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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-18 · Heft 16 (18.4.1871) · p. Seite 326

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 16 (18.4.1871)
Date
1871-04-18
Page
Seite 326 (sequence 14)
Language
German
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326 Seiten sich genau erkundigen, bei der Tochter eines Leviten oder Israeliten wird noch ein fünfter Grad zur Untersuchung beigefügt. Eine andere Mischna (Ende Middoth) lautet wieder: In der Quaderhalle hatte das große Synhedrin seine Sitzungen und richtete da die Priesterschaft. Ein Priester, an dem eine Verwerflichkeit in Betreff seiner Abstammung sich befunden, legte alsogleich schwarze Kleider an und ging hinaus, wer aber makellos befunden wurde, der hüllte sich in weiße Gewänder, ging in die Priesterhalle und versah den Priesterdienst, es wurde demselben ein Fest bereitet, daß in den Nachkommen Ahron's kein Makel sich vorfand. Man stimmte zugleich folgende Hymne an : Preis dem Allerhöchsten, der Ahron und dessen Nachkommen erwählt und sie in Reinheit bewahrt. Eben so richtig ist die andere Angabe des Josephus, daß diese Sorgfalt in Betreff der Priesterfamilwn nicht nur in Jerusalem, sondern auch in Aegypten und Babylon gehegt und gepflegt wurde. Eine Stelle im Talmud (Kethuboth S. 25, a) lautet: Wer öffentlich den Priestersegen ertheilt, wird als echter Priester der Abstammung nach betrachtet, weil bei einem sonstigen Zweifel das Gericht dies nicht zugelassen, R. Simeon ben Gamliel vindicirt dieses Recht auch der Stadt Alexandrien in Aegypten, weil auch dort ein stetiges Gericht die Aufsicht über die Reinheit des Pri-sterstammes halt. Bon dem Babylonier Hlllel. ist bekannt, daß er Geburtsregister aus seiner Heimat nach Palästina gebracht (Kidduschin S. 75». Wie Hckel dazu gekommen und welche Veranlassung ihn dazu bewogen, haben wir bereits andererseits (Talmud. Forschungen, Ben Chananja 1867, Nr. 22) nachgewiesen und wollen wir hier Folgendes in der Kürze mittheilen. Da Babylon zur Zeit Esra's als Stammort für die Einwanderer nach Judäa gegolten, so wurde eine babylonische Herkunft, d. h. der Ausweis, daß man seine Abstammung bis zu den babylonischen Gefangenen zurückzuführen vermag, sehr geschätzt, ja selbst die Herodmnische Königsfamilte, die bekanntlich eine idumäische war, strebte mit aller Sehnsucht nach dieser Ehre, so daß der Historiograph derselben, Nikolaus aus Damaskus, wirklich den Versuch machte, ihre Abstammung aus Babylon herzuleiten (Josephus Ant. XIV. 1, 3». Der Versuch scheiterte jedoch, die Unterschiebung stieß auf Widerstand beim Volke; da ließ Herodes, um jeden Gegenbeweis zu vernichten, alle Geschlechtsregister im Tempel verbrennen. (Euseb. Kircheng, I. 7. 5. Sachs Beitr. II. 156, Grätz III. 200 Anm. 3). Um Liesen für die Genealogie des jüdischen Volkes so unermeßlichen Schaden gut zu machen, machte wahrscheinlich Hillel, das religiöse Oberhaupt der jüdischen Nation um diese Zeit, eine Preise nach seinem Geburtslands Babylon und brachte eine Abschrift der dort noch vorhanden gewesenen Stammregister mit; es sind wahrscheinlich dieselben, die im Talmud-Jebamoth, S.30. Kidduschin S. 7 8) häusig unter den Namen Megillath Jochsin Vorkommen. Es geht daraus hervor, daß" diese Stammreglster nicht bloß für die Priester, als welcher Herodes gewiß nicht angesehen sein wollte, sondern für alle jüdische Familien geführt worden sind." Napoleon I., die Inden und die österreichische Polizei. Von Dr. G. Wolf. Unter dieser Ueberfchrist giebt Herr Dr. Wolf in der Wiener „Montags-Revue" einen sehr interesianten Bericht, aus den dortigen Acten geschöpft, aus welchem wir den Haupttheil entnehmen. Die französische Revolution hatte die Juden emancipirt, Napoleon I. dies überall gethan, wo er ein Land, eine Provinz dem französischen Reiche hinzufügte, während in Oesterreich, Preußen u. s. w. die alten Beschränkungen vollständig aufrecht erhalten blieben. Um aber dieser neuen Staatseinrichtung eine stärkere Grundlage zu geben berief Napoleon!. bekanntlich einen Sanhedrin nach Paris. Herr Dr. Wolf berichtet nun : „Kaum hatte man in Wien davon erfahren, so richtete der Chef der Polizei hofstelle, Freih. v. Sumerau, am 17. October 1806 an sammtliche Länderchefs ein Schreiben, in welchem er sie auf die Wichtigkeit dieses Schrittes um so. mehr aufmerksam machte, da an israelitische Gemeinden Europas Einladungen ergingen, sich durch Deputirte am Congresse zu betheiligen. In diesem Schreiben heißt es: „Schon ein oberflächlicher Blick in den Gang dieser Angelegenheit enthüllt die politische Tendenz derselben und läßt Folgen von der höchsten Wichtigkeit für alle Staaten ahnen, in welchen jenes Volk zerstreut und durch Reichthum, Verbindungen, Schlauheit und Zusammenhang bedeutend ist. Die gleiche Taktik, durch welche Napoleon der Freimaurerei eine politische Richtung gab und aus den Mitgliedern dieses Ordens in so manchen fremden Staaten eine geheime Polizei sich bildete, scheint auch hier nicht blos zu diesem, sondern zu noch höheren Zwecken angewendet zu werden." Der Chef der Polizeibehörde eröffnete daher den Länderchefs im Dienstvertrauen, daß kein Mittel der Klugheit unbenutzt bleiben dürfe, um zu hindern, daß nicht zwischen den Juden in den k. k. Staaten und jener Versammlung der jüdischen Notablen in Frankreich irgend eine Verbindung eingeleitet werde. Zu diesem Zwecke wurden die Länderchefs aufgefordert, auf die Correspondcnzen bedeutender Juden überhaupt, besonders aber solcher, welche durch höhere Cultur (Abweichung von der Orthodoxie) und durch Ruf sich auszeichnen, die höchste Aufmerksamkeit zu wenden, in dieselbe geheime Einsicht zu nehmen und darüber Bericht zu geben. Vorzüglich wichtig sei es, zu erforschen, ob wirklich von der Versammlung in Paris an eine oder die andere erbländische

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