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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-06 · Heft 23 (6.6.1871) · p. Seite 460

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 23 (6.6.1871)
Date
1871-06-06
Page
Seite 460 (sequence 12)
Language
German
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460 sich mit der Organisirung und Dirigirung derjenigen Schulen befassen könnten, zu deren Beaufsichtigung sie weder berufen, noch aber — vermöge der israel. Congrcßstatutcn — compctcnt sind: werden Euer Wohlgeboren hiermit angewiesen zu veranlassen, daß die im VIIl. Abschnitte des durch den israelitischen Congreß geschaffenen Volksschulstatuts, bezüglich der Ernennung von Schulaufschern und Referenten, enthaltenen Lerfügunzen durchgcführt, und die israelit. Schulen überhaupt organisirt und conscribirt werden. Die Anzeige über die Durchführung dieser Anordnung, so auch ein tabularischer Ausweis der israelitischen Schulen — je nach Districten und Comitaten — ist mir zu unterbreiten, damit ich seitens der k. Schuldistricts-Dberdirectoren die Uebergabe der solchermaßen im Sinne des Gesetzes organisirten Schulen veranlassen könne. Ofen, am 10. Mai 1871. Im Aufträge des Ministers, der Staatssekretär: Gcdeon Tanärkh m. p." Brünn, 26. April. Bekanntlich wurde vor meh- - reren Jahren der mährische jüdische Landesmassefonds der mährischen Judenschaft zur Selbstverwaltung übergeben. Der auf den 2. Mai einberufenen Generalversammlung wird der Rechnungsabschluß für das Jahr 1870 von dem gewählten Curatorium vorgelcgt werden, der ein klares Bild des ersten abgelaufcnen Verwaltuugsjahrcs gibt. Der mährische jüdische Laudesmassefonds besitzt ein Vermögen von 1,006,820 fl. 38 kr. und liefert ein Erträgniß von 39,449 fl. Der Fonds gewährt an Persoualunterstützungen 12,000 fl., die den Rabbinern, Lehrern, Cantoren rc., ihren Wittwen und Waisen zugewendet werden. Gemeindeschnlsubventioncn werden ebenfalls bis zu dem Betrage von 12,000 fl. crtheilt. Die ärmeren jüdischen Gemeinden in Mähren erhalten einen Betrag von 3000 fl. an Unterstützungen. Dem jüdischen Taubstummeninstitute in Wien wird statutenmäßig eine Subvention von 1224 fl. 50 kr. zugewendet. Die meisten Verdienste um die Verwaltung des Fonds hat sich der Obmann des Euratoriums, Herr Julius Gomperz, erworben, der seinerzeit auch bemüht war, den Interessenten die Selbstverwaltung des Fonds zu erwirken. Italien. Aus Oberitalien, 12. Mai. iPrivatmittheilung.) Endlich scheint der Zeitpunct heranzunahen, in welchem für den Fortbestand des Paduaner Rabbinercollegiums ein Beschluß gefaßt werden soll. Die Gemeinden und Particnliers, welche jährliche oder sonstige Beiträge für die Anstalt gezeichnet haben, sind durch Rundschreiben von dem Beförderungscomits aus Padua zu einer Generalversammlung eingcladen worden, welche am 28. l. M. in Bologna abgehaltcn werden soll, um sich über 6ie neu einzuführenden Statuten zu verständigen. Es ist wahrlich höchste Zeit dazu. Stellen Sie sich vor: das Institut hat mir zwei Professoren, der eine, der hochverdiente Professor Della Torre, ist bereits in sehr vorgerücktem Alter, und wie ich vernehme, seit geraumer Zeit höchst kränklich; der andere wohl rüstig, allein als Oberrabbiner der Paduancr Gemeinde anderwärts stark beschäftigt. Der Unterricht wird also den Candidaten durch einen provisorisch angestellten Supplenten ertheilt. Alles dies wegen der prekären Existenzfrage. Ich erinnere mich, daß Sie vor längerer Zeit den Wunsch geäußert hatten, über das Drama „der Prophet" von Herrn David Levi, italienischem Bolksdeputirten, etwas zu vernehmen. Ich hatte jüngst Gelegenheit die persönliche Bekanntschaft des ehrenwerthen Autors zu machen, und dies vielbesprochene, aber minder gelesene Werk zu erhalten. So viel ich bis nun entnommen, kann ich Sie versichern, daß zwischen Ihrer Tragödie „Jeremias" und dein nun erwähnten Werke kaum eine andere Aehnlichkcit gefunden werden dürste, als der Zeitpunct des behandelten Gegenstandes. Das Werk lso weit ich mit dem Lesen desselben vorgeschritten bin) ist mehr eine lyrische Darstellung der letzten Tage des ersten Tempels (vom philosophischen Standpuncte aus betrachtet) als eine Tragödie, und, offen gestanden, scheint mir die Art der Behandlung des vollwichtigen Gegenstandes inkonsequent. Man mag über jene tragische Epoche unseres Volkes philosophiren so viel man will, gewiß ist: jene Männer waren gläubig, begeistert, fromm im religiösen Sinne des Wortes; was der Philosoph davon abstrahirt und abklärt, ist Fortschritt für die Menschheit, ist spateres Product, wovon jene Zeit und jene Männer keine Ahnung hatten.

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