Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1871)
- Date
- 1871-06-27
- Page
- Seite 517 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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517 die Leiche erst bei der Beerdigung stattfinden. Auch dringen diese Vertreter auf die Erwerbung dieses Complexes in das Eigenthum der Cultuszemeinde wegen der separaten Beerdigung eines jeden einzelnen Israeliten. An den Herrichtungs- und Jnstallirungskosten würde sie den auf die Eultusgcmeinde entfallenden Betrag bezahlen. Frankreich. Bonn, 8. Juni. (Privatmitth.) Wir erhielten heute wieder einmal ein Heft der Archives isra^lites. Wir freuten uns dessen, weil wir aus dieser Zusendung entnahmen, daß der geschätzte Redacteur dieser Zeitschrift die furchtbare Katastrophe wohlbehalten überstanden und seine publicistische Thätigkeit sortzusetzen im Sinne hat. Aber diese Befriedigung wurde dadurch gemindert, daß das Heft vom 1. April datirt, also vor dem Beginn jenes grauenhaften Aufstandes vom 19. Mai geschrieben ist. Dies bestätigte sich uns durch den Inhalt, aus welchem noch keine Ahnung sich verräth von den Schrecknissen, welche bevorstanden, und von den Folgerungen, welche man ans ihnen auf die innere Lage Frankreichs und die wirkliche Beschaffenheit der französischen Nation ziehen muß. Wir sind daher fern davon, mit vielen Aeußerungen in mehreren Artikeln dieses Heftes polemisiren zu wollen. Die nachfolgenden Ereignisse haben die Widersprüche selbst aufgedeckt, und der Standpunkt des Verfassers muß gegenwärtig von selbst ein anderer als damals geworden sein. Damals glaubte der Redactenr der Areli. isr. noch an die Herrschaft und Macht der humanen und liberalen Ideen in Frankreich, obgleich er doch selbst gesehen, daß diese die Franzosen von einem ungerechtfertigten Angriff Deutschlands nicht zurückgehal ten hatten. Nach den neuesten Ertebuisseu muß dieser Glaube auf eine lange Zeit geschwunden sein. Er wird daher auch in der Beurtheilung Preußens und Deutschlands wohl zu einer anderen Meinung gelangt sein. Doch gehen wir gerade deshalb darüber himveg. Der materielle Inhalt dieser Lieferung geht daher auch nur noch auf die Belagerung von Paris durch die Deutschen zurück. Größtenteils haben wir diese Thatsachen schon früher gebracht, andrentheils haben sie jetzt ihr Interesse verloren. Wenn hier über die traurige diesmalige Feier des Peßachsestes geklagt wird, wie schrcckensvoll muß erst das diesmalige Schabuothfest in Paris gewesen sein. Eines müssen wir jedoch noch hervorhebcn: in einem Artikel wird behauptet, daß unter den in Paris angesiedelt gewesenen Deutschen, also auch unter den, mit so vieler Härte und Grausamkeit AuSgetricbenen, eine verhältuißmäßig größere Zahl Juden gewesen sei. Da diese Austreibung schon vor dem Beginne des Krieges beschlossen und während der ersten Periode desselben in grausamster Weise ausgeführt worden, also lange noch ehe Preußen seine Friedcnsbedingungcn ausgesprochen hatte, so beweist dies abermals leider, daß sich die Franzosen nicht gerade unter der Herrschaft der Menschlichkeit und des Völkerrechts befanden. Die Areli. isr. bestätigen dies auch insofern, als sie sich darüber beklagen, daß die Journale die deutschen Juden des Zwischenhandels mit den von den Preußen geraubten Gegenständen beschuldigten, so daß sie cs den preußischen Dfsicieren leicht gemacht, die Schlösser auszuräumen. Das Eine ist bekanntlich so wahr wie das Andere; aber die französischen Journale sammt und sonders, kaum das Journal des Debüts ausgenommen, haben seit Jahren, haben vor dem Kriege und während desselben eine so abscheuliche und verbrecherische Nolle gespielt, haben so viel zur Vergiftung des Volkes und zur Zerstörung des Staates gewirkt, und scheinen in diesem Augenblicke ihre Rotte ganz in derselben Weise wieder aufnchmen zu wollen, daß eine Widerlegung nicht nöthig ist. Wir brauchen wohl nicht hinzuzufügcn, daß, wenn wir so von der französischen Journalistik sprechen, wir die Aich. isr. ansnchmeu, welche sich stets der Unparteilichkeit und Besonnenheit befleißigt haben. Leider können wir hingegen das Univers israclite nicht ausnehmen, welches nicht selten an Gehässigkeit und Trug so viel gebracht, daß es seinen Brüdern, dem katholischen Univers und Monde, ziemlich ähnlich sah. Jndeß sei bemerkt, daß die Arch. isr. die zahlreiche Auswanderung deutscher Israeliten nach Amerika, England und Frankreich aus dem Druck, welchen das „tyrannische Preußen" gegen die Juden ausübe, erklären wollen. Wir können ihnen versichern, daß Preußen durchaus nicht „tyrannisch" ist und sich darin mit dem gestürzten napoleonischen Regime durchaus nicht messen kann. Die Arch. isr. widerlegen sich aber selbst, denn sie sagen, daß unter den nach Paris gekommenen Jöraeliten zahlreiche tüchtige Geschäftsleute, Commis, Handwerker und auch einige Gelehrte gewesen seien. Nun, von allen diesen 26