Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1871)
- Date
- 1871-04-25
- Page
- Seite 347 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226816--29429-3252266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
347 Es galt nun vor Allem eine Statistik der Blinden in Oesterreich ein Zusehen. Eine solche aber besteht bis zum heutigen Tage nicht, während selbst Rußland sie besitzt. Wir mußten daher selbst bemüht sein, uns einen numerischen Nachweis der jüdischen Blinden in Oesterreich zu beschaffen. Wir schrieben an alle Gemeinden, nahezu an 1000. Wir mußten wiederholt und wieder schreiben und erhielten trotzdem nur von 215 einen Ausweis. In diesen befinden sich 400 Blinde. Der Director des k. k. Blinden-Erziehungs-Jnstitutes, Herr Ritter M. Pablasek, äußert sich in seinem trefflichen Werke: „Die Fürsorge für die Blinden von der Wiege bis zum Sarge", wie folgt: „Um für Oesterreich eine analoge Schätzung der gegenwärtig lebenden Blinden aufzustellen, müsien ihr die jüngsten Zählungen aus Staaten zu Grunde gelegt werden, die Oesterreich in den das Augenlicht beeinfluffenden Verhältnissen annähernd gleichen. Die amtlichen Zählungen, die in mehreren Staaten Mitteleuropas stattgefundeu haben, ergeben als mittleres Verhältniß der Blinden zu den Sehenden 1 : 1350 und nach diesem Verhältniß kämen auf die 35,553,000 Einwohner des österreichischen Kaiserstaates in runder Zahl 25,400 Blinde; unter denen sich demnach, da Oesterreich über 1,000,000 Juden zählt, beiläufig 800 Blinde befinden."*) Das Institut soll also nunmehr ins Leben treten. Schon ist auf der „hohen Warte" bei Wien ein glücklichst gelegener Baugrund, von 1734 Q.-Klaftern im Ausmaße, angekauft. Ein schön gepflanzter Garten, aus dem sich das im Plane bereits vorbereitete Znstitulsgebäude erheben wird, breitet feine Schatten aus. Da der Bau in den nächsten Tagen seinen Anfang ninunt, dürfen wir hoffen, Sie Hochverehrte! schon im Sommer des Jahres 1872 zur feierlichen Einweihung des Hanfes einladen zu können. Aber unsere Aufgabe, wie reich auch die durch Ihre Großmuth uns gebotenen Mittel sind, ist noch nicht voll gelöst. Die Zinsen unseres Eapitales und die zugesicherten Jahresbeiträge gestatten bis nun die "Aufnahme von höchstens 20 nichtzahlenden Zöglingen. Wir muffen streben weitere Capüalö- und Jahresbeiträge zu gewinnen. Aber es ist noch ein weiteres Ziel, das wir zu erreichen trachten müssen. Der Blinde, wenn er herangebildet wurde, ist wohl erwerbsfähig, aber nur dann ist er es vollständig, wenn er im Schutze und unter der Obsorge einer Beschäftigungsanstalt steht. Eine solche ist die organisch natürliche und nothwendige Entwicklung einer Blinden - Erziehung - - Anstalt. In dieser richtigen Erkenntniß hat auch der Gründer unseres Blindeninstituts-Gebäudes gestattet, daß die in demselben herangebildeten Zöglinge noch bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahre blechen dürfen. *1 Wenn 215 Gemeinden tu» Blinde enthielten, io muß wohl die Anzahl in 1000 Gemeinden höher als 800 angeschlagen werden. Redael. Möge es uns gegönnt sein, das unter so glücklichen Auspizien begonnene Werk wie materiell, so auch geistig und siltlich zu schöner Vollendung zu bringen; ein Denkin .-ff der Gegenwart, eine Stätte des Heils für alle Zukunft.!" — Die bereits von der k. k. Statthalterei genehmigten Statuten wurden von der Versammlung einstimmig angenommen, und ebenso einstimmig die Mitglieder des provisorischen Comitös zmn definitiven Curatorium gewählt. Das letztere wählte fein Bureau und zwar Herrn Ludwig August Frankl zum Vorsitzenden. Zuschriften sind zu adressircn an: „Curatorium des israelitischen Blindeninstiluts in Wien, Seitenstätteugaffe "Nr. 4." Erlauben Sie mir nun noch einen Blick aus das Statut. (Schluß folgt.) ^Aachen, 14. April. Es gehört zu dem wahrhaften Nutzen, welchen uns die jüdische periodische Presse gewahrt, daß wir auch dem Verdienste durch sie "Anerkennung verschaffen können, das zwar nicht in die allgemeinen Kreise hinausstrahlt, aber um so nachhaltiger innerhalb der jüdischen Gemeinde wirkt. Die Gemeinde zu "Aachen hat in d. Bl. zu oft schon eine Würdigung des in ihr lebenden Strebens und dessen, was in ihr schon geschehen, gefunden, als daß sie nicht erwarten könnte, Sie würden ihr auch für das folgende Factum einigen Raum gewähren. Fünfuuddreißig Jahre hat der k. Lotterie-Ober-Collecteur Herr I. Levh den Vorsitz im Vorsteheramte in musterhafter Weise, mit unermüdlichem Eifer und persönlicher Aufopferung geführt, und eine Reihe trefflicher Einrichtungen haben wir seiner Initiative und Energie zu danken. Die Gemeinde hat dies bei wiederholten Anläffen, z. B. als er 25 Jahre sein Amt bekleidet hatte, zum Ausdruck gebracht. Leider mußte er vor einiger Zeit seiner sehr erschütterten Gesundheit wegen zum großen Bedauern säimntlicher Gemeindemitglieder sein Amt nie-, verlegen. In einer kalligraphisch prächtig ausgestatteten Dankadresse nahm die Gemeinde von ihrem verehrten Führer Abschied, und um sein Andenken zu ehren, wußte sie nichts Besseres, als eine, von ihm begründete wohlthälige 'Anstalt durch ein ans freiwilligen Beiträgen erzieltes Capital in ihren Fonds zu vermehren und ihr für alle Zeiten den Namen I. Levy'fche Stiftung beizulegen. Die Adresse lautet: Hochgeehrter Her Levy! Mit tiefem Bedauern hat die hiesige Synagogen- Gemeinde von Ihrem Entschlüsse Kenntniß genommen, das Amt eines ersten Vorstehers derselben, das Sie seit mehr als 35 Jahren in so vorzüglicher Weise verwaltet, aus Gründen, denen wir unsere Billigung nicht versagen können, niederzulegen. Bei dem hohen Interesse, welches Sie während Ihrer langjährigen Anttslhätigkeit den Angelegenheiten der Gemeinde widmeten, bei dem unermüd-