Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1871)
- Date
- 1871-06-06
- Page
- Seite 457 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226822--29545-3252388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hanau 1× ep/1047937
OCR text
Literarischer Wochenbericht. Oeynhausen, 20. Mai. In den nächsten Wochen erscheint hier im Verlage von Eßmann u. Co. „Leesers Hülfsbüchlein für den ersten Unterricht im Uebersetzen des Pentateuchs", bestehend aus zwei gesonderten Theilen, einem hebräischen und einem deutschen. Der Verfasser, bekannt durch sein „hebräisckes Lehr- und Uebungßbuch", hat es sich zur Aufgabe gesetzt, für die jüdische Schule nach einer naturgemäßen, der Fassungskraft acht- bis zehnjähriger Kinder angemessenen Methode den Lehrstoff zu bearbeiten, was ihm auch nach dem Urtheil sachkundiger Fachmänner der zu Münster im vorigen Jahre abgehaltenen Conferenz israelitischer Lehrer WestphalenS und der Rheinprovinz, sowie der am hiesigen Orte stattgesundenen Lehrerconferenz, wo das Manuskript vollendet vorlag, vollkommen gelungen ist. Wir halten es namentlich im Interesse der zahlreichen Snbscribcnten für angemessen, das nun baldige Erscheinen des Merkchens hierdurch zur öffentlichen Anzeige zu bringen, da durch die Ungunst bisheriger Zeitverhältnisse eine unverschuldete Verzögerung eingetreten war. Schließlich bemerken wir noch, daß der Verleger sich es besonders angelegen sein läßt, dem Merkchen durch gute Ausstattung und möglichst billigen Preis weite Verbreitung zu verschaffen.' 8. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 28. Mai. (Privatmitth.) Wir erhielten fernere Mitteilungen, daß mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet wurden Herr Moritz Ochs in Homburg vd. Höhe, Unterofficier, Herr Joseph Bin ge daselbst. 8tuä. jur., ferner aus Schönlanke Herr Stabsarzt Dr. Sachs und aus Sorau Herr Stabsarzt Dr. Frankel. Paderborn, 14. Mai. (Privatm.) Bei Gelegenheit einer Hochzeitsfeier hier glaubte ein auswärtiger Familienvater seinem jüngsten Sohne keinen besseren Segen bei seiner Vermählung zu ertheilen, als durch eine fromme Stiftung von 1000 Thlrn. an unser Waisenhaus. Der hochherzige Mann trat unsrer statutenmäßigen Bestimmung bei, daß vorkommenden Falles Waisen aus dem Fnrstenthum Waldeck Aufnahme und Erziehung in unsrer Anstalt finden, mit gleichen Rechten, wie die Waisen aus Wcstphalen und Rheinland. Der Name des edlen GcschenkgcberS, Herr Raphael Löwenenstcin in Rhaden, Waldeck, wird sowohl in seinem Lande als auch in unserer Anstalt ewig ein Segen bleiben für die armen Aelternlosen. Möge das Beispiel dieser wahrhaft religiösen Stiftung für viele unserer Glaubensgenossen anregend sein, dann werden keine Thränen der armen Wittwen und Waisen mehr fließen und das momentan gedrückte Familienglück durch gut erzogene Kinder wieder aufgebaut werden. Fanny Nathan, Gründerin und Vorsteherin des Waisenhauses für Wcstphalen u. Rheinland. Minden, im Mai. (Privatmitth.) Herr Joseph Wolfers von hier, Lieutenant int Landwchrregiment Nr. 68, hat daß eiserne Kreuz erhalten. Gießen, 23. Mai. (Privatmitth.) Der Militärarzt Dr. Jacob Hanau hat den Verdienstorden vom Großhcrzog von Hessen erhalten. Aus unserer Provinz wurde auch der Sergeant Gerson Weil aus Grebenau mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet. AuS der Provinz Posen, im Mai. (Privatm.) Viele jüdische Lehrcrstellcn in unserer Provinz haben das mißliche Geschick, so Bentschen, Rakwitz, Schmiegel rc., auf längere Zeit unbesetzt zu sein. Welchen Schaden die armen unschuldigen Kinder hierdurch erleiden, kann man sich denken. Aber wie ist dem Nebel abzuhelfen? Da sagt man vor Allem, die betreffenden Gemeinden müßten die Stellen ausbcsscrn. Das ist aber größteuthcilS geschehen, und zwar in dem Maße, daß die Gemcindesäckel und die meisten Contribuenten dadurch schon überbürdet sind. Da und dort giebt auch die Regierung und die bürgerliche Gemeinde eine Dotation zur jüdischen Lchrerstelle. ES Hilst jedoch nichts; cs meldet sich doch kein Lehrer. Und warum? Weil cs eben an jungen und neuen Lehrkräften mangelt. Und wie ist diesem Mangel abzuhclfen? Vielleicht wenn in unserer Provinz selber, welche, da sie an Juden und Judcngemeknden die reichste ist, auch die meisten jüdischen Lehrer nöthig hat, ein eigenes jüdisches Lehrerseminar errichtet