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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-13 · Heft 24 (13.6.1871) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 24 (13.6.1871)
Date
1871-06-13
Page
Seite 477 (sequence 9)
Language
German
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477 begab mich nach meiner Heimkehr von der Reise zu demselben, ihn fragend, warum er denn nicht das intolerante Benehmen der katholischen Geistlichkeit und vorzüglich des Geistlichen in Ettelbrück in Beziehung auf diese Feier der „Mg. Ztg. d>. 2." mitgctheitt habe, und warum er überhaupt hiergegen, sowie auch insbesondere gegen den so höhnischen und feindlichen Bericht in dem klerikalen und judenfeindlichen „Luxemburger Wort" nicht in unseren andern liberalen Zeitungen aufgetreten sei? Wie groß war mein Erstaunen, als ich erfuhr, daß der gute Mann von jenem Artikel gar nichts wußte lind die „A. Z. d. 2/ nur dem Namen nach kennt, da er solche nicht hält! Derselbe ist zwar Franzose, jedoch Rabbiner einer deutschen Stadt und predigt auch größtentheils in deutscher Sprache (natürlich wie die elsässer 'Rabbiner-, weil sehr viele hiesige Israeliten keine französische Predigt verstehen. — Ich übergehe dessen weitere Aenßerungen als Antwort auf meine Anfrage und sende Ihnen, gechrtester Herr Redacteur, hierbei Nr. 301 des „Luxemburger Wort" und Nr. 3!) der „Wäschfraa" (humoristisch-satirisches Wochenblatt) zur gef. Aufnahme der in beiden enthaltenen, die erwähnte Einweihungsfeicr betreffenden Artikel in die „Allgem. Zeitung des Indenthums" *). Ich enthalte mich jeder Bemerkung über den, in Sprache und Ausdruck so kindlich und unschuldig scheinende», jedoch bitterbösen und grinunigen Bericht des „Luxemburger Wortes", da derselbe sich genügend charakterisirt. In Beziehung auf die so gediegenen und vortrefflichen Aeußeruugen der „Wäschfraa", deren zwar nur in h u m o r i st i s ch e r Form gezogene Conscquenzeu aus dem Verfahren der katholischen Geistlichkeit bitterer Ernst und fürchterliche Wirklichkeit werden, wenn diese wieder die Herrschaft, nach welcher sie jetzt so gewaltig strebt, erhalten würde, theile ich Ihnen nur noch mit, daß zu der ettelbrücker philharmonischen Gesellschaft auch *) Der Raum gestattet uns nicht, die beiden fraglichen Artikel abdrucken zu lassen. Es geht daraus hervor, daß der katholische Geistliche die dortige philharmonische Gesellschaft, weil sie bei der Einweihung der Synagoge mitgewirkt, nicht mehr in die Kirche cinlassen null, sie also als Gesellschaft factisch exeommunicirt hat, und über den Bürgermeister und andere Katholiken, welche sich desselben Vergehens schuldig gemacht haben, Gift und Galle ausspeit. Die Redaction. mehrere active und inactioe israelitische Mitglieder gehören, welche erstere stets ohne Bedenken bei allen christlichen Festlichkeiten milwirkten, und daß der dortige Herr Bürgermeister, sowie der bei Weitem größte Theil der katholischen Bürger, wegen der allz«großen Thätigkeit des Herrn Pastors in dieser Sache, sowie die Israeliten wegen der gänzlichen Unthätigkeit ihres Rabbiners, höchst indignirt sind. Ockterrcichischungarische Monarchie. Prag, im Mai. (Privatmitth.) Wenn Pfaffen und Fastenpredigcr auf Juden und Iudenthum schimpfen und allerhand Anklagen gegen sie erheben, so wundert sich Niemand mehr darüber, weil sie die Welt nachgerade schon daran gewöhnt haben, dies als zu ihrem Berufe alö Priester der christlichen Liebe gehörig zu betrachten. Aus diesem Grunde fällt cs auch Nienraudem mehr ein, die von solcher Seite erhobenen Anklagen ernstlich zu widerlegen. Anders aber, wenn ein Politiker oder Staatsmann in solch gehässiger Weise seine Stimme gegen uns erhebt; da muß jede Anschuldigung mit der größten Entschiedenheit zurückgewieseil werden. Nun aber hat Herr Or. Nicger, der „Führer der czechischen Nation", in einer vor nicht langer Zeit hier stattgehabten Katholikeuversammlung Anklagen und Beschuldigungen gegen die Juden erhoben, welche bezeugen, daß er die Fastenpredigten der Wiesinger, Steiner und anderer dieser Gattung nicht ohne Nutzen gelesen hat. In den Katholikenversammlungen kann es nämlich jetzt, wo der Katholicismus die andern Eonfessionen im Staate nicht mehr vergewaltigen und bedrücken kann, ohne Klagen über die gedrückte Lage der katholischen Kirche nicht hergchen, und bildete dieses Thema natürlich auch in der von IN-. Rieger besuchten Katholikenversammlung einen Gegenstand der Tages- oder richtiger gesagt der Nachtordnung. Um nun seinen politischen Bundesgenossen zu zeigen, daß er auch in christ-katholischer Beziehung Bein von ihrem Beine und Fleisch von ihrem Fleische ist, hat der große Führer der großen czechischen Nation die Klagen über die gedrückte Lage der Kirche als gerecht anerkannt und bemerkt, daß er die Ursache hiervon in den Juden finde, welche in der Presse eine furchtbare Macht erlangt haben, die sie 24

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