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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-06 · Heft 23 (6.6.1871) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 23 (6.6.1871)
Date
1871-06-06
Page
Seite 451 (sequence 3)
Language
German
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451 des deutschen Reiches hat uns abermals in glänzender Weise gelehrt, was eine Verbindung großer Kräfte auszufübren vermag, wenn der Idee die Thatkraft sich zugesellt. Folgen wir in unserem kleineren Kreise diesem leuchtenden Beispiele im Großen. Lehrt uns dock auch die Vergangenheit; dieses selben Reiches, zu welcher Schwäche, zu welcher Hinfälligkeit vor dem Feinde die Zersplitterung, die Kleingeisierei, der engherzige Particularismus führt. Mögen wir daraus auch für die Interessen unserer religiösen Einheit recht viel lernen und einen energischen Anstoß schöpfen! Bonn, den 28. Mai. Der obige Artikel war bereits zur Druckerei abgegangen, als wir den hier unten folgenden Bericht aus Leipzig empsingen, welchen wir im Interesse der guten Sache hier wortgetreu folgen laßen und nur an zwei Stellen mit Bemerkungen begleiten, obschon wir es an mehreren anderen hätten thun können. Die Redaction. ö e r i ch 1 über die Versnininlimg von Milgliedttn der deutschisrnrlitischtn Gemeinden die Gründung eines Grmeindebnndes betreffend, llbgehalten am 20. April 1071 während der Gl'jermesse in der Ayiragoge zu Leipzig. Vorsitzender, Herr Moritz Kohner. Meine Herren, als wir uns voriges Jahr am nämlichen Tage zum ersten Male und dann am daraus folgenden Sonntag zum zweiten Male in derselben Oslermesse mit unseren heiligen Angelegenheiten beschäftigten, dachten wir, daß wir uns bald darauf, bereits in der nächsten Mickaelismefsc, Wiedersehen würden, um diese Angelegenheiten weiter zu führen. Es ist dies indeß nicht geschehen. Zwei Monate nach unserem Zusammensein zog ein Ungewitier über Deutschland herauf, und wir führten einen nationalen, einen vaterländischen Krieg, der unsere Kräfte, unser Sinnen und Denken so in Anspruch nahm, daß jedes particuläre Interesse schwelgen mußte. Wir dursten an utisere spcciellen, jüdischen Interessen nicht denken, wo das ganze Vaterland um seine Existenz kämpfte. Dadurch wurde natürlich die Propaganda für den deutsch-israelitischen Gemeindebund unterbrochen, ich will nicht sagen, gestört; ich meine vielmehr, daß gerade durcb den großen Kampf, den wir gekämpft haben, ein großer Schritt nach vorwärts gethan ist auch in diesem unserem Vorhaben. Wenn schon im Allgemeinen große Ereignisse die Menschen höher spannen, sie höher stimmen, sie crnpfänglicher machen für große Ideen, so ist eben in Folge dieser Ereignisse in unserem spccicttcn Falle die gcsammte deutsche Iudcnheit auf einen ganz anderen Standpnnet gelangt, als vor einem Jahre. Damals gab es noch eine gewisse Zurückhaltung zwischen Süd und Nord, damals konnte man sich noch fragen: Wird es zu einem großen Gelingen fcmmen, wenn auch Einzelne ihre Kräfte anstrengen? Heute sagen wir: „Wenn eS gelungen ist, das deutsche Vaterland einig zu machen, so werden wir auch die Indenheil einig machen; wenn diese große, Jahrhunderte schwebende Frage gelöst ist, so werden so und so viel hundert jüdische Gemeinden doch auch zur Einheit zu bringen sein; die Zurückhaltung zwischen Nord und Süd hat sich gelöst. Dieses durch die weltgesckichtlicken Ereignisse geförderte Gefühl der Gemeinsanlkeit im Vaterlande ist also ein Gewinn für unser Vorhaben. Es zeigen sich auch bereits die Spuren davon, wie ich Ihnen zissermäßig beweisen kann. 'Während voriges Jahr unsere Arbeit bei der Zahl von 10 beigctretenen Gemeinden unterbrochen wurde, ist diese Zahl jetzt auf 55 gestiegen. Sie sehen, wir haben schon weit über die Hälfte, um die festgesetzte Zahl von i 00 Gemeinden zu erreichen, und sind fowtt unserem Ziele weit näher gerückt. Wenn der Krieg also unsere Arbeit doch gefördert hat, so hat er andrerseits auch Schäden blosgelegt, welche wieder beweisen, wie nothwendig eine Organisation für uns ist, um zu einer Ccntralvertrctung der deutschen Iudenhcit zu gelangen. Es traten in dem Kriege Mißftände hervor, von welchen man vorher gar keine Ahnung hatte. In deniselben Augenblicke, wo unsere Söhne und Brüder draußen im Felde für das Vaterland bluteten, uttd wir zu Hause von unserem Eigenll/umc alle Opfer brachten, ist die Frage entstanden: Wie wird denn eigentlich für die religiösen Bedürfnisse der israelitischen Streiter gesorgt? Während die großen, hohen Festtage. Rosch-haschanah und Jom-Kippur mitten in die Zeit des Krieges fielen, war keine Fürsorge getroffen, war für keinen jüdiscken Feldpredigcr gesorgt. Ucberhaupl ist es in keiner Weise berücksichtigt worden, daß ein anderes Element, als das der beiden confcssionellen Mehrheiten, auch im Felde stand, und hätten nicht Private, ein Rabbiner, ein Rcdacteur (Dr. Lehmann in Mainz), die Sache angeregt, amtlich wäre nichts geschehen. Zur Anlegung einer Statistik der Theilnahme unserer Glaubensgenossen an dem Kriege mußte ein Einzelner (Redarteur Dr. L. Philippson) die Initiative ergreifen, sowie die Ver- 23»

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