Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1871)
- Date
- 1871-05-09
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226818--29456-3252295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
372 Betätigung so viel, daß sie sich mit ihren Dogmen nicht viel, und nur intern, zu beschäftigen brauchen. Es berührt sie daher wenig, ob dieses oder jenes Dogma von Außen her angegriffen und discutirt wird; sie fühlen sich in ihrer anderweitigen Existenz darum doch sicher. Anders ist es mit der protestantischen Kirche; hier sind die Dogmen Alles, und außer diesen nur ganz Allgemeines, Menschliches. Werden diese Dogmen beseitigt, so bleibt ihr für ein besonderes Dasein nichts übrig. Gerade diesen Dogmen aber gegenüber sind die Juden die verkörperte Verneinung. Die Juden brauchen nicht zu sprechen, nicht zu streiten, ihr Dasein selbst negirt jene Dogmen. Dies fühlen und wissen jene Herren Ärchidiaconi u. s. w. sehr wohl, und dies macht ihnen die Berührung mit Juden, sobald diese kein Feld der Proselytenmacherei darbieten, sehr widerwärtig. Und so kommen sie zu Ausschreitungen, wie sie uns der vorliegende Fall vorgeführt hat. Oie Soldaten jüdischer Religion Ln den deutschen Heeren. Fernere Listen erhielten wir aus den Gemeinden*): Lippstlldt, Königsberg NM., Schöustieß, die portugiesisch-jüdische Gemeinde zu Hamburg, Eöln. *) In Nr. 14 S. 273 Sp. 1 Z. 4 v. o. muß es anstatt Stepingen „Rexingen" heißen. Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerck, im März. Ein Compendium der jüdischen Gesetzeskunde aus dem 14. Jahrhundert, besprochen von vr. David Nosin. Breslau, Schletter'sche Buchhandlung 1871. 137 S. „Den mancherlei Gründen, beginnt Herr vr. Nosin seine Einleitung, welche für die wunderbare Erhaltung der jüdischen Gesammtheit unter Versuchungen zum Abfall und beispiellosen Bedrängnissen sich ansühren lasten, darf wohl auch die erfolgreiche Bemühung vieler Männer beigezählt werden, die von den Vätern ererbte Lehre in dem ganzen Umkreise ihrer Anhänger möglichst bekannt und verständlich zu erhalten." „Ganze Gebiete des jüdischen SchriftthumS sind aus diesem Bestreben hervorgegangen; so die umfangreiche Uebersetzungsliteratur u. s. w.; so die große Menge von Erbauun gsschriften, von denen die reiche Literatur der gottesdienstlichen Vorträge nur ein Thcil ist." Vorzüglich wurde wie allbekannt der Jugenderziehung die sorgfältigste Aufmerksamkeit gewidmet. Die Thora ermahnt wiederholentlich die Väter in Israel, ihren Kindern die Lehre der Wahrheit cinzuprägen und die Thaten Gottes wie die Summe ihrer Verpflichtungen bei jeder Gelegenheit vorzuhallen. „An Fülle und Mannigfaltigkeit der Jugcndschriften, heißt es an einer andern Stelle, mag die jüdische Literatur der darin so fruchtbaren deutschen in der Gegenwart nachstehcn: an liebevoller Hingebung, an herzgewinnender Wärme, an heiligem Ernst steht sie hinter derselben nicht zurück." „Wenn aber ein der Jugend gewidmetes Buch darin sich vortheilhast auszeichnet, so ist es das Sefer Hachinuch, das Buch der Vorbereitung und Andeutung, welches wir hier einer nähern Untersuchung unterziehen wollen." — Wir haben also hier vor uns liegen eine eingehende, gründliche, mit seltenem Fleiße gearbeitete Monographie, was man aus dem etwas räthselhaften Titel unserer Schrift: Ein Compendium u.. f. w. nicht zu errathen vermag, über das bekannte und geschätzte ivv, das die 613 Gebote der Thora, rrs*: ip'Vr, anlehnend an die Wochenabschnitte, behandelt. Der halb anonyme Verfasser des erwähnten Werkes berechnete sein Buch für die Jugend, denn, wie er in der Vorrede sagt, „vielleicht werden die Knaben dadurch an Sabbathen und Festen an Gottes Wort lebhafter erinnert und statt auf den Straßen wild umherzuloben, von des wahren Lebens Licht erhoben; daß die zarten Kinder einander fragen, ob die Gebote der Woche sie können sagen und reiche Erkenntniß davontragen." So werden ihnen durch dieses Buch die heiligen Gesetze geläusig werden, ihre Gedanken einen edlen Inhalt gewinnen und das tändelnde Spiel mit den Zahlen weichen müssen der Kenntniß der ernsten und gewichtigen Zahl, welche die Summe ihrer Pflichten ihnen anzeigt." Aus pädagogischen Rücksichten war der Verfasser bestrebt nächst der Nachweisung und Erläuterung der pentatenchischen Gesetze, welcher der erste Theil der jedesmaligen Behandlung gewidmet ist, zugleichdie Angabe der vernünftigen Gründe für die einzelnen Vorschriften, min ■»»?;: oder ms« r-zyz:, hervorzuheben, wovon er einen besonders wohlthuenden Einfluß aus die Jugend sich verspricht, weil die Angabe der ver-