Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1871)
- Date
- 1871-05-09
- Page
- Seite 386 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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386 welchem die semitische Sprachenfamilie heimisch war. — Sein indischer Name Klima entsprang nicht einer arischen Sprachguelle, sondern dem hebräischen *y??, arabisch Er fand demnach durch Iran seinen Weg nach Indien. Aber auch die westlichen und nördlichen arischen Völkerstämme bezeichnen dieses Thier mit Namen, welche auf semitischem Sprachboden ihre Wurzel finden. Den Uebergang vom semitischen zum arischen Sprachgebiet bilden hier die lateinischen Ausdrücke asinus und asellus. Bon elfterem Ausdrücke, asinus. entstanden cymdrisch asyn, kornisch äsen, armorisch aren, angel-sächsisch assene, skandinavisch asni und dänisch äsen. Asellus . bildet die Quelle für gvthisch asilus. angelsächsisch asal. esol, altdeutsch esil, slavonisch osila, russisch oseli, polnisch osiel, illyrisch osal, litthauisch asilas. irländisch asail. asal. Die Brücke aus dein semitischen Sprachgebiet in dieses arische bilden die altgriechischen Ausdrücke oivog und oavog, neuere Form uyog. o<jvog ging über in asinus, ozrog aber stammt vom semitischen jvk Mehrheit nmns vom arabischen „kurze Schritte machen, langsam gehen", Hebräisch und chaldäisch Kr«. — Während demnach das Pferd im arischen Dolksstamme als Hausthier gezähmt und gezüchtet ward, nahm bei dem semitischen Stamme der Esel diese Stelle ein und wurde von diesem den anderen Culturvölkern zugeführt. In Aegypten erscheint das Pferd erst ungefähr 2500 Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, hingegen war der Esel noch zu den Zeiten des Aristoteles den Skythen und Galliern unbekannt. *) Diese von Lenormant ausführlich dargestellte Hypothese über die ursprüngliche Heimath der beiden genannten Hausthiere läßt sich aber auch durch folgende Gründe unterstützen. Es ist bekannt, daß die Sprache für diejenigen Thiere, welche seit undenklicher Zeit bei uns eingebürgert sind, welche wir wegen ihres Stutzens, ihrer Treue, oder ihrer Stärke gleichsam achten und schätzen, für die verschiedenen Geschlechter, Altersstufen und Eigenschaften dieser Thiere auch verschiedene Ausdrücke schuf. So wie sie für den Menschen selbstständige Namen bildete: Kind, Knabe, Jüngling, Mann, Greis; ferner: Mann, Frau, Bruder, Schwester u. s. w., so bildete sie auch für die Hausthiere selbstständige Bezeichnungen, z. B. Ochs (£tovg bös), Stier (zuv(Jvg laurus), Kuh ivacca), Kalb (fiün/og vitulus), desgleichen Widder, Schaf, Hammel, Lamm u. dergl. Besonders reich ist die moderne Sprache für die Bezeichnung der verschiedenen Hundearten. Ebenso besitzt die hebräische Sprache, gleichsam als Hochachtung vor dem König der Thiere, für den dort eingebürgerten *) muntre, qm* le cheval avait etc imouiHJ a 1 Kgypte pendaut toute la du ree des sied es recules de lAncieu empire et qu'il u'avait eie introduit dans la valJee du Nil que par l iuvasiou des Pasteurs.'* Zoologie iästorique. Nute sur te eheval aux tenips dunomel «uifiire cgyptitii (Xi*. 4, 24 Jam . 1S70). Löwen folgende Bezeichnungen: Als gefürchtetes Thier heißt er ns nn» Vnis, Löwin -üb und Nnb, junger Löwe *ve2, der an der Mutter noch saugende junge Löwe -ns. So schuf diese Sprache auch für den in ihrem Sprachgebiet heimischen Esel verschiedene Bezeichnungen. Sie benennt den jungen, muthwillig springenden Esel *vt, den hitzigen Eselhengst -nnn, die langsam kommende Eselin -,nrr, den wilden, schnellfüßigen Esel n-e und den ungebändigten Esel Tn?. Dieses Thier war demnach schon damals, als die semitische Sprache noch in voller Lebenskraft ihre Ausdrücke schuf, dort heimisch, während sie für das in jene Gegend als Fremdling eingeführte Pferd nur die eine Bezeichnung 2-, 2 bietet. Die deutsche Sprache hingegen, ein Urzweig des arischen Stanunes, besitzt für das Pferd*) die Namen Hengst, Stute, Wallach, Fohlen, Füllen, Roß, Zelter, Gaul, Mähre, während sich für den Esel nur ein einziger Name findet; er war demnach auf ihrer neue Formen bildenden Lebensstufe noch unbekannt. — Aus diese Weise können wir an der Hand der vergleichenden Sprachkunde den Weg in die vorhistorischen Gebiete der menschlichen Cultur finden, sowie die Paläontologie mittelst fossiler Ueberreste über die vorhistorischen untergegangener Naturgebilde uns belehrt.**) Korrespondenz. München, den 24. April 1871. Aus dem Felde. Veranlaßt durch daS meinem Vater, dem Journalisten Ein. Prager dahier, zugekommene, von Ihnen ver- *) Das deutsche Wort Pferd hat nach und nach aus folgenden kennen sich hcraudgebildet. Nückschreitend bis ins 9. Jahrhundert erscheinen die Formen pferit, plierit, pherfrit, perfril, parfril, parevrit.parafrit, parafrei. 9JiittclIatcm: paredrus. 3m_5. Jahrhundert: parafrodus, Spätrömisch paraveredus, d. h. Uylraposl-Pscrd, von x«n« neben, und veredus (schon bei AusoninS und Martialt welches Wort, wie r< da Wagen, rota Rad, alrgalliichen Ursprungs war. Bon der römischen Postanstalt in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung durch das ganze Reich verbreitet, ging der Äunstansdruck in die germanischen und romanischen Mundarten über. Daher daS spanische Wort palfren, das fränkische pnlafred. das französische palafroi, pnlfrenier. — (Ausland 18GO, Nr. 39, 42.) Corrcsp. **) Zu der im obigen Aufsatz enthaltenen Bemerkung, daß das Pferd um 2590 vor d. gew. Zeitr. in Aegypten eiugesührl worden, und zwar durch die HyksoS, müssen wir binzusügen, daß diese Zeitangabe, wie alle aus der ältesten Geschichte Aegyptens, noch immer sehr problematisch ist. Fest steht, wie EberS nachgcwicsen hat, daß zu AbrahamS Zeit das Pferd in Aegvpten noch nicht vorhanden war und es daher historisch genau ist, wenn unter den Geschenken Pharaos an Abraham > I Mol. 12,10.) das Pferd fehlt, während zu Josephs Zeit daS Pferd in Aegypten bereits beimiick war. Ist nun das Pferd durch die HyksoS m Aegypten cingefühn, so waren dies doch Semiten, und woher kannten und hatten diese es? Redaction.