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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-30 · Heft 22 (30.5.1871) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 22 (30.5.1871)
Date
1871-05-30
Page
Seite 441 (sequence 13)
Language
German
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441 ausgestellt und auf diese concentrirten sich die Stimmen so sehr, daß neben ihnen nur noch eine geringfügige Zersplitterung von Stimmen stattfand. Wir sehen hier im Kleinen, wie gewaltig die Kraft des Zeitrades ist und wie ohnmächtig die Bemühungen, sich demselben entgegenzustemmen! Frankfurt a. M., welches, nachdem die Juden unter Dahlbergs Regierung gleichgestellt worden, was sie freilich mit einer erklecklichen Summe zu bezahlen hatten, nach wiedererlangter, auch mit jüdischem Blute errungener Freiheit (!!) von dieser zuerst den gebrauch machte, die Juden wieder in ihre, über alle Maßen beschränkte Rechtsstellung zurückzuwerfen, wogegen kein Remonstriren und kein Processiren half, welches vor 1848 nur mühsam einige Jndulgenzen sich abringen ließ — dieses selbige Frankfurt hat 1871 nur zwischen zwei Juden zu wählen, um einen derselben als seinen Vertreter in den ersten deutschen Reichstag zu schicken. BuLtenwiesen, 18. Mai. (Privatmitth.) Hiermit erlaube mir Ihnen ein sehr erfreuliches Ereigniß mitzutheilen, welches als Uebcrgang zur völligen und thatsächlichen Gleichstellung der Israeliten Bayerns mit den Bürgern christlicher Eonfession betrachtet werden kann. „Dr, Binswanger, bisher praktischer Arzt in hiesiger Gemeinde, wurde zum Bezirksarzte I. (Stoffe in Krumbach ernannt. Es ist dies der erste jüdische Arzt in Bayern, der eine solche Stellung erlangte, und die Hoffnung, daß auch bald Juristen israelitischer Confession zu Richtern ernannt werden, liegt sehr nahe. An hierzu tüchtigen Kräften ist kein Mangel." Indem ich Sie, geehrter Herr, ersuche diese Mittheilung durch die „Zeitung des Judenthums" zu veröffentlichen , habe ich die Ehre mit ausgezeichneter Hochachtung zu sein A. Heilbronner, Lehrer. Wien, 26. Mai. Auch in dieser Woche haben wir das Scheiden eines Mannes zu melden, der in seinem Fache eine gegenwärtig unausgcfülltc Ricke hinterläßt. Dr. Max Letteris ist gestern früh nach laugen und schweren Leiden gestorben und wird morgen, den 21. Mai, um 4 Uhr Nachmittags auf dem Währinger Friedhofe beerdigt werden. Unstreitig war Letteris einer der hervorragendsten Hebraisten neuester Zeit und zwar in Prosa wie in Poesie. Im vorigen Jahre hatte er seinen 70. Geburtstag gefeiert. Sein Alter war nicht vor Mangel und Entbehrung geschützt. Die Schicksale seines Lebens hat er in hebräisch geschriebenen Memoiren geschildert. Herr Müller, gewesener Holzhändler in der Roßau, hat zu seinem und seiner.Gattin Andenken (beide Katholiken) dem jüdischen Spitale in Wien 1606 fl. vermacht, um von deren Zinsen den Rewnvalescenteu eine gewähltere Kost zu verabreichen. — Der verstorbene Großhändler Herr Ignaz Baum (Israelit) hat für Arme der jüdischen Genreinde in Wien 10,000/ fl. testirt. Anzeige n. Israel. Lehrer gesucht. Für die hiesige Schule (deren bisheriger Lehrer durch Krankheit abging), wird ein Lehrer und Cantor gesucht. Gehalt 250 Thlr. inet, freier Wohnung. Eintritt sofort. Qualificirte Bewerber wollen sich baldigst an den Unterzeichneten wenden. Kerpen, 15. Mai 1871. . Moses Leiser, Vorsteher. Bewerber um die hier sofort zu besetzende Lehrer-, Vorsängeru. Schächterstelle, welche mit einem jährlichen Gehalte von 200 Thlrn. Fixum u. ca. 25 Thlrn. Nebeneinkommen verbunden ist, werden aufgefordert Meldungsgesuche und Zeugnisse bald gefälligst einzusenden. Schmalkalden (R.-Bez. Casiel», d. 15. Mai 1871. Der israel. Gemeinde-Vorstand: _ (fr. (frckmann.__ In unserem Synagogen-Chor sollen zwei Bassisten mit jährlichem Gehalte von 200 Thlr». das ist 180 S.-Rnbel für jeden, nebst einem Zimmer zur freien Bewohnung für Beide, augestellt werden. Außer dem Gehalte giebt es auch Rebeneinlommen. Junge Leute mit tiefer Baßstimme und einiger musikalischer Wissenschaft, welche die Gelegenheit zur ferneren Ausbildung im Gesänge benutzen wollen, mögen sich an unseren Obercantor Herrn Jacob L. Weiß in Warschau schriftlicb melden und Zengnisie beilegen. Warscha u, den 19. Mai 1871. Das Comite der SynagoaemGemeinde an der _DanilowiczowökaStraße. Die hiesige Religionslehrer-Stelle ist sofort zu besetzen. Zu adressiren an Bonn, 22. Mai 1871. den Vorstand Itobert Eioldschmidt.

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