Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1871)
- Date
- 1871-05-09
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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873 nünftigen Gründe der göttlichen Gebote am meisten geeignet ist das warme Herz der Kinder zu gewinnen und für ein von Liebe und Verehrung begeistertes Studium der Gesetze geneigt zu machen. Herr Dr. Rosin hat sich in seiner gelehrten Monographie, welche ein Sonderabdruck des Jahresberichtes des Breslauer jüd.- theologischen Seminars Pro 1S71 ist, die Aufgabe gestellt: 1. den allgemeinen Charakter des Sefer Hachinuch. 2. Die Gesichtspuncte in der Bearbeitung seines Stoffes. 3. Den Werth des Buches. 4. Die Quellen. 5. Zeit und Ort der Abfassung. 6. Verfasser und 7. Veröffentlichung und Ausgaben des Buches — klar und umsichtig zu beleuchten. Nebstdem hat Herr R. in einem Anhänge das -ie'd des Maimonides und seine Doppelgestalt durch die verschiedenen Nebersetzer behandelt und dabei noch verschiedene einschlägige talmudische Themata berührt. Ueberall bekundet Herr R. eine ansgebreitete talmudische Belesenheit und genaue Kenntniß der betreffenden Literatur. Wir erlauben uns blos Herrn R. auf die Abhandlung des Herrn David Caffel, Kobak's Jeschurun, Lemberg 1837, drittes Heft, S. 59 aufmerksam zu machen, wo über die verschiedenen Uebers. des maimunischen Sefer Hamizwoth und dessen Benützung vom Verfasser des Chinuch ausführlich gehandelt wird. Ebenso ist Herrn R. bei der Untersuchung über den Verf. entgangen, daß R. David Iben Simra, r'hV'n, in seinem in Zolkiew 1803 edirten Mezudath David, über die 013 Gebote des Pentateuchs, zweimal den Berf. des Chinuch unter dem Namen R. .Aron an führt und zwar Nr. 235 und 200: ‘■prnr, bra mfrtrsti 'n pi na in -p'-.Kn (so muß die Stelle statt -na #-i corrigirt werden, die ohnehin sehr corrupt ist) — und daß also R. Aron Halevi ans Barzelona, ein Zeitgenosse des R. Aron b. Josef Halevi, n"rr-i"n, der Verfasser des Chinuch ist. Möge die treffliche Monographie namentlich bei den Neligionölehrern vielfache Verbreitung finden, da sie das Verständniß des für die reifere Jugend berechneten Werkes des R. Aron Halevi erst recht anbahnt und überhaupt die Kenntniß der rabbinischen Literatur über die Zahl der Gebote, mSEn yziz, ungemein befördert. Druck und Ausstattung sehr schön. Rabb. D. Oppenheim. Zcitungsnachrichttn. Deutschland. Berlin, 20. April. iPrivatmitth.) Da Sie an den Vorgängen in der hiesigen Gemeinde den lebhaftesten Antheil nehmen, so werden Sie auch beifolgende Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte aufnehmen, die einen Beitrag zur Aufklärung über das Wesen der hiesigen Orthodoxie zu liefern znm Zwecke haben. Cs handelt sich nämlich um das Interesse so vieler irregeleiteter Personen, die den in verschiedenen Blättern orthodoxer Färbung mit so vielem Pomp ausposauntell Nachrichten von der Großartigkeit der in Berlin blühenden Orthodoxie Glauben schenken, besonders, wenn nirgends, auch llicht in der Allg. Ztg. d. Judths. eine Widerlegung ■ dieser Prahlereien gefunden wird. Dies allein würde uns allerdings auch nicht so sehr kümmern, aber die jungen Leute, auf die der der hier unter Hildesheimer kümmerlich bestehenden Ieschiba nunmehr beigelegte klangvollere Name „Seminar" berechnet ist, wolleit wir warnen, sich von jenem hohlen Geläute nicht verleiten zu lasser: und nicht in die ihnen gestellte Schlinge zu fallen, indem sie sich kein etwa dem in BreSlau ähnliches Institut darunter zu denken haben. Cs ist kein einziger Lehrer an diesem \ogenannten Seminar, der ein wissenschaftlich gebildeter Mann in des Wortes wahrer Bedeutung genannt werden kann, geschweige denn ein Gelehrter, eine Autorität. Cs sind da außer dem Herrn Dr. Berliner, der bei seiner Ehrenhaftigkeit sich diesen Namen nicht vindiciren wird, junge Leute angestellt, die noch der Ieschiba angehören und nach ihrer Promotion zu Lehrern am „Seminar" angestellt wurden. Ein solch rasches Avancement hat selbst die deutsche Armee während des Krieges nicht aufzuweisen. Eine eingehendere Besprechung dieser Ieschiba vulgo Seminar behalten wir uns für später vor, falls uns der Raum hierfür hier gestattet sein wird. Gleichzeitig wollen wir auch allen Denen, die Berlin nicht kennen, bemerken, daß die Orthodoxie, die wirkliche wahre Orthodoxie, sich hier auf ein sehr kleines Maß redneirt, von deren Existenz man hier auch fast gar nichts weiß, es kümmert sich überhaupt kein Mensch um sie. Wenn mm von ihrer Seite nach