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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-20 · Heft 25 (20.6.1871) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 25 (20.6.1871)
Date
1871-06-20
Page
Seite 499 (sequence 11)
Language
German
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letztere irgend eine gesetzgeberische Bestimmung getroffen, so wagte er sie nicht anszuführen, aus Furcht, die Gewissensfreiheit anzutasten. Auf diese Weise brachte er den Srreit erst recht in das Innere jeder Confession, und nichts Thatsächliches zu Stande. In anderer Weise war auch das ungarische Unterhaus inconscquent. Während es für die christlichen Konfessionen durchaus den stutu.-; <juo erhalten wollte, gedachte es für die Juden unbeschränkt für die Gewissensfreiheit zu schwärmen, und sie jedes Haltes, jeder Organisation zu entheben. Seitdem aber der Minister Panter die Verwaltung des Unterrichts übernommen und die Cnllus- und Schulangelegenheiten auf den Weg bringen will, seitdem auch das Unterhaus durch die Denkschrift, die Petitionen und die Gutachten sich überzeugt hat, daß es ebenso viel Gewissenszwang ist, einer Eonfession jede gesetzliche Regelung ihrer Verhältnisse zu versagen, und daß die Desorganisation der Wunsch nur einer Fraction der ungarischen Juden ist. stehen die Dinge wieder ganz anders. Sie haben bereits'zwei ministerielle Rescripte rnitgethcilt; nach dem ersten wurde die israelitische Landescanzlci als behördlich allein autorisirte Instanz anerkannt, nach dem zweiten soll die Schulorganisation nach dem Congreßstatut vor sich gehen und die Schulinspection von den gewählten jüdischen Vertrauensmänner übernommen werden. Es ist also kein Zweifel, lvcr, wenigstens in der Gegenwart, gesiegt hat: die Eongreßpartei. Alle Wege der Wirksamkeit sind für sic eröffnet. Es fragt sich nun, ob sic thalkräftig genug ist, um die Gunst der Zeit zur Gründung dauernder Institutionen zu benutzen, aber auch ob sie gebildete Werkzeuge genug im Laude vorsindet, um die Ausführung zu ermöglichen. Zu diesen, durchaus nicht so häufigen Organen gehört aber jedenfalls die Mehrzahl der Lehrer, und es wäre deshalb den Führern nur zu rathen, und zwar um des Gedeihens ihrer eignen Sache willen, sich der Lehrer in jeder Weise zu bedienen und sie von den durch das Gesetz erforderlichen Aemtern nicht auszuschließen, sondern erst recht fachgemäß zu benutzen. Dadurch würden sie zugleich eine schwere Schuld abzahlcn; denn daß die jüdischen Lehrer in Ungarn vielfach höchst inhuman behandelt worden sind und zum Theil es noch werden, ist Jedermann bekannt, und wir wählen nur das mildeste Wort, indem wir sagen inhuman. Würden aber auch jetzt die günstigen Verhältnisse unbenutzt bleiben und nach so vielem Gerede und vergossener Tinte doch nichts Thatsächliches herauskommen, so wäre es nicht nur wenig ehrenvoll, sondern vielmehr schädlich für jede Entwickelung innerhalb des ungarischen Judenthums. Aus Ungarn, 21. Mai. (Privatmittheil.) Wir theilen nach den von dem statistischen Bureau veröffentlichten officiellen Tabellen, dto. Ofen 1t). Deccmber 1870 die Summa der Bevölkerung in den beiden' Ländern Ungarns nach den Religionen mit. Ungarn, Siebcnbrgn. Summa. Römis.,'--.acholisch 0,88-1,472 203,7119 0,148,241 Griechisch Katholisch 981,30-1 590,502 1,577,80(5 Armenisch Kathol. 842 4,120 4.0(52 Griech. nicht unirt 1,140,993 (552,945 1,793,938 Arm. nicht unirt . 223 ' 224 447 Evangcl. a. Conf. 872,(573 209,080 1,081,7 53 Evangcl. helv. Eons. 1.717.085 296,460 2,013,545 Unitarier 788 53,539 54,327 Versch. christl. Sccten 2,407 223 2,630 Israeliten 516,658 21,848 541,500 Nichtchristl. Anhänger_178_17 195 11,117,(523 2,101,727 13,219.350 Vergleichen wir nun damit die weiterhin erwähnte Notiz, so sehen wir. daß bei den Berechnungen der Bevölkerung nach den Nationalitäten die Israeliten in Ungarn und Siebenbürgen zu den Magyaren gezählt werden. Bei den in beiden Ländern wohnenden 5,207,580 Magyaren sind die 541,506 Juden eingerechnet. Durch die Emancipation der Juden haben also die Magyaren factisch mehr als um eine halbe Million ihre Nationalität vergrößert, die jetzt 49 pEt. der Gesammtbevölkerung ausmacht. Die Juden haben es wohl in den Jahren 1818 und 1849 bewiesen, daß sie dem Herzen und der Gesinnung nach Magyaren sind; sie werden also ihre Bereinigung mit der . magyarischen Nationalität gut heißen, obschon dieselben der Sprache nach größtentheils zur deutschen Nationalität gezählt werden sollten. Die Juden verdanken den Magyaren ihre Emancipation und sind stolz darauf, daß sic sich Magyaren — wiewohl deutscher Zunge — nennen können. Man muß eingesteheu, daß der Fortschritt der ungarischen Sprache unter den Juden in Ungarn mit jedem Jahre im Zunchmen ist, sowie daß überhaupt das deutsche Element von dem magyarischen nach und nach völlig absorbirt wird. Es chut mir leid, daß ich Ihnen, Herr Redacteur, das Ergebniß 25*

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