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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-27 · Heft 26 (27.6.1871) · p. Seite 512

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 26 (27.6.1871)
Date
1871-06-27
Page
Seite 512 (sequence 4)
Language
German
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512 ligiöse Momente ihre Nolle gespielt. Der Bann war erst von Außen in das Judenthum hineingctragen. Dem orthodoxen Fanatismus fehlte die äußere Macht. Wenn man der großartig ausgeführten Casuistik des traditionellen Gesetzes nicht absprechen kann, daß sie die Culturentwickelung der Juden vielfach behinderte, so darf man nicht übersehen, daß diese Casuistik den jüdischen Stanun befähigte, sich in den Zeiten der Barbarei und deö Mittelalters seine Religion unangetastet zu erhalten, um in späteren Geschlechtern wieder freier und reiner zu erblühen, und daß ihre eigenthümliche Art, ihr Studium und ihre Ausbildung, die geistige Lebensthätigteit des Stammes rege erhielt und nährte. So wurde die Religion und insbesondere das Judenthum die Begründerin und Pflegerin der Civilisation, und es giebt keine Zeit und keine Phase der Menschheit, in welcher diese der Religion zur Erhaltung und Entwickelung der Cultur irgend entbehren könnte. Aber auch innerhalb der Religion selbst machte sich der Zerstörungstrieb ' geltend, schuf culturfeindliche Momente, regte gewaltige Kämpfe und Kriege. an und strebte dahin, der Religion mit ihrer eigenen Hand ihre segensreichste Wirksamkeit zu nehmen, ihre schönsten Blüthen zu vernichten, ihre edelsten Früchte zu verkümmern. Gerade das Jahr, welches wir eben hinter uns haben, gab hierfür neue Anlässe, neue Erweise. Hieraus wollen wir schließlich noch einen Blick werfen. (Schluß solgt-t Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Der Druck der diesjährigen Schriften geht rasch vorwärts, und wird die Versendung Ende August oder Anfang September stattsinden. Es werden geliefert: 1) Palästina von Munk, überarbeitet von Professor Dr. A. M. Lcvy. Erster Theil. 2) Beiträge zur jüdischen Alterthumökunde von Leop. Löw. Zweiter Band. 3) Geschichte deö Volkes Israel von der Zerstörung deS ersten Tempels bis zur Einsetzung des Makkabäers Simon von Dr. L. Herzfeld, Schluß des Werkes. 4) Judah Turo, ein biographischer Roman von Dr. M. Wasser man n. — Ausnahmsweise nehmen wir dies Mal bis zur Versendung noch Abonnements, das Exemplar zu 2 Thlrn. an, welche an Di-. Ludwig Philippjon in Bonn zu adressiren sind. Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 29. Mai. Nach längerer Unterbrechung in Folge der bekannten, großen weltgeschichtlichen Ereignisse ist vor Kurzem von der vom Rabb. Dr. I. Koba! in Bamberg seit vielen Jahren herausgegebenen wiffenschastlichen Zeitschrift „Jeschurun" ein inhaltreiches Doppelheft, deutsche und hebräische Abtheilung, in der Schletter'schen Buchhandlung in Breslau, 1871, erschienen. Herr Rabb. Kobak hat besonders in den drei letzten Jahrgängen des Jeschurun der handschriftlichen Literatur seine Aufmerksamkeit zugewendet und viele bedeutungsvolle und wichtige Manuscripte, theils poetischen, theils allgemein wiffenschastlichen Inhalts veröffentlicht, die längst die Aufmerksamkeit der Freunde der Wissenschaft des Judenthums aus sich gezogen haben. Bei diesen intereffanten Inedita, die auch in Separatabdruck unter den Titel: nnnoi zwei Hefte, erschienen, wurde der verdienstvolle Redacteur von dem gelehrten Bibliophilen S. Halberstamm in Bielitz, welcher eine der bedeutendsten hebr. Privatbibliothekcn in Deutschland besitzt, mit seltener Munisicenz unterstützt. Herr Halberstamm lieferte im Jeschurun aus seiner Bibliothek das reichste Material, versehen mit den nothwendigen Einleitungen, Notizen und Bemerkungen, die von seinen gediegenen Kenntniffen, von seiner ausgebreiteten Belesenheil ein rühmliches Zeugniß ablegen. So brachte unter andern der vorletzte Jahrgang ein juridisches Lehrgedicht von Hai Gaon. das bisher völlig unbekannt war, und auch diesmal theilte Herr H. die iutereffantesten Beiträge aus seiner handschriftlichen Sammlung mit. Es sind dies die Briefe des R. David, nbun «rri, aus Mosul und des R. Samuel Kohen über den bekannten, durch Maimonides Moreh angeregten, heftigen Streit; ferner eine geistreiche poetische Apologie und Bertheidigung der Frauen: 2^22 rm* von einem unbekannten R. Jizchak gegen die Angriffe des Weiberfeindes: 2^2:n «rua rrnrr nn:ia. Der Verfasser deS mr? schrieb seine Apologie im Jahre 1110, wenige Jahre, wie Herr H. gründlich nachweist, nach dem Erscheinen deS 2'>2:n rmrr» nn:72 von R. Jehuda

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