Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1871)
- Date
- 1871-06-06
- Page
- Seite 455 (sequence 7)
- Language
- German
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455 selbst ireffe. Redner ha: seine Hoffnung auf einen Erfolg res Wortes bei ren Juden auf ras Tiefste hcrabgestimmt, ra rer ersten leichien Erregung bei ihnen rie Thal nicht folge. Trotzdem bittet er ren seitherigen Ausschuß, testen Energie er vollständig anerkennt, in feinem Streben fortzufahren. Herr Kulp aus Insterburg erklärt die seitherige Theilnahmlosigleit rer meisten Gemeinden daraus, rast die wenigsten Gemeindemitglieder Kenntu iß von den an die Gemeinden ergangenen Zuschriften erhalten hätten, letztere vielmehr in den Händen Einzelner liegen geblieben stieu, und räth zur Verallgemeinerung der Agitation die Bildung von Zweigvereinen an. Herr Wolf aus Wiesbaden schlägt, wenn lo(> Gemeinten nicht Zusammenkommen sollten, eine Bereinigung einzelner Personen, nicht der Gemeinden, nach dem Muster der ullmuoo isrntMite universelle, vor. Herr Dr. (Satin kommt in Folge der Erklärungen des Herrn Pros. Dr. Lazarus von seinem Borschlage, daß von Berlin aus die Bewegung für den Bund ausgehe, zurück und giebt den Rath, Wanderbeten von Gemeinde zu Gemeinde als Agitatoren zu senden, jedenfalls aber an dem Gelingen des Bundes noch nicht zu verzweifeln. Rach einer persönlichen Bemerkung des Herrn Pros. Dr. Lazarus, weist Herr Wolf aus Wiesbaden den Borschlag, Wanderboten auSzusenden, zurück, da dieselben viel kosten und wenig nützen würden. Herr Kohner bemerkt hierauf: Tie Tiscussion bestätigt, welch' ein Glück es für den Menschen ist, daß er nicht in die Zukunft sehen kann und nicht Alles weiß. Hätte ich die deutschen Gemeinden so gekannt, wie ich sie bis jetzt kennen gelernt habe, so hätte ich vor zwei Jahren gewiß nicht den Much gehabt, an die Gründung eines Gemeindebnndes zu denken;. nun aber kommt es doch zu einem Resultate. Herr Dr. Ealm wiederum kannte die Erfahrungen des Berliner Lorstandes nicht und wollte ihm mit dem Gemeindetage ein Gesckenk machen, und Herr Wolf kennt unsere Thätigkeit nicht, er weiß nicht, daß wir uns seit zwei Jahren fortwährend auch an Privatpersonen gewendet haben, wie die Statuten dies ja ausdrücklich gestatten. Wären die Privatpersonen lebhaft, so wären auch die Gemeinden lebhafter. Wer in reale Berhältnisie organisatorisch eingreisen will, der muß es mit dem Kohol insgesammt zu thun haben; sonst erlangt er keinen Einfluß nach außen, den Behörden gegenüber. Wollen wir die Gemeindecassen in Ansehung des Bettlerwesens beeinflussen und veranlaßen, daß das nutzlose Geben einer nützlichen Organisation weiche, so können wir dies nur, wenn wir die Gemeinden.selbst als Mitglieder haben. Gleiches gilt bei der Pensionirung von Beamten :c. Wenn wir aber eine längere Mühe auf die Erziehung unserer Gemeinden anwenden, so schadet das sicher nichts. Es handelt sich ja nicht nur um Beschaffung von Geld, allein dantit ist es nicht gcthan; es muß vielmehr eine moralische Erhebung, ein Etwas in das Bewußtsein der Gemeinden gebracht werden, was sie noch nicht wissen, es muß ein moralisches Element geweckt werden, und dies geht nur durch einen Bund von Gemeinden. Die Zahl von luo Gemeinden haben wir festgehalten, um wenigstens annähernd eine Einheit über ganz Deutschland zu en-eichen, ein weites Retz über alle Theile. Sollten wir es nur bis zu 5 bringen, so bin ich dann auch nicht so orthodox, auf den letzten fünf unbedingt zu bestehen. Ich muß aber Manchem der geehrten Redner bemerken, so viel Intereste sie auch persönlich bekundet haben, daß ihre eigenen Gemeinden noch nicht dem Gemeindebunde beigetreten sind. ES wäre daher sehr zweckmäßig, wenn die anwesenden Herren dafür sorgten, daß hinter ihnen künftig ihre Gemeinden stehen. — Man betonte die Benutzung der Presse, aber wie sollen wir Leser finden? Bielleicht, wenn wir unsere Beröffentlichnngen in die Börsenzeitung setzen lasten? sHeiterkeit.» Da haben die Einen keine Zeit, die Andern stehen zu erhaben da! Die Gründung eines neuen Bl.ilws aber wäre eben so mühsam, wie die Gründung des Gemeindebundes selbst. — Was die Orthodoxen betrifft, so ist es gewiß nunmehr vollständig klar geworden, daß der Gemeindetag nicht trefc und daß er nicht mit der Synode identisch ist. *) Sie werden daher auch zugänglicher und be- *) Wir begreifen sehr wohl, daß der Gemeindebund durchaus keine Sache der religiösen Parteien ist und daß sich deshalb die Bertreter desselben bemühen, ihn als religiös parteilos hinzustellen. Wir glauben aber doch, daß die obige Ausdrucksweise über die Synode, die Zusammenstellung mit „trefe" nicht angemessen war, und daß die wiederholte Lossagung von der Synode, deren Kind der Gemeindetag war, doch etwas zu stark betont ist, und, namentlich aus dem Munde eines der eifrigsten Förderer der ersten Synode nicht gerade eine Auftnunternng für das Zustandekommen einer zweiten ist. Man konnte den Gemeindebund sehr nachdrücklich als außerhalb der Parteien stehend bezeichnen, ohne wiederholt die Synode namentlich von sichabzuwehren. Man darf nicht vergesten, daß durch eine zu starke Connivenz für die Orthodoxen man gegentheilig eine Stimmung Hervorrufen könnte, welche der Sache, um die es sich handelt, nicht förderlich wäre. Sicher ist es, daß der