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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-30 · Heft 22 (30.5.1871) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 22 (30.5.1871)
Date
1871-05-30
Page
Seite 440 (sequence 12)
Language
German
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440 die Quelle so vieler gehässiger Denunciationen und Vexationen seitens der gewinnsüchtigen Pächter verstopft. —. Gegenwärtig finden hier die Leistungen einer jungen Concertistin, Frl. Annette Kuhn aus Gombin bei Plock, in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen lebhafte Anerkennung und Theilnahme, welche durch das tragische Schicksal der jungen Dame erheblich gesteigert wird. Frl. Kuhn, seit ihrem neunten Jahre erblindet, wurde von ihrem Bater, einem armen Juden, nach München gebracht, wo sie, von unseren dortigen Glaubensgenossen unterstützt, sich der Musik widmete. Nach wenigen Jahren erwarb sie sich in Folge ihrer Fähigkeiten und ihres eifrigen Studiums eine solche Fertigkeit namentlich auf der Cither und der Concertine, daß sie sich stark genug fühlte, in den bedeutendsten Städten Deutschlands, als in Wien, Leipzig, Breslau u. s. w. öffentliche Concerto zu geben, welche in den dortigen Tagesblättern eine durchweg günstige Beurtheiluug fanden. Vor Kurzem nun zu einem Besuche bei ihrem armen Bater in Gombin cingetroffen, wurde sie von verschiedenen Seiten veranlaßt, auch in einigen Städten ihres Heimathlandes, als in Warschau, Wloclawek u. s. w. musikalische Soireen zu veranstalten, die überall von ungetheiltem Beifall begleitet waren. Von der Weichsel, im April. lPrivatmitth.) Der „Wiestnik" bringt folgende statistische Mittheilung, und zwar nach den officicllen Angaben über die jüngste Recrutirung: Gesammizahl Zabl der kommt Consesfionen: der gelieferten l Recrnt Bevölkerung. Accruten. Griechisch-Katholische: b7,161,000 82,942 689 Röm»; ch- Kath olische: 6,780,000 4,992 1,377 Protestanten: 4,132,000 2,382 1,734 Muhammedaner: 5,662,000 1,614 3,508 Juden: 2,290,000 1,198 1,711 Heiden: 481,000 30 16,033 Im Großen und Ganzen geschieht meines Wissens die Aushebung nach der Norm 1:1000; es ist hinzuzufügen, daß 1) noch das Loskaufsystem herrscht, und 2) die Söhne der Kaufleute erster Gilde nicht militärpflichtig sind. Uebrigens ist die russische Statistik noch nicht sehr zuverlässig, was schon aus der vorstehenden Angabe der jüdischen Seelenzahl, verglichen mit der früheren (Nr. 15), zur Genüge hervorgehr. Petersburg, 13. Mai. Der „N. fr. Pr." wird geschrieben: Trotz wiederholter officiellcr Berichtigungen werden im Publicum die Anklagepnncte gegen die Odessaer Autoritäten gar nicht abgcschwächt. Allerdings muß nian zugebcu, daß nicht alle Tumultuanten im Drange der Bewegung sich zu bereichern gesucht. Die Mehrzahl derselben beschäftigte sich am liebsten mit dem Zerstören der Häuser und Mobilien, dem Zerreißen von Contobüchern; aber die Idee, welche diese liebenswürdigen Gemüther leitete, ist nicht weniger gefährlich. Es zeigte sich nämlich der Haß gegen die Besitzenden an der Tagesordnung, und solches bestätigt sogar der ossicielle Bericht des Generalgouverneurs. Die gerichtliche Untersuchung ergibt als unzweifelhaft, daß die Leute überzeugt gewesen waren, die Regierung habe erlaubt, drei Tage hindurch alle Excesse gegen die Juden zu begehen und insbesondere ihre Bermögensobjectc zu zerstören. Fragt man die Delinquenten: „Wie konntet ihr glauben, die Regierung würde Solches gestatten?" so antworteten sie unbefangen: „Wenn das sich nicht so verhalten hätte, würden dann die Obrigkeiten uns drei Tage lang ungehindert in dieser Art haben arbeite;: lassen?" Solche einfache Logik gravirt immer mehr die Behörden, denn einstimmig bleiben die Aussagen auf diesem Puncte. Vom General Kotzebue, dem Generalgouverueur von Odessa, verlautet auch nun, er habe bei einem Spaziergange mit einem Großfürsten sich auf rathselhaste Weise das Dein beschädigt. Vielleicht ist das eine Finte, um nach seinen in Odessa glänzend bewiesenen administrativen und militärischen Fähigkeiten ihm den Rücktritt möglichst zu erleichtern. —. Nach der „P. Z." sind in Odessa in Folge der Plünderungen viele Geschäftshäuser insolvent geworden, was eine empfindliche Krips im ganzen Süden Rußlands nach sich ziehen wird. Nachtrag. Frankfurt a. SÄ., 21. Mai. lPrivatmitth.) Im Reichstage hat die angefochtene Wahl unseres Abgeordneten Sonnemann eine lauge und heftige Debatte hcrvorgerufen, und ist endlich bestätigt worden. Sein Mitbewerber, der fast dieselbe Stimmenzahl erreichte, lvar bekanntlich der Freiherr v. Rothschild. Die Frankfurter hatten also zwei Juden als Candidaten

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