Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1871)
- Date
- 1871-05-16
- Page
- Seite 399 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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399 thun hat, kann doch nicht immer mit 5000 Piastern in der Tasche reisen. Wollte man es bezweifeln, daß „das Ministerium der Ordnung" lediglich gegen die Juden vorzugehen beabsichtigt, so braucht man nur das jetzt ofsiciöse Blatt „Trompetta" zu lesen, das in einer unverschämten Weise sich darüber ansläßt, und sich dabei der frechsten Lügen bedient. Es behauptet, die Juden seien aus allen benachbarten Ländern, auch aus Deutschland und Böhmen ausgetrieben und wälzten sich nun allesammt nach Rumänien, so daß sich in diesem gesegneten Lande des Schmutzes die Zahl der Juden bereits verdoppelt habe! Wenn ein ministerielles Blatt sich so ausläßt, so braucht man über die Gesinnung seiner Patrone schwerlich in Zweifel zu sein. Die Auslassung der „Trompetta" ist aber zu charakteristisch für die Rumänen, als daß Sie ihr nicht ausnahmsweise einmal ein Plätzchen einräumen sollten. Es erscheint hier soeben die Probenummer einer neuen Wochenschrift „Rumänische Post" in deutscher Sprache. Dieselbe scheint zwar nicht zur Vertheidigung der Juden austreten zu wollen, doch aber nicht mit feindseliger Gesinnung gegen dieselben. Diese bringt nun die gedachte Stelle der Trompetta in Uebersetzung und ich schreibe sie Ihnen aus. „Je größer die Schwierigkeiten sind, um eine gute Thar zu vollbringen, desto verdienstvoller sind diejenigen, die das Gute thun. Seit Jahren klagen wir über die Invasion der Juden in Rumänien, die Klagen sind und wurden von allen Seiten vorgebracht, alle beschwerten sich; die Regierungen folgten auf einander, seitdem die Macht in den Händen Rosetti's und Bratiano'S war, die gewiß in Einvcrständniß nüt Eromieup und seinem Bruder Lcvy die Pässe aufgehoben und die großen Thore deS Landes diesem schrecklichen Strome geöffnet haben; und dies geschah gerade, als die Judenschaft, verjagt aus den Nachbarstaaten, und selbst aus Böhmen und Deutschland, überall ein Land ohne Schutz, ein wüstes für Schmutz geeignetes Land suchten, und dieser Ort war Rumänien. Es ist nicht mehr zu leugnen, daß seit jener Zeit unglückseligen Andenkens die Zahl der Juden in Rumänien sich mindestens verdoppelt hat. Die rumänische Presse hat ihre Pflicht vollständig erfüllt, sie schrie so laut sie konnte. Mehrere Teputirtc, selbst Senatoren haben ihre Stimmen erhoben und das Uebel von allen Seiten beleuchtet; mehrere Minister haben sich besonders mit der Abhilfe, wenn nicht der Ausrottung des Uebels beschäftigt. Alles war vergebens! Man sagte, daß dieser oder jener Eonsul dagegen protestire. Man sprach unS von Conventionen, ja selbst von Verträgen, man sagte uns, daß keine Maßregel hinreiche, um der Invasion der Juden in Rumänien ein Ende zu machen. Und Jedermann begreift, daß wenn es sich um die Heilung einer verpesteten Krankheit handelt, man zuerst die Quellen, die sie nähren, verstopfen muß, um hernach die Gewässer abfließen zu lassen. Vor allen Dingen müssen die Grenzen gesichert werden, und dies haben die bisherigen Negierungen nicht zu thun vermocht. Nun sei es uns erlaubt, daß wir, die wir immer unsere Ueberzeugungen klar ausgesprochen, auch jetzt erklären, daß die gegenwärtige Negierung auch dieses Uebel zu vermeiden beginnen werde; sei es uns erlaubt zu sagen, daß wirksame Maßregeln ergriffen worden sind, zur Verhinderung des Wachsthums dieses Uebels, das ungleich größer ist als alle anderen Leiden Rumäniens. Wir wissen, daß die Schwierigkeiten groß gewesen sind; und die wir nicht kennen, vermuthen wir; doch hat mau nun Folgendes erlangt: es kann kein Fremder rumänischen Boden betreten ohne sich auszuweisen, daß er „mehr denn fünftausend alte Piaster Capital besitze!" So viel Geld auch Montefiore und die israelitische Allianz haben mögen, werden sie doch nicht jeden Juden der nach Ren-Palästina zu gehen gedenkt, mit 5000 Piastern ausstatten können. Wir wollen nun weiter sehen, welche Maßregel die gegenwärtige Negierung hinsichtlich des jüdischen Aussatzes, der Rumänien bereits verpestet hat, nehmen wird. Infolge dieser einen großen, ernsten Maßregel an der Grenze bleibt uns nichts anderes übrig als die gesammte rumänische Presse, alle rumänischen Bürger, im Namen des Vaterlandes zu beschwören, daß sie jeden Grenzbeamten überwachen, und ihn dann dcnunciren, wenn er aus irgend einem persönlichen Interesse es sich erlauben sollte, die Durchführung dieses Regierungsdecretes nachlässig zu überwachen, dieses Decretes, das der Beginn der Erlösung unseres Vaterlandes von der jüdischen Plage ist." 20*