hat, legt er vielmehr den größeren Antrieb zur Erkenntniß der göttlichen Vergeltung in die innere Welt der Gesinnung und der Gefühle. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 29. Juni. iPrivatmitth.) Wieder ist ein Stück. Borurtheil gefallen. Der Kaufmann Herr Theodor Pick aus Landsberg a. d. W. ist zum Abgeordneten des Provinziallandtags, der augenblicklich hier tagt, gewählt worden. Cöln, 29. Juni. (Privatm.) Aus der hier ansässigen Familie Ursel haben sich drei Brüder im beendeten Kriege ausgezeichnet. Julius Ursel, Dr. Huris, Referendar am Kammer-