Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1871)
- Date
- 1871-05-02
- Page
- Seite 357 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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357 Mission, in welcher nebst den Mitgliedern jenes Comites auch Vertreter der israelitischen Cultusgemeinden von Wien, Prag. Brünn, Lemberg und Krakau und coentuell auch noch andere Fachmänner zu fungiren hätten, zur Prüfung vorliegen werde. Hoffentlich werden nun die Gemeinden in den Krönländern beruhigt sein. Der Minister für Eultus und Unterricht brachte jüngst in der Budgetcommission des Reichsrathes den Antrag ein, die Gehalte der Professoren an der theologischen Faeultät zu vergrößern u. zwar sind für Wien 2000 fl., für Prag 1800 fl. re. praliminirt (die jetzigen Gehalte sind angegeben in G. Wolfs Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität'. Dieser Antrag wird auch den Professoren an der jüdisch-theologischen in spe zu Gute kommen. D o ii a u fü r st e n t h ü in e r. Bukarest, 1-1. April. <Privatmitth.) Niemanden wird es in Verwunderung setzen, wenn er bei unseren hiesigen Glaubensgenossen eine lebhafte Sympathie für die französische Nation und ein tiefes Mitgefühl für das unermeßliche Unglück gewahrt, welchem sie anheim - gefallen. Denn abgesehen davon, daß Frankreich in der völligen Gleichstellung der Juden allen anderen europäischen Staaten vorangegangen und sie unverkürzt aufrecht erhalten hat, verwendete es seinen politischen Einfluß in nachdrücklicher Weise für die Bedrückten, und wir so schwer heimgesuchten rumänischen Israeliten haben dies in den letzten Jahren vielfach auf's Wohlthätigste zu empfinden gehabt. Daß hiermit durchaus nicht im Widerspruch steht, daß wir uns auch der Neugestaltung in Deutschland, des neuen deutschen Reiches erfreuen. ist klar. Rumänien hat nichts von Deutschland zu fürchten; wohl aber könnte ein so mächtiges Reich auch sein Ansehen benutzen, um unser so tief durchwühltcs Vaterland in Ruhe und Ordnung zu bringen, ohne seiner Selbstständigkeit zu nahe zu treten. Der Wunsch, Frankreich möge sich von seinem schweren Falle wieder erheben und Deutschland das einige, mächtige Reich bleiben, und durch beide endlich der Friede Europas gesichert sein, ist ein so logischer und natürlicher für die kleineren europäischen Staaten, daß nur der Borurtheilsvolle etwas Unerträgliches darin finden kann. Unser Verlangen hier geht daher nur dahin, daß die angesehenen und einflußreichen Israeliten Deutschlands die Staatslenkcr des neuen Reiches dafür gewinnen mögen, so fern cs Roth thut, ihre schützende Hand auch über uns zu halten, und der Barbarei und Gewaltthätigkeit nicht zu gestatten, uns zu erdrücken und auszurotten! Die Doctrin der solidarischen Verantwortlichkeit Israels, welche so oft gegen uns angewendet wurde, soll auch für uns benutzt werden. Ich habe daher beim Empfang Ihres Aufrufes wegen des von Ihnen zu veröffentlichenden „Gedenkbnches an den Krieg für deutsche Israeliten", in welchem der Ruhm, den sich unsere deutschen Glaubensgenossen um ihr Vaterland erworben haben, numerisch bestätigt werden soll — auch hier eine Anzahl meiner Freunde subscribircn lassen, womit sie zugleich einen Beweis ihrer tiefsten Hochachtung für Sie, den bewährten Kämpfer für Israels Recht und Ehre, liefern und zeigen wollen, daß jeder Aufruf, den Sie an Israel richten, auch noch im fernen Osten ein Echo findet. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, Ihnen bezüglich Ihrer Bemerkung zu der der Kölnischen Zeitung entlehnten Notiz über den Herrn B. F. Peixotto, Generalconsul der vereinigten Staaten Amerikas, zu versichern, daß jener von der Köln. Zeit, citirte Passus nicht der Wortlaut des officiellen Accreditivs des Präsident Grant, und überhaupt die ganze Mittheilung der Köln. Zeit, verfrüht und nicht exact ist, denn die Ueberreichung des AccreditivschreibenS hat erst später, wie ich Ihnen weiter berichte, stattgefunden, und mit der von der Köln. Ztg. gebrachten Notiz hat es nur insofern seine Nichtigkeit, als Herr Peixotto sofort bei seinem Anlangen sich dem Fürsten nicht ofsiciell vorstcllte, sondern ihm ein ofsiciöses Schreiben des Präsidenten Grant überreichte, in welchem die Schutznahme der Juden als Hauptmission des Herrn Peixotto betont wird: Was Ihre weitere Bemerkung betrifft, haben Sie sehr richtig behauptet, daß ein energisches Auftreten undiplomatisch wäre. Wenn aber Herr P. cs nur veranlassen wird, daß seine Eollcgen, die Vertreter der europäischen Großmächte — nachdem die Pöbelwuth und der Fremdenhaß solche Dimensionen angenommen, daß sic bereits über »nscre Häupter hinausgegriff'cn — es nicht mehr lediglich beim diplomatischen Vorgehen bewenden lassen! Schon daß unsere Seufzer und Klagen bei unfern 18 .