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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-30 · Heft 22 (30.5.1871) · p. Seite 437

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 22 (30.5.1871)
Date
1871-05-30
Page
Seite 437 (sequence 9)
Language
German
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437 Weise. Den ersten Punet bildete „die gedrückte Lage der Kirche." „Rieger erkennt die Klage als gerecht an und will die Ursache in den Juden finden, welche in der Presse eine so furchtbare Macht erlangt haben und diese zum Nachthcile des positiven christlichen Glaubens ausbeuten. Ihr Einfluß sei ein großartiger, in alle Aemter haben sie sich einzudrängen gewußt und dabei kein Mittel gescheut. Sie wollen regieren, deshalb bekämpfen sie jedes Bestehende, die Kirche und besonders auch das historische Recht, von dem sie eben nichts für ihre egoistischen Interessen zu hoffen haben. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir auch, daß in unserem Finanzministerium bei zwei Drittel getaufte Juden angestellt seien. Das ist der Berücksichtigung werth. Also in der Zurückweisung und Bekämpfung der Uebergriffe der jüdischen Großmacht, da sind wir wol einig." Nach den Juden kommen die „Logen" daran , die zwar bis jetzt in Oesterreich verboten sind, doch aber nach der Meinung dieser Herren den ganzen österreichischen Staat unterwühlen. Was da Herr Rieger über die Juden sagt. hat weder das Verdienst der Originalität, noch der Wahrheit. Es ist das alte Lied der Klerikalen und Rcactionärcn, welche alle Erfolge des Liberalismus, alle Neugestaltung des modernen Staates den Juden zuschreiben, mn jene dem Volke verdächtig, womöglich verächtlich zu machen, und für sich selbst eine scheinbare Entschuldigung zu haben. Nicht die Entwickelung des Geistes, nicht die Entfaltung wahrer Religiosität und Sittlichkeit, nicht der Fortschritt der Cultur, nicht Wissenschaft und Industrie, nicht die Rechtsansprüche des Volkes in allen seinen Schichten, nicht die Völker selbst sind Schuld daran, daß die Machtfülle der geistlichen und feudalen Hierarchie beschränkt werden, sondern allein die Juden, denen man daher eine fabelhafte, eine mythische und mystische Macht zuschreibt, wobei man aber gezwungen ist, auf die „getauften Juden" den Hauptton zu legen, mn nicht vor der Wirklichkeit sofort gar ztt lächerlich zu erscheinen. Tie Taufe muß also an diesen Juden gar nichts gebessert haben und cs liegt sogar dieVcrmulhuug nahe, daß sie sich nur haben taufen lassen, um dem jüdischen Interesse besser dienen zu können! Das freilich kommt den Herren nicht in den Sinn, daß sie selbst an dem Verlust ihrer Macht am meisten schuld sind. Der Druck, den sie Jahrhunderte lang auf die geistige wie auf die materielle Welt der Völker geübt haben, der Widerspruch, den sie noch heute gegen jede Verbesserung und Neugestaltung in der Lage des Volkes erheben, die Knechtschaft, in welcher sie das gesammte Volk und den Staat noch immer halten wollen, daß diese die Schuld an der Verringerung ihres Einflusses und an der Errichtung aller der Institutionen tragen, welche den Bürger vor den Uebcrgrifsen jener alten Mächte schützen sotten, das beherzigen sie nicht und stehen lieber nicht an, Andere anzuklagen und zu schmähen! Was wir Juden von diesen Leuten zu erwarten hätten, wenn sie wieder zur Herrschaft gelangten, unterliegt keinem Zweifel. Es versteht sich, daß cs für uns sehr schmerzlich ist, die Ezechenpartei in eine so feindselige Stimmung gegen die Juden sich hineinarbeiten zu sehen. Wirkungen dieser Gehässigkeit haben wir ja leider schon empfunden! Jndcß zuletzt muß aus diesem staatlichen Wirrwarr sich doch irgend eine feste Ordnung entwickeln, und diese muß sich zuletzt mit Recht und Volkswirthschaft ausgleichen. Pest, 12. Mai. lPrivatmitth.) Die von Ihrem Eorresp. aus Ungarn bereits gemeldete Entschließung des Eultus- und Unterrichtsministers Panler ist von größerer Tragweite, da hiermit die Ausführung der Eongreßstatuten zu einer anerkannten Thatsache wird, welcher gegenüber der auch bei den Juden immer mehr schwindende Einfluß der Schomre hadath, die sich gegenwärtig sogar ohne alle Mittel sehen, nichts mehr auszurichtcn vermag. Gestatten Sie mir daher, die betreffende Mittheilung aus dem Pestcr Lloyd hier ganz zu citircn, und nur noch die Bemerkung hinzuzufügen, daß cs jetzt an der Zeit wäre, daß die Congreßpartei sich zu einer kräftigen und umfassenden Thätigkeit aufraffe und sich nicht in bloßen Formalismus und Bureankratismns verliere. Der bez. Art. lautet: „Bekanntlich hat die im Monate März hier abgehalteue Versammlung der israelitischen Distrikts- Präsidenten die israelitische Landescanztci errichtet und hierüber Sr. Exccllen; dcnt Herrn Eultusminister Bericht erstattet. Minister Pauler hat nun in einem Oiescripte vom 26. April, Z. 7787, die Errichtung der Landescanzlei gutgeheißen und erklärt, daß er dieselbe — auf Grund der im § 71 des Eongreßorganisationsstatntes enthaltenen Bestimmung — als das einzige 22

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