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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-11 · Heft 28 (11.7.1871) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 28 (11.7.1871)
Date
1871-07-11
Page
Seite 554 (sequence 6)
Language
German
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554 manchmal wieder denen, die sie haben,, unausweichliches Verderben bringen. Weil also in den Gütern der Seele allein die reine Freude gefunden wird, freut sich jeder Weise nur in sich selbst, nicht in dem, was er um sich hat. Denn in sich selbst hat er die Tugenden der Seele, die uns billiger Weise gefallen, um sich hat er aber die gute Beschaffenheit des Körpers und die Menge der äußeren Dinge, die uns gar nicht gefallen sollten." -') „Das glückliche Loos des guten Menschen besteht also in der Erlangung der Hoffnung und der Freude, indem er Gutes entweder hat oder sicherlich erwartet. Die Bösen aber leben in Trauer und Furcht, indem sie entweder einen schlimmen Theil gegenwärtiger Nebel besitzen und über ihr Mühsal seufzen, oder aus Furcht vor den auf sie ein stürmenden Nebeln zittern." So sehr aber auch Philo in den Wirkungen der Begierden und Leidenschaften und der aus diesen entspringenden Sünden die Bestrafung, dagegen in den Wirkungen der Tugend, der Gotteserkenntniß und des Hangens an Gott, die Belohnung des Menschen sieht und nachdrücklich betont, ja mit Vorliebe ausmalt: so konnte er sein Auge doch nicht vor der täglichen Erfahrung verschließen und verfiel allmälig in jenen Stoicismus, derden Schmerz lieber leugnet als ihn empfinden und ertragen laßt. Auch konnte er nach seinen Begriffen von der göttlichen Wallung die Vergeltung nicht blos in den, nach ihm natürlichen seelischen Folgen finden und darauf beschränken. In der That erkennt Philo auch die äußeren Güter und Schicksale des Menschen in ihrer Bedeutung für diesen an, und verlegt in sie die göttliche Vergeltung. Er setzt dies ausführlich in den, durch die Titel De praemiis et poenis und De execrationibus getrennten Abhandlungen, welche jedoch nur eine, nämlich eine Exegese der nsmn, ausmachen, auseinander. Auch hier spricht er zuerst von dem inneren Lohn des Guten, der Freude und der Hoffnung, und der inneren Strafe des Bösen, dem Schmerze und der Furcht. Er geht noch weiter, und läßt den Fronunen L) Dicö erweist Philo aus 1 Mos. 4, 26 bnin uS 'n OTöa „Damals fing man an anzurnfen den ^ttamen des Ewigen" (Targg. und And. „entweihen"). Die Scpt. übertragen diese Worte: ovrog ijhnaev iirrtaXtlaitcu %o ÖvOfia Kvqiov rov Ütov „dieser hoffte anzurufen den Namen Gottes." Diese Uebersetzung der Sept. hält Philo fest, betont das „hoffte" und sicht darum von Moses selbst die Hoffnung als das wahre Gut deö Gottessürchtigen bestätigt. im Anschauen Gottes gleichsam zu einer NarkosiS, einer Erstarrung, kommen, einer völligen Ruhe des Geistes, ähnlich und doch entgegengesetzt dem Buddhisten, der sich ins Nichts versenkt, wohingegen er den Sünder in eine Art beständigen Sterbens gerathen läßt, da es zweierlei Tod gebe, der eine todt sein, der andere immerfort im Sterben sein. Dann aber kehrt Philo auf den Boden der heil. Schrift zurück und zeichnet mit beredten Worten, wie durch die göttliche Vergeltung, wenn auch nicht gleich und schnell, doch langsam und sicher dem Frommen das Glück an äußeren Gütern, dem Bösen aber die Strafe an denselben zukomme. Er schreibt: „Dies sind die äußeren Güter: der Sieg gegen die Feinde. Tapferkeit, Dauerhaftigkeit des Friedens und die Fülle der Dinge, welche der Frieden mit sich zu bringen pflegt, Reichthümer, Ehren, Würden, Aemter, Lobsprüche, welche dem Glücklichen aus dem Munde der Freunde und der Feinde folgen; ferner solche, die den Körper betreffen und auch denen versprochen werden, welche die Tugend ausüben und ihr Leben nach dem Gesetze einrichten, nämlich Befreiung von Krankheiten und Seuchen. Wenn irgend eine Schwäche ihnen zukommt, so geschieht dies nicht, sie zu verletzen, sondern um sie daran zu erinnern, daß sie sterblich sind. Denn Gott hält es für billig, den Rechtschaffenen als Lohn eine wohlgebaute und vom Fundament bis zum Dache feste Wohnung zu geben, denn der Körper ist die der Seele angeborene Wohnung und zwar aus vielen nützlichen und nothwendigen Ursachen, besonders weil der gereinigte und in die göttlichen Geheimniffe eingeweihele Geist, um der Ruhe würdig zu sein, frei sein soll von allen Nebeln des Körpers u. s. w." Hieran re'.ht sich langes Leben, zahlreiche und gedeihliche Nachkommenschaft u. dgl. Diesem entsprechen die Strafen der Bösen, zunächst „als das leichteste Nebel" Mangel, Armuth, Entbehrung der zum Leben nothwendigen Dinge; Feinde verwüsten die Saaten oder bemächtigen sich der Ernte, ein zweifacher Schmerz, Heuschrecken schwärme fallen ins Land, daß die Scheuer weniger aufnimmt als die Aussaat betrug, Himmel und Erde versagen ihre Dienste, der Krieg entbrennt und bringt Schrecken und Vernichtung, die Knechtschaft legt das Joch auf die Schultern der früheren Freien, Unglück aller Art und Krankheiten, deren Philo eine lange Reihe auszählt, kommen über die Schuldigen. Daß Philo in diesen äußeren Geschicken und Gütern wirklich Lohn und Strafe sieht, zeigt sich in der

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