Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-06 · Heft 23 (6.6.1871) · p. Seite 454

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 23 (6.6.1871)
Date
1871-06-06
Page
Seite 454 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226822--29542-3252385
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

454 bereits als Kranker, und Sie dürfen ihn getrost in's Bad schicken. Das blliillul-liuZoliom auf der Straße, auf den Bahnhöfen, bei den Behörden, mit denen Consticte unvermeidlich sind, ist groß. — Es entsteht also die Frage, ob man Lurch Unterstützung solchen Bettelns nicht vielmehr awcres veranlaßt, als man mmwot zu thun glaubt. Und was ist die Antwort gewesen? Es haben alle Befragten gesagt, es geschieht weit mehr Uebles als Gutes, und es muß eine Acnderung einireten. Ueber die Art der Abhilfe will ich mich jetzt nicht aussprechen; wir werden mit Dank jeden praktischen Vorschlag cnigegennehmen, der aus der Mitte der Versammlung oder der Gemeinden kommen wird, wenn wir auch jetzt noch keine Beschlüsse fassen können. Möge Zeder, der einer noch nicht beigetretenen Gemeinde angehört, es sich zur heiligen Pflicht machen, für deren Beitritt zu wirken. Um aber kundzugeben, welche Gemeinden dem Gemeindebunde sich neck nickt angeschlossen, werde ick, wenn Sie es wünschen, die beigetretenen der Reihenfolge der Anmeldung nach verlesen. (Zustimmung.« Es sind folgende Gemeinden: 'Nürnberg, Nienburg, Aachen, Dresden, Hildesheim, Alsfeld, Hildburghausen, Eisleben, Lyck, Schwerin, Postelberg, Preusz. Rhoden, Oppeln, Emden, Prag, Teltsch, Seebschütz, Schönebeck, Linz, Erfurt, Leipzig, Ne. Brandenburg, Potsdam, Barchfeld, Glatz, Frankenstein, Braunschweig, Görlitz, Bleicherova, Pleschen, Schweidnitz, Cassel, Ascheröleben, Breslau, Hirschberg, Hannover, Hamburg, Walldorf, Königsberg «Zustimmung der Repräsentanten noch ausstehend), Glogau, Magdeburg, Baiersdorf, Zirndorf, Grünberg, Mengeringhausen, Bernstadl, Berlin, Bochum, Schippenbeil, Nordhausen, Neuwied, Tann, Rackwitz, Eichstetten, München, Stettin, Dessau. Sie sehen, daß diese Zahl zu den besten Hoffnungen berechtigt, aber wie viele fehlen noch! Es giebt doch wenigstens 1500 nennenöwerthe Gemeinden in Deutschland, und wir müssen es tief beklagen, daß sich bis jetzt nicht mehr angeschlossen haben. Der Ausschuß seinerseits hat Nichts unterlassen, um sie durch Circulare und durch die jüdischen Zeitungen aufzurufen. Mit herzlicher Bewillkommnung eröffne ich nun die Discussion, welche frei sich bewegen kann über alle Puncte des ausgestellten Programms, und schließe mit der Aufforderung: jeder einzelne der anwesenden Glaubensgenossen möge sich als Sendboten betrachten und in seiner Gemeinde, seiner Gegend für unser gemeinnütziges Vorhaben TheUnahme zu gewinnen und Theilnehmer an Gemeinden und Einzelnen zu werben bemüht sein. Herr Kohu aus München eröffnet die Debatte, indem er Namens seiner Gemeinde dem Ausschüsse für sein Streben Anerkennung zollt und mit Rücksicht auf die zu Stande gekommene deutsche Einheit, auch die deutsche Zudenbeit zur Einigkeit ermahnt. Herr Aren aus Stettin wünscht, o.,ne den Beitritt von 1o0 Gemeinden abzuwarten, jetzt schon Constituirung des Bundes, da die Höhe der zu leistenden Beiträge die einmal beigetretenen Gemeinden nicht absckrecken würde, und behält sich Vorschläge wegen der Wanderbettelei vor. Herr Advocai Di-. E a l m aus Bernburg, jetzt am Bundesoberhandelsgerich: hier, bringt Berlin an Stelle Leipzigs als Sitz des Centralccmirös, von welchem aus die Agitation für den Gemeindebund zu unternehmen sei, in Vorschlag, wogegen Herr Professor De. Lazarus aus Berlin erklärt, daß der Berliner Gemeindevorstand die Sache wohl schwerlich in die Hand nehmen werde, da er regelmäßig bei verschiedenen allgemeinen Angelegenheiten, in denen er sich an die deutsch-israelitischen Gemeinden, insbesondere des preußischen Staates, gewandt, sehr traurige Erfahrungen gemacht habe.*« Er beklagt in lebhaften Ausdrücken, daß den deutschen Juden der Sinn für ihre allgemeinen Interessen abhanden gekommen sei, und daß der Borwurf gegen den Staat: — daß er das Zudemlmm nicht beachte, — in noch viel höherem Maße die Juden * - Wir wissen allerdings nickt, welche „traurige Erfahrungen" der Vorstand der Berliner Gemeinde gemacht hat, müssen aber doch den Vorwurf, der den Gememdeu des preußischen Staates in dieser Allgemeinheit und Entschiedenheit gemacht wird, energisch zurückweisen. Wir haben diese Erfahrungen nicht gemacht. Bei allen Schritten, welche wir im allgemeinen Interesse im Lause der Jahre zu thun veranlaßt waren, begleitete uns stets eine große, ja mehrere Male die Mehrzahl der preußischen Gemeinden. Wir erinnern z. 23. an 1S42, als man in Regierungßkreisen damit umging, die Militärpflicht der Zuden nur facultativ zu machen und ihnen eine gesonderte Vertretung bei den Stadtgemeinden einzuräumen; an 1850, als die damals fast allmächtige reactionäre Partei die Streichung der staatsbürgerlichen Rechte der Zuden aus der Verfassung und der Führung von Wagner und Gerlach beantragte — man lese die auf unseren Aufruf von fast allen Gemeinden erflossenen Petitionen in unserer Schrift „der Kampf der preußischen Juden für die Sache der Gewissensfreiheit" — an unsere Petitionen an das Staatßministerium und das Abgeordnetenhaus 1807, zu welchen uns fast 400 Gemeinden Vollmacht gegeben. DieS sind doch Thatsachen, welche die obige Anklage nicht gelten lassen. Die Redaction.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.