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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-30 · Heft 22 (30.5.1871) · p. Seite 433

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 22 (30.5.1871)
Date
1871-05-30
Page
Seite 433 (sequence 5)
Language
German
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433 Mission der göttlichen Vorsehung ansehen, welche wir nicht selbst uns gemacht, und der wir uns nicht entziehen können und wollen. Unser Geschick hat der Prophet Jesaias Israel als 'n w in bestimmten Zügen vorausgesagt. Was wir auch thun und in welcher Lage wir uns befinden: die Völker schmähen uns und machen uns zum Träger dessen, was ihnen mißfällt. Wenn die Pest über Europa hinfährt, so haben wir die Brunnen vergiftet. Aber trotz dieser Jrrthümer und Gehässigkeiten der Welt, trotz der Macht, die man thörichter Weise uns, dem kleinen Bruchtheil der europäischen Bevölkerung, züschreibt, und ihres Mißbrauches, dessen man uns zeiht, trotz der Bürde, die man uns dafür auferlegt, gehen wir aufrecht durch die Weltgeschichte, oft niedergebeugt, aber niemals niedergeschmettert und immer wieder der Freiheit theilhastig, deren man uns oft und auf lange Zeit beraubt hat, und diese Freiheit zur Entfaltung unserer Kräfte benutzend. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. Mai. Wir erhielten in diesen Tagen ein schönes Kunstblatt aus dem Berlage von Keller in Frankfurt am Main, welchem wir auch die gerühmten Oppenheim'schen Scenen aus dein jüdischen Familienleben verdanken, nämlich der „Jom-K'ipur vor Metz 1870", in photographischer Darstellung, und zwar in großem, mittlerem und kleinem Formate. Wir können dieses Bild als ein Gedenkblatt aus denkwürdiger Zeit bestens empfehlen. Es ist von Hermann Junker nach dem bekannten Gedichte des Dr. Gustav Philipps on (Dessau) in Berlin gezeichnet, und wenn es daher auch der Wirklichkeit, wie sie gewesen, nicht entspricht, so charakterisirt cs doch die Situation in edler und würdiger Weise. In einer herbstlichen Landschaft, auf einem weiten bewaldeten Plateau befindet sich auf einer Höhe ein Stein, der mit einer weißen Decke belegt und auf welchem die Thora aufgerollt ist. Um ihn stehen drei Krieger, mit dein Helme bedeckt, und die Gebetmäntel über der Uniform, von denen der eine als Cantor vorliest. Um diesen Stein in einiger Entfernung ist ein Seil zur Umzäumuug gezogen, und hierum lagern, sitzen und stehen in weitem Halbbogen, in der mannigfaltigsten Gruppirung zahlreiche Soldaten, welche zürn Theil durch ihre Physiognomie, selbstverständlich ohne alle Carricatur, zum Theil durch die umgehängten Gebetmäntel und die Gebetbücher sich als andächtige jüdische Thcilnehmer des Gottesdienstes kundgeben. Hier hatte der Künstler Gelegenheit, die größte Mannigfaltigkeit anzubringen, und hat sie angemessen benutzt. Man bemerkt schöne jugendliche Gestalten in allen Uniformen der deutschen Heere, kräftige Männer mit Bärten, Aerzte u. s. w. Um die Gruppen zieht sich eine Reihe zusammen gestellter Gewehre und hinter diesen sieht man Wachen und Patrouillen, im Gegensätze zu den fastenden Juden Soldaten, die sich ihr Essen kochen, Barracken, Marketenderinnen u. dgl. So vielgestaltig auch die ganze Masse ist, so hat der Künstler doch verstanden, eine gewisse Einheit herzustellen, und der eine Gedanke beherrscht so sehr die sämmtlichen Figuren, daß das Auge nicht zerstreut wird, sondern im Detail immer wieder den totalen Eindruck empfängt.' . Sie Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Fernere Mittheilungen erhielten wir aus den Gemeinden: Paderborn, Schnbin, Schöulanke, Sladthagcn, Mecrbcü, Hadmcrslcben, Alölcbcn a. d. Saale, Dessau, Fcllhcim, Meristem. Zweite israelitische Synode in Augsburg. In Bezugnahme auf die unterm 31. März d. I. ergangene Einladung zur zweiten Synodalversammlung ersuchen wir diejenigen Herren Theilnehmer, welche entweder Logis in Hotels rescrvirt zu haben wünschen oder auf freie Wohnung in Privathäusern reflectiren, der Unterzeichneten Verwaltung bis längstens l. Juli hiervon Mittheilung zu machen, uin allen Wünschen nach Möglichkeit entsprechen zu können. Augsburg, 18. Mai 1571. Die Verwaltung der isr. Eultusgemeinde. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Glogau, 1-1. Mai. lPrivatmittheilung). Herr Kadisch I von hier hat das eiserne Kreuz erhalten.

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