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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-06 · Heft 23 (6.6.1871) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 23 (6.6.1871)
Date
1871-06-06
Page
Seite 459 (sequence 11)
Language
German
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459 ein Glied einer langen Reihe von derartigen Aus« schließungen und Ungleichheiten? Man spreche also nicht von Gleichberechtigung, wo sie noch lange nicht vor- Händen ist. Man spreche nicht, daß das gemeinsam vergossene Blut auf den Schlachtfeldern auch für die Gleichberechtigung der Juden geflossen sei. Ich halte den Erfolg noch nicht für so nahe, so sehr ich auch wünschte, ick irrte mich. Ich will gern glauben, daß ein großer Theil des Volkes diese ungleiche Behandlung der Juden gern verschwinden ließe und bei Befragen dafür stimmen würde. Aber von Seiten der Negierungsgewalten sehe ich keine Lust dazu. Wenigstens aber wollen wir uns nicht selbst täuschen, und uns Dinge eiuredeu, die nicht wahr sind. Ja, es ist besser geworden, als es vor dreißig Jahren noch war, aber es ist noch vieles vorhanden, worin es besser werden kann und müßte. Züllichau, 23. Mai. «Privatmitth.» Am Freitag den 19. Mai Vorabend verschied zu einem bessern Leben der Sanitätsrath Dr. Jacobi in Züllichau, woselbst er an 50 Jahre als praktischer Arzt segensreich gewirkt, nach einem mehrjährigen Krankenlager im Alter von 82 Jahren. Die Beerdigung fand am Sonntag den 21., Nachmittag 4 Uhr, auf dem israelitischen Friedhofe daselbst unter Bcthciliguug einer fast uiu übersehbaren Menschenmenge statt. Dem Leichengefolge schloß sich dem allgemein geliebten und hochgeachteten Entschlafenen zur Ehre ein großer Theil der Bevölkerung der Stadt Züllichau und Umgegend. an, worunter die hervorragendsten wissenschaftlichen Autoritäten, die Spitzen der verschiedenen Behörden, die Geistlichkeit aller Confessionen, der Magistrat, die Stadtverordneten und noch viele andere hervorragende Personen von Diftinetion. Am Grabe sprach der Rabbiner Lindermann, der den Entschlafenen als einen Mann und Philosophen nach dem Mendelssohn -Lessingschen Geiste bezeichnete. «Der Entschlafene, der Familie des Unterzeichneten angehörig, hatte in seiner Jugend, als 1813 der Aufruf Friedrich Wilhelm HL an sein Volk ergangen, die Universität verlassen und war als Husar in das Lützow'sche Freicorps eingetreten. Durch seine Tapferkeit erwarb er sich das eiserne Kreuz. Aus dem Kriege heimgekehrr, vollendete er seine Studien und erwarb sich als Arzt und Mensch das Vertrauen und die Hochachtung seiner Mitbürger m ungewöhnlichem Maße. Ihm war es also vergönnt, die Hoffnungen seiner Jugend, für welche er auf dem Schlachtfelde gekämpft und die nachher so bitter enttäuscht wurden, dennoch in Erfüllung gehen zu sehen: die deutsche Einheit unter constitutionellem Regime und die Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung! vr. L. Ph.) Ocsterreichischungarische Monarchie. Wien, 22. Mai. Hier erregte eine allgemeine Theilnahme der plötzliche Tod des Directors der „niederösterreichifcheu Escompte - Gefellschaft", Theodor Bauer, der gestern im 50. Lebensjahre plötzlich am Herzschlage verstarb. Derselbe hatte sich eine allgemeine Hochachtung zu erwerben gewußt, die sich auch in allen öffentlichen Blattern ausspricht. Einer seiner Brüder ist der bekannte Abbö Bauer, ein Günstling der Exkaiserin Enge nie. der sich jedoch vergebens abmühte, die Seelen seiner Brüder zu fangen. Pest, 22. Mai. Der Ungarische Lloyd bringt einen Eircularerlaß des Landesvertheidigungsministeriums, welcher anordnet, die ausschließliche Assisten; katholischer Geistlichen bei dem Fahneneide habe auszuhören, da die katholische Religion nicht mehr Sta a ts religion ist. Bei den Truppenkörpern gemischter Eonsession, haben Seelsorger aller vertretenen Eulte zu afsistircn. Pest, 25. Mai. Die Ausführung der Congreßstaturen scheint doch nunmehr ernsthaft zu werden. Die „nng. jüd. Wocheuschr." bringt folgenden Erlaß des ungarischen Eultnsministers: „Jnsolange das israel. Eongreßelaborat nicht ganz iws Leben getreten, resp. die Organisation der israelitischen Volksschulen im Sinne der Congreßstatuten nicht ermöglicht war, — wurde die, in den israelit. Congreßstatuten für die Eonfession in Anspruch genommene, Oberaufsicht über die israelitischen Schulen durch die königl. Schuldistricts-Dberdirectoren ausgeübt. Nachdem aber die über das eudgiltige Juslebentreten der- Congreßstatuten gepflogenen Verhandlungen nunmehr ihrem Ende nahen; nachdem ferner die k. Dberschuldirectoren durch die übrigen Agenden zu sehr in Anspruch genommen sind, als daß dieselben 23*

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