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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-11 · Heft 28 (11.7.1871) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 28 (11.7.1871)
Date
1871-07-11
Page
Seite 552 (sequence 4)
Language
German
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552 eitelkeit erhalten Hai, gesenkt worden, daß er früher oder später sich zu neuen Kämpfen auf Leben und Tod erheben wird, wozu sich ihm in der großen materiellen Regenerationokraft dieser Nation die Mittel wieder bieten werden. Ferner: der Aufstand der Pariser Commune hat die Furchtbarkeit des unterirdisch wühlenden SocialismuS, der die Gesellschaft untergrabenden Internationalen erwiesen; er wurde niedergeschlagen, aber nicht erdrückt; die Frage ist aufgehoben, aber nicht gelöst; und da die Träger dieses gesellschaftlichen Gespenstes niemals etwas zu verlieren haben, werden sie noch oft iyic Versuche gegen die bestehende Gesellschaft erneuern. Auf der anderen Seite wird die ultramontane Partei ihr Spiel noch lange nicht aufgeben, und das Dogma der Unfehlbarleit wird, so bald es sich erst tiefer eingewurzelt, die Parteigänger zu immer entschiedenerem Vorgehen stärken; der klerikale Gegensatz wird den Frieden der Confessionen, der gleichartigen Behandlung der verschiedenen Religionsgenossen immer offener entgegeutreten und alle -seine geheimen und offenbaren Mittel benutzen, die Geister gegen einander zu Hetzen. Wie die Ausschreitungen der klerikalen Macht von den Antireligiösen benutzt wurden, um alle Positivitat der Religion und alle positive Religion zu disereditiren und darin die Freiheit des Geistes zu setzen, sich aller Gottgläubigkeit zu entziehen: so benutzen die Klerikalen die Ausschreitungen jener, um, wo ihre eigenen Uebe-rgrisse und die der Pietisten zurückgewiesen werden, die Religion in Gefahr zu erklären. Endlich wird die Beseitigung der weltlichen Herrschaft des Papstes den klerikalen Bestrebungen ein greifbares Object bieten, durch welches sie um so leichter den Eingang in die Herzen der Katholiken sich eröffnen. Der Zwiespalt also zwischen Frankreich und Deutschland, die socialistischen Gährungen, das Unsehlbarkeitsdvgma und die Beseitigung des Kirchenstaates haben sich in diesem Jahre realisirt und werden bestimmend auf die Zukunft der menschlichen Welt wirken. Die Civilisation, die sich in ihrem begründenden und erhaltenden Triebe bereits so sicher fühlte und ihre Obmacht unanfechtbar dachte, hat die erschütterndsten Stöße vom Zerstörungötriebe, von der Gemalt der Uncultur in den Menschen erlitten, und selbst ans ihren Siegen ersteht die Aussicht auf weitere Kämpfe, die sie zu bestehen haben wird. Wir können hier nur in zwei Gedanken unsere Tröstung und Erlräftigung finden: einerseits, daß diese Kämpfe nothwendig sind, um die Civilisation nicht in Erschlaffung, nicht in den entnervenden Schoß deS materiellen Lebens versinken zu lassen; andererseits daß wir das Walten der göttlichen Vorsehung in allen diesen Erscheinungen gewahren und unsere Zuversicht auf sie erneuen. Ja, es war so Vieles Schein; er muß fallen vor dem Sein, vor der Wirklichkeit des Daseins. Und dazu verhilft der Alles lenkende Weltengeist der Menschheit auf ihrem schweren, mühevollen Pfade. Die kehre -es Äudenthnms von der göttlichen Vergeltung. vil. Philo, der Alexandriner. (Fortsetzung.) Bei einem Geiste, der so von Gottgläubigkeit durchdrungen, von den innigsten Beziehungen des Menschen zu Gott überzeugt war, verstand sich die göttliche Vergeltung aus dem freien Willen und der Verantwortlichkeit des Menschen, soweit diese ihm vorhanden erschienen, von selbst. Anknüpfend an 1 Mos. 2, 7 und die Frage beantwortend, weshalb Gott den an den Körper gefesselten Geist des göttlichen Odems würdigte, sagt Philo zu zweit, daß dieser Umstand die göttliche Gerechtigkeit ermöglichen wollte, denn nur wenn Jemandem das wahrhaftige Leben eingehaucht worden und er dadurch also der Tugend kundig ist, kann er wegen seiner Sünden bestraft werden. Nachdrücklicher noch erklärt er 1 Mos. 3, 24: „Also vertrieb Gott den Adam u. s. w." und 4, 1 (i: „Und Kain ging hinweg vom Angesichte des Ewigem' dahin, daß hiermit die verschiedene Art des Handelns bezeichnet sei, des willkürlichen und unwillkürlichen. Das was unwillkürlich, nicht durch unseren Entschluß geschehen ist, findet irgendwie seine Heilung, wie dem Adam Seth für Abel gegeben wurde (V. 25), da Adam nicht durch sich selbst gefallen war. Das Freiwillige aber, das mit unseren: Entschlüsse und unserem Zuthun geschehen, wird stets unheilbare Strafen empfangen. Denn so wie glücklichere Erfolge, welche, durch eigenen Nathschluß eintreten, denen durchaus voranstehen, die durch Zufall erlangt werden, so sind von den Sünden die unwillkürlichen leichter als die De Alleg. Iib. 1. I. 50.

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