Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1871)
- Date
- 1871-05-02
- Page
- Seite 358 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Glaubensgenossen im fernen Amerika ein williges Ohr gefunden, ist für uns Trost und Labsal; welchen Dank aber verdienen jene erst, die es nicht nur beim bloßen Mitgefühl bewenden ließen, sondern ihren edlen Willen, den Leidenden rettend beizustehen, durch eine opfervolle Entschlossenheit zur That gemacht haben. Sie haben eine Opfcrfähigkeil offenbart, die eben nur das jüdische Herz zu begreifen vermag, und von welcher edlen Empfindung gegen seines Nächsten Weh muß dieser hochherzige Mann, der auscrwählte Heilbote, Herr Peixotto, beseelt sein, der auf Kosten seines eignen Wohlseins sich entschließen konnte, das schönste Land der Welt, das von der Frciheitssonne hellbeleuchtcte, zu verlassen, um in dieses vom Schatten des fanatischen Egoismus umnachtete als reuenoer Engel seiner leidenden Brüder zu kommen. — O! wie mußte cs ihn beglücken, daß es ihm schon in der kurzen Zeit seines Hierweilens gelang, das Teufelsproject, welches die ärgsten Judenfresser Rumäniens gegen uns geschmiedet, zu Schande zu machen. Denn auf Veranlassung des Herrn Peixotto im Einvernehmen mit seinen College» ist es gelungen das Einbringen jenes Projektes — das bestimmt war die gegen uns verübten Greuelthaten, die bisher als ungesetzliche Ausschreitung der Beamten bezeichnet wurden, zur Amtstreue zu stempeln — zu verhindern und es nicht zur Diskussion kommen zu lassen. Was die Persönlichkeit des Herrn Peixotto betrifft, gereicht es mir zum Vergnügen, Ihnen berichten zu können, daß er ein treuer Anhänger seiner Religion ist und mit Wärme an den Bestrebungen der Fortschrittspartei im Judenthume theilnimmt. Schließlich will ich Ihnen noch über den feierlichen Empfang, der Herrn Peixotto bei Überreichung seines Accreditivs zu theil wurde, berichten. Selbiger fand Donnerstag am 6. d. M. statt. Er wurde vom Hotel Ottololesenu im fürstlichen Wagen vom Adjutant Skina abgeholt, und unter Eskorte einer Uhlancn- Schwadron nach dem fürstlichen Palais geleitet. Dort wurde er im Beisein des Ministers des Acußern, Eotafor, in feierlicher Audienz vom Fürsten empfangen, dem er sein Accrcditivschrciben als Generalkonsul und diplomatischer Agent der Vereinigten Staaten Amerikas in Rumänien übergab. In seiner an den Fürsten gerichteten Ansprache berührte Herr Peixotto leise den Hauptzweck seiner Mission, er sagte nämlich: „Das Hauptziel der Vereinigten Staaten seit der Gründung ihrer Regierung war die freundschaftlichen Beziehungen zu allen Nationen zu pflegen. Sie, die unter ihren eignen Bürgern keinen Unterschied der Religion und Nationalität kennt, glaubt an den endlichen Sieg der Eivilisation der ganzen Welt, welche ihre liberalen Gesinnungen zum Universalgut machen wird. Es scheint, als hätte die Schöpferhand dieses schöne Land mit besonderem Wohlwollen ausgezeichnet, und sollten nur die Principien der unveräußerlichen Menschenrechte und der Gleichheit, von welcher Eure Hoheit so beseelt sind, für alle Einwohner dieses Landes in praktischer Weise realisirt werden, dann würden seine besten Hoffnungen in Erfüllung gehen. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn es mir gelingen sollte, zum Wohlergehen beider Länder beitragen zu können, zugleich aber den Interessen der Menschheit und der eiv.il isirten Welt gedient zu haben." Der Fürst antwortete ebenfalls mit einer sehr leisen Berührung dieser Frage, indem er betonte, daß er von jeher Amerika seine Bewunderung und Verehrung gezollt habe, und die innerste Ueberzeugung hege, daß Amerika seine mächtige und blühende Stellung, zu der es sich entwickelt hat, nur dem Geist der Humanität und Liberalität, der es beseelt, zu verdanken hat. „Seine Regierung, versicherte er Herrn Peixotto ferner, — werde nicht ermangeln mit allen im Bereiche ihrer Macht stehenden Mitteln ihm die Erfüllung seiner Mission leicht und angenehm zu machen." Ansprache und Antwort wurden in englischer Sprache gehalten, weil Herrn Peixotto leider keine andere hier übliche Sprache geläufig ist. Rußland. Odessa, Dienstag I I. April. iPrivatmittheilung.) Meine heutige Eorrcspondcu; muß ich leider mit einer traurigen Mmhcilung beginnen. Unsere sonst so friedliche Hafenstadt war gestern der Schallplatz gräßlicher, unerhörter Gräuelthaten! Tie Griechen, die vor vielen Jahren eine Judeitverfolgung veranstalteten, provocirten gestern wieder ähnliche Sccnen, die leider aber ungeheuere Dimensionen annahmen. Gestern war der zweite Tag des christlichen Osterfestes, und das räuberische Gesindel benutzte diese Gelegenheit die Geschichte