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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-20 · Heft 25 (20.6.1871) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 25 (20.6.1871)
Date
1871-06-20
Page
Seite 496 (sequence 8)
Language
German
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496 chen das Werk enthält, ausspricht: „Religion und Vaterland, beide unzerstörbar wurzelnd im menschlichen Gemüthe, mögen sie in unserem Herzen sich verei- Ben, 'ou Gesammtheit wie den Einzelnen unerschütterliche sittliche Grundlagen zu geben und unter allen Geschicken Kraft, AuSdauer und Liebe zu Recht und Frieden zu erhalten!" Es stellt sich hier in ihrer innersten Bereinigung das Bewußtsein des deutschen Vaterlandes und das Bewußtsein de§ Judenthums, wie sie sich einander tragen und stärken, dar. Dann aber ergiebt sich der Zweck auch als ein praktischer, indem es factisch den Antheil der deutschen Juden an diesem denkwürdigen Kriege constatiren und hiermit die uns zustehenden Rechtsansprüche bekräftigen soll, zugleich aber auch jedem einzelnen Israeliten die Erinnerung an die großen Ereignisse, welche er mehr oder weniger thätig miterlebt hat, erhalten mag. Das Verzeichniß deutscher Soldaten jüdischer Religion ist bereits ein umfängliches und füllt fast 7 Druckbogen groß Octav aus. Unsere fernere Mühewaltung geht aber dahin, dieses Verzeichniß aus den Orten, aus welchen uns bis jetzt die Listen noch nicht zugekommen, fortwährend zu ergänzen. Wir fordern daher Vorsteher, Rabbineu, Lehrer und Alle, welche sich dafür iuteressiren, dringend auf, uns auch fernerhin mit solchen Listen zu versehen, um zur Vollständigkeit gelangen zu können. Es knüpfen sich so viele Interessen an dieses „Gedenkbuchdaß wir wohl die Aufmerksamkeit des Publicums wiederholt auf dasselbe lenken dürfen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, iltl Mai. (Prwatmitthcil.) Die hiesige „Mendelssohnstistung" hat ihren vierten Bericht und zwar aus den Jahren 1800 und 1870 veröffentlicht, aus tvelchent das erfreuliche Wachsen der Mittel und der Wirksamkeit hervorgcht. Die Stiftung hat im jüugstett Jahre bereits 002 Thaler an Stipendien und llnterstützungen, die letzteren auch an Bedürftige christlicher Konfession verausgabt, und ihr Fonds ist von 1150 Thlrn. aus 0021 Thlr. gestiegen. Sie hat 25 Stipendien an Studenten der verschiedencit Faeultäten und der Musik im Belaufe von circa 1000 Thlrn. während der beiden Jahre bewilligt, und Unterstützungen im Belaufe von 060 Thlrn. meist an Gelehrte und Künstler gewährt. Die Zahl der letzteren belief sich auf 89, worunter 25 christlicher Confession. Einige davoll waren Ausgewiesene ans Frankreich. Dem permanenten Ansschuß der Studenten wurde bei seiner Gründung eine Gabe von 20 Thlrn. gespendet. Diese wenigen Andentilngen legen ein so günstiges Zeugniß für die Wirksamkeit des Vereins wie für den Geist, der ihn 'beseelt, ab, daß wir die Bitte des Verwaltungsrathes um Unterstützung der Stiftung unsrerseits nachdrücklich bekräftigen können. Tie meisten Beiträge sind bis jetzt von den Mitgliedern der Leipziger Gemeinde geleistet worden/ während die Empfänger der Stipendien und Unterstützungen fast nur Fremde sind. Berlin, 9. Juni. iPrivatmitth.i Was man auch sagen möge, im großen Ganzen ist die christliche Bevölkerung Deutschlands durchaus noch nicht für wirkliche Parität aller Elllte gestimmt, und man kann, wenn man von Baden und einem Theil der Pfalz absieht, nur einen Jrrthum begehen, wenn man außer einigen wenigen großen Städten die confessionslose Volksschule, ja selbst die confessionslosen höheren Lehranstalten als mit den Ansichten und Wünschen des Volkes übereinstimmend ansieht: Hierfür hat soeben Berlin, dieses Berlin, welches stets Männer der Fortschrittspartei zu seinen Vertretern wählt, den Beweis geliefert. Es sollen drei höhere Lehranstalten aus städtischen Mittelll Hierselbst gegründet werden. Bei der: Stadtverordneten wurde nun der Antrag gestellt, daß diese drei Schulen nicht evangelisch, sondern confessionslos sein sollten, wie dies die confessionell sehr gemischte Bevölkerung gerechterweise erheische, noch dazu, da bekanntlich die höheren Lehranstalten verhältnißinäßig von fünf Mal so vielen jüdischen Schülern als christlichen besucht werden. Der Antrag — siel durch, unter dem Vorwände, man würde die Erlaubniß dazu von dem Minister' v. Mühler nicht erlangen , und diese Schulhäuser könnten dann lange Zeit leer stehen, wie es in Breslau noch heute der Fall ist. Wenn in der gesellschaftlichen Welt solche zeitweise MtzlichkeitSgründe über die Principien der Gerechtigkeit und deren ansdauernde Berthcidigung gesiegt hätten, wie stände es dann noch um die Berliner Stadtgemeinde! Ehre daher den Breslauern, welche dem Witten des zcitweisen Ministers sich nicht

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