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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-09 · Heft 19 (9.5.1871) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 19 (9.5.1871)
Date
1871-05-09
Page
Seite 379 (sequence 11)
Language
German
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379 Die Pskow'sche Chronik, sowie der polnische Geschichtsschreiber Strikowski*), berichten in dieser Beziehung, daß, als Iwan Wasiljewitsch II. in seinem Kriege gegen den polnischen König Sigismund II. im Jahre 1563 nach einer 14-tägigen Belagerung die alte russische Stadt Polozk erobert hatte, er besohlen habe, alle in derselben befindlichen Inden in dem nahen Dwinaflusse zu ertränken. Weshalb? Darüber mögen uns jene charakteristischen Worte belehren, welche Iwan H. dem Gesandten Sigismund August's zur Antwort gab, als dieser nach den stipnlirtcn Verträgen im Jahre 1549 für die lithauischen Juden freien Handel in Rußland begehrte: „Nein/' entgegnete Iwan, „diese Leute brachten uns körperliches und geistiges Gift; sie verkauften bei uns todtbringende Kräuter und fluchten Christo, dem Erlöser; ich will von ihnen nicht hören!"**) Jetzt, bemerkt nun H. Harkawi weiter, gefiel es der Vorsehung, daß ein Nachkomme dieser lithauischen Juden, die im Dwinaflusse ertränkt worden sind, im Drange heiligster künstlerischer Weise, mit höchster Formvollendung das Bild dessen darstellte, der sich solch grausamer Gesinnungs- und Handlungsweise gegen seine Ahnen schuldig gemacht! In der That, giebt es eine schönere Rache und zugleich einen schlagenderen Beweis dafür, daß „diese Leute" bei besserer Behandlung zu edleren Aufgaben sich berufen fühlen, als „körperliches und geistiges Gift zu bereiten"? — Wir fügen nach russischen Blättern noch hinzu, daß sich H. Antokolski fortwährend der reichsten Beweise von Aufmerksamkeit seitens der höchsten russischen Kreise zu erfreuen hat. So ernannte ihn, wie bereits ein früherer Artikel erwähnt, die Akademie der Künste in St. Petersburg, deren Präsident die Fürstin Maria Nikolajewna ist, — eigentlich gegen die Gesetze der Akademie, da diese eine siebenstufige Mitgliedschaft erfordern — zum Akademiker; die genannte Fürstin selbst bestellte bei ihm gegen eine namhafte Summe für sich selbst eine Copie feiner Statue „Ileberfall der Inquisitoren auf Inden am 1. Sederabend" und behäudigte ihm außerdem 1006 Rubel, nur ihm die Reise nach Rom zu ermöglichen; ein reicher Moskauer Kunstfreund bestintmte ihm aus eigenem Antriebe für ein zweites Exemplar der Statue „Iwan der Grau- *) S. Karanlsins Geschichte des russischen Reiches, B. 9 S. 46, Anm. 69. **) Ebendas. B. 8, S. 116. same" die Summe von 12,606 Rubeln. Auch seitens der ganzen kaiserlichen Familie, den Kaiser an der Spitze, erfreut sich A. ehrender Gunstbezeugungen, wiederholter Besuche in seinem Atelier und bedeutender Aufträge. Unterlassen wir nicht hinzuzufügen, daß H. A. nirgends und nie seine Religion verleugnet, auch weder an den Sonnabend und Festtagen irgend eine Arbeit verrichtet, noch rituell nicht gestattete Speisen genießt. Auch Pflegt er seinen Namen nur mit hebräischen Lettern x r,2 auf allen seinen Arbeiten zu verzeichnen, thcilö um keinen Zweifel über seine Abstammung aufkommen zu lassen, theils um allen Bekehrungsversuchen, an denen es nicht fehlt, gleich vorweg -zu begegnen. Herrn Palakow, dem bekannten Eisenbahnbauunternehmer, welcher vor Kurzen: die namhafte (Summe von 200,006 Rubeln zu Schulbauzweckcn gespendet, ist auf Bericht des Ministers für Volksaufklärung vom Kaiser der St. Wladimirorden verliehen worden. — Herr U. Rosenstein, Jnspector der israelitischen Regierungsschuleu zu Mohilew-Podolski, ist, auf Bericht des Ministers für Volksaufklärung, für seine ausgezeichneten Leistungen in seinem Amte vom Kaiser zum persönlichen Ehrenbürger ernannt worden. — Herrn B. Segal, israel. Religionslehrer an den Warschauer Gymnasien, ist für seine beiden in russischer Sprache abgefaßten Werke: „Geschichte der jüdischen Nation im biblischen Zeitalter" und „Uebersetzüng der kurzgefaßten biblischen Geschichte von Peter Beer nebst Anmerkungen des Uebersetzers", durch Vermittelung des Curators des Warschauer Lehrbezirks seiteus des Ministers für Volksaufklärung der lebhafteste Dank und reiche Anerkennung ausgesprochen worden. — Herr Dscher Leer aus Suwalki (Kngr. Polen), der auf dem Gebiete der Mechanik berühmte Autodidaet, erregt gegenwärtig in St. Petersburger in gelehrten Kreisen, namentlich in der dortigen technischen Gesellschaft, durch seine mechanischen Prodnctionen, die von seltenen geistigen Fähigkeiten und großem praktischen Erfindungsgeist zeugen, nicht geringes Aufsehen. — Auf Antrag der Moskauer Gesellschaft zur Verbreitung der technischen Anstalten im Kaiserreiche beabsichtigt das Finanzministerium, die Ressortbehörde, in Grodno eine polytechnische Schule für Israeliten (ausschließlich für Israeliten?) zu errichten. — Gegenwärtig ist im landwirthschaftlichen Ministerimn eine Commission gebildet worden, welche die Lage der jüdischen Colonisten in den Gou- 19 * Corresp.

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