Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1871)
- Date
- 1871-05-09
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
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375 Herr Elias Ba sch und seine Gemahlin, beide noch ziemlich rüstig, das seltene Fest der goldenen Hochzeit begangen und bei dieser Gelegenheit von Leiten der Stadt sowohl als auch der Gemeinde sprechende Zeichen der Achtung und Anerkennung erhalten. Genanntes Ehepaar hat fick durch Wohlthun stets ausgezeichnet und hierdurch die Liebe der Mitbewohner des Ortes in nicht geringem Grade sich erworben. Der Jubilar ist schon Jahrzehnte lang Mitglied des Eorporationswie des Schillvorstandes und verwaltet namentlich schon seit fast 45 Jahren das Amt eines Enltusvorstehers mit treuester Hingebung. Ties anerkennend, verehrte ihm die Geineinde an den gedachten Tage einen mit passender Inschrift versehenen silbernen Pocal, welcher durch eine Deputation des Borstandes und der Repräsentanten überreicht und wobei von einem Borstandsmitgliede, Herrn 0r. E. Wreschner, die widmende Ansprache gehalten wurde. Bon Seiten der Stadt war cs eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten, welche die Glückwünsche überbrachte, und Herr Bürgermeister Jnkeman n, welcher dieselben durch passende Worte ausdrückte. Namens der Jubilare, die selbstverständlich tiefgerührt waren, wurde von deren Eidam, Herrn Lehrer Wehl aus Frankfurt a. O., beiden Rednern resp. beiden Deputationen mit Worten des Dankes erwidert. Am Tage daraus ward von Seiten des jüd. Wohlthätigkeitsvercins (Chcwrah Kadischa) dem Jubelpaare zu Ehren ein Festmahl veranstaltet. Verschiedene jüdische Lehrerstellen in hiesiger Provinz twie die zu Brutschen, Rackwitz, Schmirgel :c.) haben das mißliche Geschick, leider immer noch unbesetzt zu sein. Welchen Schaden die armen unschuldigen Kinder dadurch erleiden, kann man sich denken. Aber wie ist dem Nebel abzuhelfen? Da sagt man vor Allem, die betreffenden Gemeinden müßten die Stellen aufbessern. Das ist aber größtentheils schon geschehen, und zwar in dem Maaße, daß die Gemeindcsäckel und die meisten Eontribnentcn dadurch schon überbürd et sind. Da und dort giebt auch die Commune oder die Regierung einen Zuschuß zur Dotation der jüdischen Lehrerstclle — und cs Hilst doch Nichts, es meldet sich dennoch kein Lehrer. Und warum? Weil cs eben an jungen und neuen Lehrkräften fehlt. Und wie ist diesem Mangel abzuhelfen? — Vielleicht (das ist unsere unmaßgebliche Meinung» wenn in hiesiger Provinz selber, — welche, da sie an Juden und Jndengemeinden die reichste ist, auch die meisten jüdischen Lehrer nethig hat, — ein eigenes jüdischds Lehrerseminar errichtet würde.! Hannover, 2(). April. iPrivatmitth.) In Folge des mit dem 1. Juli d. I. in Kraft tretenden, die Ausführung des Bnndesgesetzes über den Unterstützungs- Wohnsitz betreffenden Gesetzes werden für die Provinz Hannover unter Anderem die auf das Armenwesen Bezug habenden Bestimmungen der 28 fs des Gesetzes über die Verhältnisse der Inden vom :><>. September 1812 aufgehoben und hören namentlich die Armenverbände, welche bisher auf Grund dieses Gesetzes unter den Synagogengemeinden in unserer Provinz bestanden haben, mit dem gedachten Termine auf. In den Mittelfeierlagen fand hier die in dem neuen Gemeindesiatute festgesetzte jährliche Plenarversammlung sämmtlichcr Mitglieder der hiesigen Synagogengemeinde statt, welche Herr D. Heinemann als Vorsitzender mit dem Hinweis crössnete, daß das abgelaufene Jahr, ein so verhängnißvolles für Biele, für unsere Gemeinde von hoher Bedeutung gewesen sei, da es nach langem Streben endlich gelungen wäre, die neue Synagoge dem Gebrauche zu übergeben und könnte die Gemeinde stolz darauf sein, nunmehr ein Gotteshaus zu besitzen, das nicht allein eine Zierde der Stadt sei, sondern auch über deren Grenzen hinaus Bewunderung erregt habe. Vorstand wie Repräsentanten hatten sich daher bewogen gefunden, dem genialen Baumeister, Herrn Baurath Oppler, in Anerkennung seiner ausgezeichneten Leistung für sich und seine Gattin einen Ehrenplatz in diesem Gotteshanse auf Lebenszeit zur Verfügung zu stellen. Die Kosten dieses Baues beliefen sich auf l 2 l.noo Thlr., wovon etwa 12,000 Thlr. durch freiwillige Gaben gedeckt seien; es rnheten daher circa 8-2,ooo Thaler Schulden darauf, die nian durch b pEt. au porteur Obligationen zu decken gedenke, sobald die erforderliche höhere Genchinignng dazu ertheilt sein würde. Die laufenden Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1870 haben sich sehr günstig gestaltet und einen Ueberschuß von 2000 Thlrn. ergeben, welcher bereits zur Deckung von Schulden überwiesen werden konnte. Nachdem hierauf die vorschriftsmäßigen Wahlen von Mitgliedern des Vorstandes und des Repräsentantencolleginmä stattgefunden hatten, wurde die Versammlung geschlossen. Die von Dr. Wiener bei dem zur Feier des Ge-