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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-30 · Heft 22 (30.5.1871) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 22 (30.5.1871)
Date
1871-05-30
Page
Seite 436 (sequence 8)
Language
German
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436 Stufe erreicht, und ist in eine Richtung eingetreten, welche den Bedürfnissen der Zeit entspricht. Um so berechtigter ruft es die allseitige Unterstützung der beiden Provinzen auf, für welche cs im Bcsondcrn arbeitet, obschon selbstverständlich nicht wenige der hier ansgcbildeten Lehrer auch in andere Provinzen übergehen. Möge also das Seminar, das für ein so dringendes Bedürfnis besteht, zn einem immer größer» Aufschwünge gelangen. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 8. Mai. (Wir erhalten zur Ergänzung unserer bisherigen Mittheilungen die Wiener „Morgenpost" vom 8. Mai, und theilcn den darin befindlichen Bericht über die jüdisch-theologische Facultät mit. Allerdings genügt auch er nicht, um eine Kritik des Elaborats zu ermöglichen. Redact.) Ter, wie bereits gemeldet, von dem betreffenden Eomits dem Unterrichtsministerium übergebene Entwurf wegen Gründung einer jüdisch-theologischen Facultat in Wien wird nun nach Lemberg, Krakau, Brünn und Prag geschickt, damit die dortigen Repräsentanten der Judenschaft ihr letztes Votum aögeben, und es dürfte daher von Interesse sein, einige Hauptpuncre des Elaborates zu berühren. Das Comit«' entschied sich für die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät in Wien, unter Oberleitung eines ans der jüdischen Bevölkerung der cisleithanischen Provinzen zu erwählenden Curatoriums. Die Errichtung eines „Seminars" wird abgclchnt, da Wort und Begriff dem Judenthume fremd ist; es soll eine Hochschule sein, zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums und zur Heranbildung von Predigern und Rabbinern. Die Facultät soll als Staatsanstalt, mit gleichen Berechtigungen anderer Facnltäten östcrreichi scher Universitäten, errichtet und zum Theil aus Staatsmitteln , zum Theil aus den Zuschüssen bestehender Fonds- und freier Stiftungen erhalten werden. Die Lehrkanzeln dieser Facultät sind frei und Jedem zugänglich, so daß neben den ordeutlicheu Professoren auch außerordentliche, und die Doccntcn zuzulasfen sind. Der Eintritt in diese Facultät ist von den Maturitätszeugnissen , und von den Zeugnissen über Vorstudien in Bibel und Talmud abhängig, wobei die Frage wegen Errichtung von Vorbereitungsschulen oder Proscminarien eine offene bleibt, welche nach den Wünschen und Mitteln jedes einzelnen Kronlandes beschlossen werden kann. Ein dctaillirt ansgcarbeiteter Lehrplan liegt dem Elaborate bei, jedoch wird ausdrücklich jeder Zwang ausgeschlossen: ebenso soll cs fernerhin den Gemeinden freigestellt bleiben, Zöglinge dieser facultät oder andere Befähigte zu den erledigten Stellen zu berufen. Die Studirendcn sollen militärfrei sein. Die Facultät hat das Recht, Zeugnisse auszustellen und Diplome zu crthcilen. Die Besetzung der Lehrkanzeln, sowie die Wahlen in das Euratorium bedürfen der Genehmigung der Regierung und der Bestätigung Sr. Majestät; die Mitglieder des Curatoriums beziehen keinen Gehalt und keine Diäten, es ist ein Ehrenamt! Wenn yicht unvermnthet eine Opposition sich erhebt, wird dieser Plan, mit einigen allenfalls nöthigen Abänderungen, ehestens in die Wirklichkeit gelangen, wenigstens hegt man, wie wir schon erwähnt, maßgebenden Ortes den Wunsch, bereits im nächsten Schuljahr den ersten Eurs der jüdisch-theologischen Facultät eröffnet zu sehen. Tie in Wien seit Jahren bestehende Talmudschule Bet-Ha Midrasch hat' in diesem Behuse ihre Lehrkräfte, ihre Localität und Bibliothek, sowie ihren nicht unansehnlichen Fonds zur Disposition g</ stellt, was dankbar angenommen wurde/ DaS Abgeordnetenhaus bewilligte bereits die Position im Budget, welche wegen Errichtung dieser Lehranstalt eingestellt wurde, und cs dürste demnach bei uns zuerst in Europa eine solche Facultät für die Israeliten, besonders für die Wissenschaft des Judenthmns, als Staatsinstitnt errichtet werden. Aus Böhmen, 10. Mai. Prwatmitth.! Es ist hier zu Lande kein Gcmcimniß mehr, was schon längst vermnthct und vorausgesetzt ward, daß nämlich eine Coalition zwischen der Ezcchenpartei und der ultramontanen geschlossen worden, so das; man mit vereinten Kräften gegen den bestehenden österreichischen Staat ankämpscn will. Ans dieser Bereinigung schon kann mail schließen, welchen rcactionären Charakter diese Bestrebungen tragen. Am 12. April hielt der Führer der Ezechen, Ricgcr, in Prag eine Zusammcnkiulft mit den Führern der sg. katholischen Partei, und sie einigten sich über ein Programm, das über vier Puncte sich ausläßt. Ucber die ganze Verhand- , lung berichtet der Wiener „Lolksfrcund" in authentischer

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