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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-09 · Heft 19 (9.5.1871) · p. Seite 376

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 19 (9.5.1871)
Date
1871-05-09
Page
Seite 376 (sequence 8)
Language
German
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376 burtstages Sr. Maj. des Kaisers veranstalteten Fcstdincr gehaltene Tischrede (siche Oft. 15 dieser Blätter) hat denselben noch nachträglich in einen Federkrieg mit einem jedenfalls zu den Muckern gehörenden Anouynms verwückelt. Gestützt auf ein den Inhalt jener Rede ungenau wiedergebendes Referat im hiesigen Tageblatte, welches den Redner sagen ließ, daß unter der glorreichen Regierung des Kaisers die Gleichheit der Religionen durchgcführt sei, und wenn auch noch einige dunkle Männer im Oberkirchenrathe säßen, diese auch bald verschwinden würden, richtete nämlich ein Anonymus in demselben Blatte an den Dr. Wiener die Fragen, was er unter Gleichheit der Religionen verstehe und wer die dunkeln Männer im Berliner Oberkirchenrathe wären? Die Gleichheit werde doch schwerlich so zu verstehen sein, daß jüdische Männer sich heransnehmen dürfen, Männer eines christlichen Kirchenregiments bei Festmahlen öffentlich zu schmähen. Dr. W. ließ hieraus dem anonymen Fragesteller eine Abfertigung zu Theil werden, in welcher er nicht allein die Verleumdung, als habe er Männer eines christlichen Kircheriregimcnts öffentlich geschmähet, auf das energischste znrückwics, sondern auch den Vorwitz des Herrn Anonymus wie das Verwerfliche und Unzeitgemäße in dem bekannten Erlasse des Oberkirchenraths schonungslos geißelte, wofür er von Seiten vieler freidenkender Christen reichen Beifall erntete. Münster, im April. (Privatmitth.) Auch aus unsrer Gemeinde ist ein Israelit, der Assistenzarzt Dr. Walbaum beim Hannov. Infanterieregiment Nr. 7-1, Sohn des Ncgierungssecrctärs Walbaum, mit dem eisernen Kreuze decorirt worden. Prenzlau, 12. Apr. Die hier erscheinende „Prenzlauer Zeitung und Kreisblatt" enthält in ihrer Nr. 30 vom 12. April einen aus christlicher Feder geflossenen, sehr wohlmeinenden Artikel, aus welchem wir einige Stellen hcrvorhebeu wollen.") Der Artikel ist überschrieben: „Litthauische Juden in Deutschland". Es heißt da: „Ein charakteristisches Kennzeichen der in den westlichen Gouvernements des russischen Reiches herrschenden tragischen Zustände ist das massenhafte *> Wir sind der leb. Redaction der „Prenzlauer Zeitung" für Uebersendung dieser Rümmer sehr verpflichtet. Redaction. Auftreten litthauischer Juden in Deutschland. Auch unsere Stadt wird seit einiger Zeit wiederum von Leuten dieser Nationalität, welchen das Elend von der Stirn zu lesen ist, in überaus häufiger Weise heimgesucht. Daß cs dabei auf die Inanspruchnahme der Wohlthätigkeit ihrer hiesigen Glaubensgenossen abgesehen ist, bedarf kaum erwähnt zu werden, da Tausende von diesen Juden sich nur durch Bettelei im Auslande vor dem Hungertode zu schützen wissen. Seit Niederwerfung der polnischen Jnsurrection in den Gouvernements 'Wilna, Kowno, Witebsk haben dort Verhältnisse platzgegriffen, daß Handel, Verkehr und Ackerbau fast gänzlich darniederliegen. Der Jude, der als Fuhr- oder Handelsmann, als Cvmmissionär oder Handwerker sein Brot im Schweiß des Angesichtes verdiente, ist buchstäblich an den Bettelstab gebracht worden. Aber selbst der Bettelstab, der zugleich sein Wanderstecken wurde, sollte dem Juden zum Verbrechen angercchnet werden. Im vergangenen Jahre erschien ein Ukas, welcher jeden durch einen legalen Paß der russischen Regierung zum Ueberschreiten der Reichsgrenze autorisirtcn lithauischeu Juden entnationalisirte. Man wollte die Hungerleider loswcrden, indem man ihnen die Rückkehr in ihr Vaterland untersagte. Nur dem Einschreiten des norddeutschen Bundeskanzlers hatten jene Parias die Zurücknahme dieser Maßregel zu danken. Wie wäre auch Norddeutschland berufen gewesen, so viel Elend in seine Gauen verpflanzen zu lassen? Kein Wunder also, daß mit den ersten Wandervögeln jene Gäste wiederum bei uns erscheinen. Um Gottes Barmherzigkeit willen spendet ihnen der Glaubensgenosse sein Scherflein, während wir, deutsche Christen, wohl kaum daran denkender Jammergestalt milden langen Ringellockcu und dem schwarzen Kaftan einen Bissen Brot zu reichen. Auch Deutschland ist noch imnier ungerecht gegen das Volk Israel, denn das Judenthum kämpft noch heut bei uns vergebens gegen gewisse Antipathien im Volke wie in der sogenannten „guten Gesellschaft" an. Wir brauchen nicht auf Rumänien, Rußland oder Oesterreich zu schauen, um die ganze Größe des Judenhasses kennen zu lernen, dessen das Ehristenthum in zweien seiner Hauptconfessionen, der griechisch-orthodoxen und der katholischen, fähig ist; wir können in aller Nähe, im protestantischen Norden, ähnliche Beobachtungen anstellen. Künstler, Gelehrte, Herrcnhausmitglieder, Journalisten und Geistliche

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