Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1871)
- Date
- 1871-05-23
- Page
- Seite 416 (sequence 8)
- Language
- German
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416 hier berichtigen müssen. Die Zinsen von den fundirten 4000 Thlrn., welche, zu 5 p(5t. gerechnet, 200 Thlr. betragen, sollen, nach dem ausdrücklichen Wunsche des Fundators, an vier Tagen deS Jahres, und zwar a) am Gedenktage des Friedensschlusses, b) am Gedenktage des /noch bevorstehenden) Einzuges der Truppen in Berlin. <m am Geburtstage des Kaisers und dj am Geburtstage des Kronprinze n, mit je 50 Thlrn. an einen Alaun der, oder an eine Familie, die sich möglicherweise mit dem Gelde ernähren könnte, vertheilt werden. Erforderlich zur Erwerbung des Geschenks sind nur Unbescholtenheit und Bedürftigkeit. Die Eonfess ion soll keinen Unterschied machen, die Stadt Ra wie; aber immer bevorzugt werden, und hier wiederum ein solcher Mann, welcher den Feldzug von 1870—71 mitgcmacht hat, oder dessen Hinterbliebene Familie. Die Fundation soll den Rainen „S t i l l m a n n - S t i f t u n g" führen, und was sie festsetzt, natürlich erst dann in's Veben treten, wenn ihr die Allerhöchste ^Genehmigung, die noch erwartet wird, zu Theil geworden. Cöln, 8. Mai. «Privatmitth.j Herr Dr. Eltzbacher von bier hat das eiserne Kreuz erhallen. Iauer, 8. Mai. .Privatm.j Der von hier gebürtige M o r i tz P l e ß n e r, Premierlieutenant im 4. Brandend. Jnfanwriereg. Nr. 24, hat das eiserne Kreuz erhalten. — Wir bemerken hierzu, daß aus der hiesigen kleinen Filialgemeiitde 7 EombattanLen waren, und zwar 2 DfficieiG, 1 Stabsarzt und 2 Unterofficiere. Seesen, im Mai. (Privatm.) In diesen Tagen erschien der Bericht über die hiesige Iacobsonschule für die Zeit von Michaelis 1867 bis Ostern 1871. 'Wenn dieser Bericht nicht im„Vit. Wvchenb." erwähnt , sondern unter den Zeitungsnachrichten besprochen wird, so liegt dem die Betrachtung zu Grunde, daß wir es hier, ebenso wie in der Israel. Realschule zu Frankfurt a. M. mit einer Simultanschule zu thun haben, welche auf jüdischem Grunde aufgebaut worden. Alan hört gar oft die Acußerung, daß die Juden nur deshalb aufgeklärt seien und den freisinnigen Principien anhingen, weil sie eben die Gedrückten und Beschrankten sind und von der Herrschaft der liberalen Grundsätze ihren Bortheil: zu erwarten haben. Die beiden erwähnten Schulen führen den Gegenbeweis. Denn an sich nöthigte nichts diese Anstalten, ihre Schulzimmer auch christlichen Zöglingen zu öffnen, und sie hatten keinen besonderen finanziellen Nutzen daraus zu schöpfen. Die Jacobsonschnlc aber war schon von ihrem Gründer zu einer Simultanschule für Juden und Christen bestimmt. Daß beide Schulen Vorzügliches geleistet haben, geht eben daraus hervor, daß sie so gern von christlichen Schülern besucht werden, was eben gewiß für vorwiegend jüdische Schulen ein unzweiselbares Zeugniß ablegr. Ich habe mich hier überall des Ausdrucks Siinultanschule bedient, weil mir der Ausdruck confessionslos gänzlich unpassend für eine Anstalt erscheint, in welcher ein genügend ausgedehnter Religionsunterricht für die jüdischen Zöglinge in der jüdischen, für die christlichen in der christlichen Religion gegeben und z. B. für die Ersteren auch das Hebräische nicht vernachlässigt wird. Es findet also hier die Eonfession ihre volle Befriedigung. — Bemerkenswerth ist es, daß diese beiden Schulen nicht ans preußischem Boden erwachsen sind, und daß, da. Seesen braunschweigisch ist, die hics. Schule am UZ. März 1870 vom Bundeskanzler das Recht erhielt, den Abiturienten ihrer ersten Clafse das Befähigungszeugniß zum einjährigen Militärdienste zu ertheileu, während die Schule zu Frankfurt am Main, also gegenwärtig in Preußen gelegen, dieses Recht nur w. ihre jüdischen Schüler crlatlgcn konnte, bis jetzt aus lic im Reichstage deshalb erhobene Beschwerde der Präsident des Rcichskanzleramtes Delbrück versprochen hat, Remedur eintreten zu lassen. — Das Progranun enthält voran eine Abhandlung über „das Beowulflied" vom Direclor der Anstalt, Herrn Dr. Arnhei m. So willkommen diese für den Fachmann sein mag, so haben wir sie doch an dieser Stelle nicht weiter zu besprechen, und ist es uns doch fraglich, ob der Raum eines Schulprogrammes für eineil solchen Gegenstand der geeignete ist. Münster, im Mai. Privatmitth.i Der hier erscheinende „Westphälische Mercur" hatte in seiner Nr. 121 vom 3. Mai einen Leitartikel „ein Vorschlag zur Güte" gebracht, in welchem gegen die Bewegung unter den Katholiken gegen die Unfehlbarkeit plaidirt ward, und u. A. die Juden anfgcfordert wurden, statt sich um diese, nach der Ansicht des Verfassers durchaus