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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-18 · Heft 16 (18.4.1871) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 16 (18.4.1871)
Date
1871-04-18
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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317 Perioden eine bedeutende Summe für Aufbesserung minder dotirter Pfarrstellen im Budget angesetzt, so daß alle jene katholischen und protestantischen Pfarrstellen, welche die Congrua — SOO fl. — nicht erreichten, vom Staate das Fehlende darauf bezahlt erhalten. Die Israeliten haben selbstverständlich auch hierzu die sie betreffende Steuerquote zu zahlen, und es kann darum auch nicht in Abrede gestellt werden, daß, wo die Dotirung der Nabbinate diese Congrua nicht erreicht, diese aus Staatsmitteln ergänzt werde. Es würde diese Aufbefferung um gar viel weniger in Anspruch nehmen, als nach dem Verhältnis; der Bevölkerungszahl auf die Israeliten treffen müßte. Denn seitdem die Freizügigkeit gestattet ist, ziehen sich die meisten und zwar die wohlhabendsten Israeliten in die größern Städte; während die Landgemeinden äußerst selten die erledigten Rabbinatssitze wieder besetzen, sondern sich an ein bereits bestehendes Rabb'mat anschließen. Dadurch sind die meisten Stellen so dotirt, daß sie auf eine Subvention von Seiten des Staates keinen Anspruch haben. Denn in den größern Städten übersteigen ohnedies die Gehalte die Congrua, und bei denjenigen Rabbinaten, die aus einer größern Anzahl von Gemeinden bestehen, dürfte sie auch erreicht werden, oder wenig daran fehlen. Es gibt aber auch Nabbinate, die sehr gering dotirt sind, und eine derartige Situation haben, daß sich kein größerer Nabbinatsbezirk bilden kann, und für diese könnte mit vollem Rechte die Subvention des Staates in Anspruch genommen werden. Es erheischte dieses nur geringe Staatsmittel, und dennoch, welche große Wohlthat wäre dieser kleine Beitrag für einige so schlecht besoldete Rabbiner! Es wäre auch eine Wohlthat für die Gemeinden, die nur so im Stande bleiben werden, ihre Nabbinate zu erhalten. Es dürfte auch kaum zu bezweifeln sein, daß, wenn bei der Negierung und den Kammern ein deßfallsiger Antrag gestellt werde, er sich eines guten Erfolges zu erfreuen hat. Daß solches bisher noch nicht geschehen, daran tragen Schuld die Rabbiner und die Gemeinden. Es wurden schon von den schlechtbesoldeten Rabbinern ihre besser gestellten College» aufgesordert, gemeinsame Schritte in dieser Angelegenheit zu thun; aber da tritt meistens die Selbstsucht in den Vordergrund, indem der Beffergestellte befürchtet, es könnte bei einer deöfallsigen Anregung eine Organisation versucht werden, wobei mancher allzu große District verkleinert werden könnte; was übrigens eine leere Furcht ist, weil die StaatSregierung bisher in keiner Weise der Bildung der Nabbinate Hindernisse entgegensiellte. und der geringen beanspruchten Unterstützung wegen keine weitläufigen Er-: örternngen veranlaßen werde. Andere wollen nicht aus ihrer Ruhe geriffen werden und schrecken zurück von jedem gemeinsamen Schritt mit ihren College», zufrieden damit, daß sie unbehelligt die gewohnte Lebensweise fortsetzen können. Die wenigen Rabbiner aber, die wirklich den guten Willen haben, oder bei denen das Bedürfniß nach einer Besserstellung vorhanden ist, sind zu entfernt von den gleichgesinnten College», und somit zu vereinzelt, um auf den Erfolg einer etwa zu machenden Eingabe rechnen zu können. Die Gemeinden sehen sich noch um so weniger veranlaßt, Schritte in dieser Hinsicht zu thun, da diejenigen in den Städten kaum die Lage der Landgemeinden kennen, oder sie nicht kennen wollen, und die Landgemeinden selbst sind zu apathisch und haben überhaupt einen gewissen Abscheu vor jeder zu machenden Vorstellung nach Oben, zufrieden, wenn sie nur in ihrer» Gewerbe nicht gehindert sind. Möchten aber Alle bedenken, daß es sich hier um ein Princip handelt, das allein schon verdient, daß alle Anstrengungen gemacht werden, es zur Geltung zu bringen; sowie auch der Wohlthätigkeitssinn, den unsere Glaubensgenoffen bei jeder Gelegenheit bethätigen, sie veranlaßen muß, zur Besserstellung der Rabbiner, die ein so kümmerliches Einkommen haben, das kauln die nöthigsten Bedürfnisse deckt, ihr Möglichstes beizutragen. *) XII. Aus H olland. Die Bevölkerung der Niederlande nach den Confessionen ist: Protestanten: 2,225,580 Katholiken: 1,330,504 Israeliten 70,560 Zu keiner bestimmten Confession gehörig 1,818. Zusammen also 3,028,468. Auf 100 Seelen gerechnet kommen also etwas über 61 Protestanten, nicht ganz 37 Katholiken und um ein Geringes weniger als 2 Juden. *) Also auch hier dieselbe Unthätigkeit, derselbe Mangel an einem Gesammtstreben wie in Italien, bei der Ueberzeugung, durch irgend welche Anstrengung zu einem günstigen Ziele zu gelangen. Redaction.

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