Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1871)
- Date
- 1871-05-30
- Page
- Seite 434 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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434 Ludwigsburg, 25. Sept. (Verspätet).*) Der „Schwäb. Merk." schreibt: Eine seltene Feier hat hier stattgefunden. Die hiesigen Israeliten hatten bisher ihre Todten auf dem Friedhofe ihrer Glaubensgenossen in Höchberg begraben, in neuester Zeit aber haben sie einen eigenen Bcgräbnißplatz in unmittelbarer Nähe des christlichen Friedhofs gegründet, und derselbe ist heute, am Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes, durch den Rabbiner Kirchenrath Dr. v. Maier aus Stuttgart feierlich eingeweiht worden. Den nächsten Anlaß gab der frühe Tod eines kriegerischen Sohnes Israels, Heinrich Hcidcmann, der in der Nähe von Frankfurt a. d. O. heimathlich,'Gefreiter eines brandenbnrgischen Infanterieregiments, in der Schlacht bei Graoelotte in tapfrem Kampfe mehrere schwere Schußwunden erhalten hatte, denen cr in einem hiesigen Lazarethe, der sorgfältigsten Pflege ungeachtet, erlegen ist, ein junger Mann von 26 Jahren, seit einem Jahre verheirathet, seit vierzehn Tagen Vater eines Kindes! Die hiesigen israel. Vorsteher hatten zu der Feier Einladungen erlassen, welchen die hiesigen Geistlichen beider christlichen Confessionen, die königlichen und städtischen Behörden und eine Menge sonstiger hiesiger Einwohner, auch viele Israeliten aus Stuttgart, Eanstatt re. gefolgt sind. Die üblichen Salven wurden von einer Militärabtheilung gegeben und ein Männerchor sang passende wieder, als man den ersten Sarg auf dem neuen Friedhofe unter den Segensworten des Geistlichen in die mütterliche Erde senkte. Schubin, 15. Mai. (Privatmitth.) Ich halte mich überzeugt, daß Ihre 9efer ebenso gern und vielleicht mit noch größerer Befriedigun.g von dem sich steigernden Wohlthätigkeitssinn und dessen günstigen Erfolgen aus kleineren Gemeinden als aus den großen lesen werden. Denn wenn in den letzteren die Größe der Resultate erfreut, so erregt aus den erstcren die daselbst erforderliche bedeutende Aufopferungsfähigkeit, um die nöthigcn Mittel zu erlangen, eine volle Genugthuung. Gestatten Sie mir daher die Notiz, daß der von unserem Cantor Sarasohn vor vier Jahren gegründete Frauenverein, dessen Zweck ist, arme Wittwen zu unterstützen und bei geringer Abzahlung Geld zu irgend einer Erwerböthätigkeit zu leihen, sowie arme Mädchen bei ihrer Verheirathung auszustatten, sich *) Erst jetzt uns zugekommen. Redact. des besten Gedeihens erfreut. Der Verein hat bereits über 150 Thlr. an Unterstützungen verausgabt, zu einem Zaun um unseren Gottesacker 50 Thlr. und in die Synagoge mehrere werthvolle Gegenstände gespendet und doch einen Bestand von über 150 Thlrn. gesammelt. Besonders ist cs die Frau Rosalia Konicka, welche als erste Vorsteherin des Vereins dessen Interessen mit der größten Hingebung fördert und ihn zu einem Muster für viele ähnliche Gemeinden macht. Schubin, im Mai. (Privatm.) Herr Abraham Meyer, der in das 3. Sanit.-Detachement der Res.- Art. II. Armeceorps eingetreten, hat das eiserne Kreuz erhalten. Landsberg an der Warthe, 16. Mai. (Privatm.) Auch aus unserer Gemeinde sind drei Israeliten, der FeldstalParzt Dr. Michaelis Basch, der Vieewachtmeister Samuel Basch, Söhne des hiesigen Eantors Basch, und der Stabsarzt Dr. Haber in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet worden. Unsere durch die Bemühung des hiesigen Rabbiners, Herrn Dr. Klempcrer, vor vier Jahren gegründete Religionsschule hat auch in diesem Jahre eine Prüfung mit ihren jetzt 06 zählenden Schülern und Schülerinnen vorgcnonlmen und hierbei erfreuliche Beweise ihres erfolgreichen Wirkens geliefert. Da in dieser Schule, welche unter Leitung des Herrn Rabbiners steht, der Unterricht im Hebräischen mit besonderem Eifer und größtem Erfolge gepflegt wird, so ist die Bemerkung in der Berliner „Jüdischen Presse", daß dieser Unterrichtszweig hier ganz vernachlässigt wird, geradezu unbegreiflich. Herr Dr. Klemperer, der einem mäßigen Fortschritte durchaus nicht abgeneigt ist, hat sich auch um die hiesige Gemeinde durch Einführung eines geregelten, zur größten Andacht stimmenden Gottesdienstes hier allgemein anerkannte Verdienste erworben. Berncastel, iur Mai. (Privatmitth.) Herr Dr. med. Dölin, der als Lazarctharzt in Epcrnay thätig gewesen, hat das eiserne Kreuz erhalten. Paderborn, 12. Mai. (Privatm.) Der Musketier Nuß bäum aus Salzkotten hat das eiserne Kreuz erhalten, weil er, als er in einem Gefechte den Feind dem Fähnrich die Fahne entreißen sah, heldenmüthig in den Kampf sich stürzte und die Fahne glücklich zurückbrachte.