Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1871)
- Date
- 1871-05-09
- Page
- Seite 378 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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378 werden will zwischen den Gemeinderäthcn, je nachdem sie dieser oder jener Confessio» angehören. Eine solche Zumuthung müsse er mit aller Entschiedenheit als ungebührlich zurückkvcisen, und der verehrte Herr, welcher diesen Unterschied zu machen für gut befand, hätte besser gcthan, es dem Tactgefühle der nichtkalholischen Gemeinderäthe zu überlassen, ob sic in einer speeifisch katholischen Frage mitsprechen oder mitsrimmen wollen. (Bravo!) Ich sitze als Gemeinderath von Wien hier und nicht als Jude. Ich vertrete die Interessen der Stadt Wien und nicht meine Speeialinteressen. (Bravo!) Ich bin seit zehn Jahren mit dem Vertrauen meiner Mitbürger ausgerüstet im Gemeinderäthe, und meine Eollegen werden mir das Zeugnis; nicht versagen, daß ich niemals Specialinteressen vertreten habe. tZustirnmung.1 Doch glaube ich im Interesse meiner Wähler zu handeln, wenn ich erkläre, ich muß mir das Rechr in allen Fragen mitzusprechen und mitzustimmen wahren l.Bravo!), wenn ich auch jetzt schon sage, daß mir mein Tactgesühl gebietet, heute in dieser Frage nicht mitzusprechen und nicht mitzustimmen. Dona u f ü x st e it t h ü m e r. Jassy, 10. April. lPrivatmitth.) Sie haben bereits einen Bericht über den officiellen Empfang des Herrn Peixotto, amerikanischen Generalconsuls, bei dein Fürsten Earl und die dabei gehaltenen Reden empfangen. Gestatten Sie mir, einige Bemerkungen hinzuznfügen. Aus der Rede des Fürsten geht hervor, daß derselbe nicht gewagt hat, Herrn Peixotto, außer einer vagen Andeutung, irgend ein bestimmtes Versprechen zu geben. Es gicbt hier zu Lande zwei Parteien, die Liberalen und die Bojaren. Den Liberalen gehört die Zukunft des Landes; aber es besteht unter ihnen eine Fraction, die uns tödtlich haßt. Die Israeliten müssen suchen, den Liberalen eine genügend starke Stütze zu bilden, damit jene die. judenfresserische Fraction ans ihrer Mitte ausstoßen und zermalmen könne. Das Nebel aber ist, daß die hiesigen Israeliten von keiner Partei sein wollen, was dann zur Folge hat, daß sie von allen Parteien verachtet und mißhandelt werden. Freilich ist es wahr, daß wir schon allzu oft von den Liberalen dieses Landes getäuscht worden sind. Aber man darf sich nicht entmuthigen lassen, und muß immer wieder bereit sein, seine Aufgabe zu lösen. So ist auch zu fürchten, daß Herr Peixotto die wirkliche Situation nicht begreift, und sich von den Rumänen ebenso täuschen lasse, wie es den Herren Crömieux, Montefiore u. s. w. ergangen. Ein jeder Fremde ist ungläubig, wenn man ihm Thatsachen berichtet, welche in andern Ländern ganz unerhört sind. Der Fürst wird, sagt man, in der nächsten Woche hierherkommen; denn die Wahlen werden Ende des Monats stattfinden, und da diese Veranlassung zu blutigen Reibungen geben können, wünscht der Fürst hier zu sein, wo er in größerer Sicherheit ist. Wenn die Bojarenpartei die Oberhand haben wird, steht eine Veränderung der Constitution zu erwarten, die uns günstig sein kann. Wenn die liberale Partei triumphirt, dann wird die Stellung des Fürsten unhaltbar sein, cs wird Unruhen geben, die vielleicht die Invasion der Türken, die Gewehr im Arm in Schmula stehen, herbeiführe». Dieser Zustand der Dinge, obgleich er "ns jedenfalls eine Invasion schaffen wird, kann unsrer Emancipation nicht weniger günstig sein. Wenn man uns einige Rechte unter den Bojaren bewilligt, so werden wir immer den Pöbel gegen uns haben, die „Judcnhetze wird in Permanenz sein;" aber wenn es die Liberalen fiitb, die uns einige Rechte octroyiren, wird der Pöbel, der für die Liberalen ist, mit uns sein oder neutral bleiben. Deshalb müssen wir uils zu der liberalen Partei halten. Rußland. Aus Rußland, im April. (Privatm.) Ueber das neueste Meisterwerk des Herrn Antokolski „Iwan der Grausame", welches in allen Künstler- sowie in den höheren und höchsten Gesellschaftskreisen St. Petersburgs ein so großes und gerechtes Aufsehen erregt, bringt H. A. Harkawi, Professor an der St. Petersburger Universität, im „Wicstnik" einen Artikel, aus dem wir beiläufig noch folgendes mittheilen: Ist die Thatsache, daß ein Israelit der Autor eines Kunstwerks ist, weiches nach dem übereinstimmenden Urtheil der competentesten Kritiker zu den hervorragendsten' Produkten der russischen Sculptur zählt, schon an und für sich geeignet, das öffentliche Interesse zu fesseln, so gewinnt sie noch eine um so höhere Bedeutung, wenn wir das Bcrhältniß „ÄwanS des Grausamen" zu den Juden in Betracht ziehen.