Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-02 · Heft 18 (2.5.1871) · p. Seite 366

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 18 (2.5.1871)
Date
1871-05-02
Page
Seite 366 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226817--29449-3252287
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

366 Ihnen schloffen sich in neuerer Zeit zwei freisinnige ungarische Theologen an: Moritz Kunitzer (1796) und Aron Chorin (1803). Die dritte Gruppe, deren bedeutendster Vertreter Don Isaak Aoravanel' ist, läßt die Aufstellung der Grundlehren gar nicht zu, weil Alles, was die Thora enthält, die Wichtigkeit und Bedeutung einer Grundlehre hat, und fundamentalen Charakter besitzt. Aus den Werken der genannten Schriftsteller kann mau sich die Liste objekiver, von allen orthodoxen Inden anerkannter Dogmen leicht zusannnenstellen. Ja, in dem letzten Abschnitte des oft gedruckten Werkes ,.Prüfung der Welt" von Jedaja Penini findet er nicht weniger als füufunddreißig dogmatische Lehrsätze aneinander gereiht, deren Maimonidischer Ursprung von Moses Kunitzer nachgewiesen wird.", Albo hat die Maimonibischen Glaubensartikel nicht bestritten, sondern unbedingt anerkannt, und nur ihre lieber- und Unterordnung nachgewiesen. Er war daher weit entfernt, seine, das Dasein Gottes, die Offenbarung und die Vergeltung betreffenden Hauplprincipien als den gesammten Inhalt der jüdischen Dogmaltk hinzustellen; wesentliche Bestandtheile derselben sind ihm vielmehr auch folgende Sätze: 1. Die Welt ist aus dem Nichts erschaffen worden; 2. Die Stufe der Prophetie Mose's wurde von keinem andern Propheten erreicht; 3. Die Gesetze der Thora behalten immerdar ihre bindende Kraft; 4. Die gehörige Beobachtung auch nur Eines Gebotes der Thora kann zur Bollkommenheit führen; ö. Die Todten werden zu einem neuen Leben erwachen; 6. Der Messias wird erscheinen. „Wer diese Lehren leugnet, wtrd Ketzer genannt, wenn er auch die Göttlichkeit der Thora nicht leugnet, und er hat keinen Antheil an der künftigen Wel1."^) ') Eschkol ba-Koscr Alphab. 29. 33. Jost, Gcsch. d. Judcnthums 2, 331— 33*. Aaron b. Sita, der Nikomcdicr, schickte seinem, 1346 vollendeten Werte E; Chajjim 'Lebensbaum» einen poetischen Prolog voran, welchen Delitzsch für „eine kurze Angabe der imEzEhajjim bchandeltcnreligionSwisscnschastlichen Ion" hielt. Zu diesem Zwecke wäre aber derselbe viel zu eng gehalten. Es sind vielmehr die zehn Glaubensartikel der ÄaväcT, welche Aaron auf nachstehende Punkte bezieht, auf l. das Dasein, 2. die Einheit, 3. die llnkörpcrtichkeit, 4. die Allmacht. 3. die Allwissenheit, 0. fca» Leben, 7. die absolute Existenz und 8. die Güte Gottes, 9. die Offenbarung durch Mose und die Propheten, 10. die Vergeltung. Diese Artikel ergeben sich auö einer sorgfältigen Analyse des Gedilltchens und einer Bergleickung dciiclbcn mit den zehn Princtpicn des Kelam, welche von Jehuda Ha-Levi angeführt werden lÄusari 5, 17>. Aron'S Gedichlcheu lautet: Es ist ein Gott, der einzig ist und einig, das sühlst du tief, o fromme Dcnkerschaar! Daß körperlos, der über Welten thronet, ist deinem Geiste unbczweisckt wahr. Und reflcctircnd, nicht nach Hörensagen, erkennst du Leine Eigenschasrcn klar: Er ist allmächtig, weise, lebend, ewig, wer nahm' an ihm je einen Wechsel war? In Weisheit reichet er den Welten allen den Grund, die Wurzel ihres Daseins dar. (Korrespondenz. Chaumont, 17. April. Peßach im Felde, ein Feldpostbrief.