Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1871)
- Date
- 1871-04-25
- Page
- Seite 348 (sequence 20)
- Language
- German
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US licken Eifer, mit welchem Sie in seltener Selbstverleugnung das Wohl derselben förderten, und bei den segensreichen Resultaten, die unter Ihrer trefflichen Leitung in den Institutionen unsrer Gemeinde erzielt wurden, glauben wir zu der Annahme berechtigt zu sein, das; es Ihnen schwer geworden, einem Wirkungskreise entsagen zu muffen, in dem Sie, getragen von rer Liebe, der Verehrung und dem unbedingten Vertrauen sämmtlicher Gemeindemitglieder, so Großes und Schönes geleistet. Doch schwerer noch empfindet es die Gemeinde, denjenigen nicht mehr an ihrer Spitze zu sehen, durch deffen ausgezeichnete Befähigung und hingebende Aufopferung das Gemeindeleben sich zu einer Höhe entfaltete, die nicht allein bei uns selbst volle Würdigung, sondern auch in den weitesten Kreisen Anerkennung findet. — Nicht vermögen wir, verehrter Herr, Ihnen den Ausdruck der Dankbarkeit, den die Gemeinde Ihnen sckuldet, in Worten wiederzugeben, doch wir wiffen es, nickt um des Dankes willen wirkten Sie mit ganzer Hingebung für das allgemeine Beste, sondern Sie fanden stets den schönsten Lohn in Sich selbst durch das erhebende Bewußtsein der treuesten Pflichterfüllung für eine gute Sache. Um aber dennoch dem tiefgefühlten Bedürfniffe Ausdruck zu verleihen, welches die Gemeinde empfindet, Ihnen beim Scheiden aus Ihrem Amte einen Beweis der Hochachtung zu geben, glaubte dieselbe Ihrem edlen Herzen nicht entsprechender handeln zu können, als indem sie, Ihre Genehmigung voraussetzend, die von Ihnen gegründete und gemäß Gemeinde-Beschluß Ihren Namen tragende „Isaac Levy'sche Stiftung" die erst später in Wirksamkeit, treten sollte, durch einen hierzu bestimmten Fond jetzt schon ihre heilsame Thätigfeit beginnen läßt. Mögen Sie, hochgeehrter Herr Levy, Sich noch lange der Früchte Ihrer gemeinnützigen Werke erfreuen; Ihr Name aber, wie er in uns und in den Annalen unserer Gemeinde lebt, wird auf die koinmenden Geschlechter übergehen als der eines Mannes, welcher als leuchtendes Borbild des Strebend nach dem Edlen und Guten noch in den spätesten Zeiten segensreich wirkt. Aachen, 15. Februar 1571. Der Rabbiner Dr. W. Wolfssohn. Der Borsrand der Synagogen- ^re Repräsentanten: Gemeinde: Leop. Lippmann. Salomon Meyerhoff. Salomon Lessmann. 3s. Herz Iac. Salomon. Moritz Meyerhosf. D.N. Marx. Moritz Meyer. PH. Franken. N. Bruck. A. Mayer. Iac. Lippmann. I. Meyerbach. Vermischtes. Der „Pester Lloyd" theilt mit: Die „Sederfeier" des hiesigen israelitischen Handwerks- und Ackerbau Vereines ging am Abend des 5. d. (Mittwoch» im festlich erleuchteten neuen Normalschnlsaaale in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums vor sich. In der Mitte des Saales waren die Zöglinge des Vereins postirt, etwa 50 an der Zahl, sämmtlich uniformirt. Nach einem weihevollen Choralgesang, vorgetragen vom Herrn Obercantor M. Friedmann, mit voller Ehorbegleitung, sprach Herr Prediger Kaiserling eine gediegene Gelegenheilsrede, von der Bedeutung des Osterfestes, der düsteren Vergangenheit und der schöneren Gegenwart, von der Vorliebe der alten Hebräer für Ackerbau und Handwerk, von den Hoffnungen, welche wir in die Jugend, zumal in die sich der Industrie widmende, setzen. Hierauf ergriff Herr Lereinsdireetor N. A. Weiß das Wort, um auf den Segen der thätigen Arbeit hinzuweisen, und insbesondere den freizusprechenden und vom Vereine bald auöscheidenden Zöglingen den rastlosen Fleiß ans Herz zu legen. Sodann sprach einer der Zöglinge (bei Tapezierermeister Herrn S.Kramer« in einer längeren, hübsch vorgetragenen Rede den Dank seiner Collegen für die vielen vom Vereine erhaltenen Wohlthaten aus. Den Schluß bildete ein Choralgesang vom Herrn Obercantor Frieomann, dem um so mehr Anerkennung gebührt, als er die Mühe nicht scheute, die Gesänge außer dem Ehorpersonale auch noch mit den Vereinszöglingen einftudirt zu haben. Die Rede des Zöglings, vom Herrn Lehrer S. Lustig verfaßt, machte einen so guten Eindruck, daß einer der Ehrengäste, Herr Heinrich v. Lövay, demselben sofort eine namhafte Spende behändigte, und war diese Feier überhaupt bestens geeignet, die Sympathien des Publicums für den Verein zu erhöhen und zu befestigen. Nack dieser Feier nahmen die Zöglinge an den gedeckten Tischen Platz und war es abermals Herr Obercantor Friedmann, dem die nicht unerhebliche Function des „Sedergebens" zufiel. Ein streng orthodoxer Jude in Szilügy-Somlyü, der in Sachen des Ceremvniells so minutiös ist, daß er keinem Menschen, selbst keinem andern orthodoxen Juden gestattet, den Wein zu berühren, den er für die Osterseier persönlich bereitet, hat das Mehl, aus welchem seine Osterbrode an gefertigt werden sollten, auf einer Kaffeemühle eigenhändig gemahlen. Einer unserer Eorrespvndenten verbürgt uns die Nichtigkeit dieser Mitthcilung. Verlag von Baumgänner's Duchbandtunl, in Leipzig. — Druck von I. ä). Hirschseld» Verantwortlicher Nedactcur Dr. H« Lotze.