Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1871)
- Date
- 1871-06-06
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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456 ginnen, uns zu unterstützen. Wenn man von gewissen Seiten behauptet hat, der Gemeindelag wolle -die Erbschaft der Alliance, universelle an sich reißen, so kann das sicher Niemand glauben, der mil unseren Arbeiten vertraut ist. Zeigt doch selbst die heutige Tagesordnung, daß wir mit der Alliance universelle in Verbindung treten wollen. Ich habe Herrn (’remieux im November 1809 in Berlin persönlich die Allianz mit llnserem Gemeindebunde angeboten, sobald dieser erst gebildet sein wird, denn nach meiner Auffassung soll die Alliance universelle eine Stütze für uns sein, sie möge die externen Angelegenheiten besorgen, da wir mit dem Auslande sehr viele Beziehungen haben; daher ist das Bestehen der Alliance universelle in vieler Beziehung eine Lebensfrage für den Gemeindebnnd. Herr Hagelberg aus Dessauäußert Bedenken gegen momentane Anknüpfung von Beziehungen mit der Alliance israelite universelle, ebenso Herr I)r. (Salut. Herr Professor Dr. Lazarus meint, daß es den Juden und dem Gemeindebunde nichts schaden könne, vorerst von der Alliance israelite universelle ganz zu schweigen. Herr Kohner bemerkt, daß der die Alliance israelite universelle betreffende Punct des Programmes bereits im Jahre 1809, also vor dem Kriege, in dasselbe aufgenomnten worden sei, daß übrigens auch während des Krieges die Alliance ihre Thätigkeit nicht eingestellt habe und daß sie zur Zeit das einzige Band der gesammten Judenheit auf dem Erdenrunde sei, welches zu lockern uns nicht zieme. Herr Katz aus Maricnburg beginnt über die Synode zu sprechet!, wird aber vom Vorsitzenden mit der Belnerkung unterbrochen, daß die Verhandlungen nicht die Synode, sondern den Gemeindebund beträfen, worauf Redner die Unterstützung des Gemcindebundes in seiner Gemeinde und deren Umgegend zusagt und den Wunsch ausspricht, daß die seitherigen Auöschußmitglieder ihre Thätigkeit fortsetzen mögen. Herr Kohner verspricht, diesen Wunsch zur Kenntniß der übrigen Auöschußmitglieder zu bringen und sagt Fortsetzung der Vorarbeiten zu. Auch Herr Aren aus Stettin erklärt sich für Leipzig als Vorort. Einfluß der religiösen Parteien als solcher auf die Vertretung der Gemeinden überall nicht sehr groß ist, am wenigsten der stabil-orthodoxen. Man begnüge sich also mit der einfachen und in der Natur der Sache liegenden Versicherung der Parteilosigkeit. Die Redaction. Herr Kohner betont, daß namentlich in der Provinz noch sehr viel zu thun sei, und ermahnt die' Anwesenden, daß ein Jeder in seiner Gemeinde für die Constituirung des Bundes wirke. Herr Mohr ans Breslau erklärt sich ebenfalls fiir Leipzig als Borort, schon als Meßhandelsplatz, und wünscht eine größere Verbreitung der Bekanntmachungen über die abznhalrenden Versauunlungen. Nach einigen kurzen Bemerkungen der Herren Kulp (Insterburg), Aren (Stettin, und Di*. Calm brachte Herr Kohner zur Kenntniß der Versammlung, baß die Gemeinte von Worms soeben durch ihren Vertreter ihren Beitritt erklärt habe. Herr Ollesheimer aus Fürth meint, daß die süddeutschen Gemeinden aus ihre Selbstständigkeit eifersüchtig seien und für dieselbe bei ihrem Eintritt in den Gemeindebund fürchteten. Der Ausschuß möge daher durch Wort und Schrift, insbesondere aber durch Geistliche und Vorsteher der Gemeinden für die richtige Erkenntuiß der Zwecke des Bundes wirken. Herr Kohner spricht sich anerkennend über die Thärigkeit des Herrn Rechtsanwalts Josephthal in ^Nürnberg in Bezug auf Süddeutschland aus. Nachdem Herr Aren (Stettin) erklärt hatte, wie er anerkenne, daß gegenwärtig nicht der Zeitpunct sei zu Vorschlägen in Bezug auf Armenwesen und andere organisatorische Maßnahmen, daß vielmehr dieses der Eonstituante zu überlassen und nur durch Beförderung oder Beitritt vieler Gemeinden zu nützen sei, er aber in Pommern seinen ganzen Einfluß eintrelen lassen werde, schließt der Borsitzende, indem er die Zusendung der Berichte über die heutige Versammlung verspricht und den Anwesenden für ihre Theilnahme und Ausdauer bis in später Nachtstunde (gegen 11 Uhr) dankt, die Versammlung mit der Hoffnung, daß bis zur Michaclis-Mssc die Eonstituirung des deutsch-israelitischen Gemcindebundes bereits erfolgt sein werde. Nach Schluß der Versammlung liefen noch Anmeldungen der Gemeinden Neustadt-Eberswalde und Crosien ein. Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Fernere Mittheilungen kamen uns zu aus den Gemeinden: Octtingcn, Glatz, Gerbstadt, Gecklingen, durch Herrn Lehrer S. Mayer in Gießen aus der ganzen Provinz Obcrhessen.