*) Geliebter Freund! „Wie oder wo, frugst Du in Deinem letzten Schreiben, wirft du das Peßachfeft feiern?" Ich habe es gefeiert, und zwar in einer Weise, wie ich es nicht geglaubt habe und auch gar nicht erwarten konnte. Schon in den Herbstfeiertagen, als wir vor Metz lagen, klagte ich Dir, daß sich der Mangel an geistlicher Pflege bei den jüdischen Soldaten, die im Felde stehen, O seiner Liebe väterliches Walten erfahrt das Herz, geängstigt von Gcfabr. Und Leine Thora, Seine Offenbarung, enthüllt der Wahrheit Tiefen ganz und gar. Er gab sie gnädiglich dem Samen Jakobs, der unbewegt dran hält seit Tag und Jahr. Er stellte fest, daß treu man ihm gehorche, den Lohn, die Strafe, jenes himmlisch' Paar. O Schristgelehrte, leset hier und prüfet das schöne Werk, das Euch mein Geist gebar: Es faßt in sich die Lehren unscrs Glaubens, deß hehre Kenntniß mehr denn Perlen rar; Erfrcu't im Eden Euch an Gottes Glanze, wie sich am Sonnenglan; erfreut der Aar! Den Lebenöbaum, den Geist belebend, nannt' ich's im Namen des, der Hüter ist und war. *) Rapaport. Chananel 47. 48. * * 3) Mischnakomm. Sanh. 10. 1. Ende. 4) S. Schlesinger, hist. Einl. zu dem Buche Jkkarim XXX VIII. Aum. 1. — EhajeS, Tis. le-Mosche 11, c. ff. 5 *) Die Reihe der poetischen Bearbeitungen eröffnet das 2zeilige Gedicht Jmmanuet's tMachb. oll. Berlin S. 43—45). Dukes, Schlesinger, Steinschneider und Andere übersehen, daß dieses Poem in der demselben vorangeschickten Einleitung ausdrücklich als erster Versuch einer Versisicirnng der Maimonidischen Glaubensartikel angckiindigt wird. Ferner blieb unbemerkt, daß Immanuel, wiewohl er die dreizehn Artikel treu wiedergiebt, es dennoch unterläßt, sich an die Maimonidische Anordnung zu halten. Dieser folgt der Vers, des Jigdal, welchem Jmmanuel's Arbeit bereits vorlag. Da letzterer seine Dichtungen 1321 sammelte, so kann das Jigdal in keinem Falle einer frühem Zeit hören. In einem Bcnctianischcn handschriftlichen Pentateuch dem Jahre I39S findet sich die Notiz, daß das Jigdal von einem Daniel b. Jehuda bcrrühre >S. Mortara. 6omp*Midio ddla rdigione israditica. .Mantova 1855. S. 229. Anm. 1>. Daß cs nicht Maimonidcs zum Vers, hat, hätte man aus der Fassung des zehnten Artikels ersehen können. — Die dritte Bearbeitung der Maim. GA. rührt ebenfalls von einem Anonymus her; sie findet sich am Lchlnffe dev Scfer Keritbut von Samson Ehinon, welches zuerst 1515 in Konstantinopel erschien, mtd ist auch in der •*<!. Ärcmona 1558 abgcdruckt. Die vierte Bearbeitung ist die David Vilalö: Michtham le-David, 1540, S. 93. Nach dem Vorgänge Jinntanuek's setzt auch Vital den zehnten Artikel an die sechste Stelle. Ein unvergleichliches Curiomnt ist die 1800 bei Traub in Szcgedin erschienene hebräische Fassung der dreizehn Glaubensartikel. 8 *) Minchatb Kenaoth. Preßburg 1838, S. 7. I I. 16. 7) Jkkarim 1, 23. Schlesinger hat die Schlußworte dieses Eapitels mißverstanden. *) Folgender Feldpostbrief ist uns zur Veröffentlichung mitgelheilt worden. Redact.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.