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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-11 · Heft 15 (11.4.1871) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 15 (11.4.1871)
Date
1871-04-11
Page
Seite 303 (sequence 15)
Language
German
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303 wie auch mannigfache Gesellschaften und Vereine, welche die Veredlung der Gemeinde in religiöser und moralischer Rücksicht bezwecken, besitzen, so verdanken wir es besonders ihm. Wie cs zu erwarten ist, bereitet sich die Gemeinde vor, diesen feierlichen Tag auf eine würdige Weise zu celebriren. Man beabsichtigt einen festlichen Gottesdienst abzuhalten und dem Jubelgreise ein Vecjat zu überreichen. s. ir. Rußland. Petersburg, 18. März. Der „Russische Invalide" giebt Details über die Aushebung dieses Jahres. Es wurden wirklich ausgehoben 9:>,4-16 Mann, unter diesen befinden sich 84,UNO Russen, 817 Lilthaucr, 300 Polen, 49 Deutsche, 1198 Inden n. s. w. Man kann nicht gut erkennen, welcher der Modus der Aushebung gewesen sein müsse, um dieses immeitse Uebermaß der Russen gegen die andern Nationalitäten zn erklären, wobei die Juden doch noch fast viermal mehr als die Polen vertreten sind. — Nach neuester Mittheilnng ist das Gesetz über die Tracht der Juden in Polen dahin abgeändert worden, daß cs denjenigen, welche moderne Kleidung tragen, gestattet ist, den Bart nach Beliebcli zu tragen. Hiermit ist dem religiösen Bedenken Rechnung getragen. Nordamerika. Pittäbnrg, Ende Februar. (Privatmitth.) Der in Europa so stürmisch bewegte politische Tee an macht seinen Wellenschlag auch in allen Thcilen Amerikas fühlbar. So hat die Einverleibung des Kirchenstaates in Italien eine nicht geringe Bewegung auch bei uns hervorgebracht, und die Einheit Italiens durch den Sturz der weltlichen Herrschaft des Papstes unter den Gliedern aller Eonfessioncn eilten lebhaften Wiederhall gefunden. Das „PittSbnrgcr Volksblatt" bringt einen ausführlichen Bericht über ein am 22. Februar stattgefnndenes Meeting „zur Feier der italienischen Einheit," das äußerst zahlreich besucht und von der versammelten Menge mit ununterbrochenem Beifall begleitet wurde. Viele Redner, worunter mehrere Geistliche, traten auf und feierten das große Ereignis als^ einen Sieg der religiösen Freiheit; sie wiesen den Vorwurf einer scccirerischen Tendenz weit von sich, und erklärten, daß jeder Fortschritt der politischen und religiösen Freiheit von allen amerikanischen Bürgern mit Jubel begrüßt werde. Zuletzt betrat auch ein jüdischer Geistlicher, Rev. L. Naumburg, die Nednerbühne und erntete, ivie das angeführte Blatt bemerkt, den größten Beifall des Abends. Der Redner warf einen Blick von der jetzt erreichten Einheit Italiens aus die seines deutschen Vaterlandes, welches bei dem Angriff der Franzosen sich so mächtig erhoben habe. Er fügte dann hinzu: „Er habe umsomehr Veranlassung, sich des großen politischen Ereignisses zu freuen, als durch dasselbe seine Stammesgenossen, die in Rom die fluchwürdige Schranke des Ghetto in die engen Räume der Abgesondertheit und Abgeschlossenheit wies, gefallen sei. Mit dem Falle der weltlichen Macht des Papstes habe die religiöse Freiheit ihre Auferstehung auch auf dem elastischen Boden der alte" Roma gefeiert. — Wir Deutschen, die wir von der alten Welt nach den Gestaden des freien Amerika gepilgert seien, wir haben uns diese unsere Heimstätte gesucht, weil in derselben das glorreiche Prineip religiöser und politischer Freiheit feste Wurzel gefaßt habe, und deshalb umfaßten wir auch mit voller Inbrunst die Institutionen dieses Landes, soweit dieselben die Freiheit im vollen, edelsten Sinne verkündeten. Er hoffe, es werde nie der Tag erscheinen , wo der Congreß dieses Landes Gesetze erlasse, welche die religiöse Freiheit desselben beeinträchtigen könnten. Und wie wir uns unserer freiheitlichen Institutionen erfreuen können, so freuen wir uns mit allen Völkern, die sich zu freiheitlicher Gestaltung ihrer Institutionen entwickeln." (Der Redner wurde häufig von lebhaftem Applaus unterbrochen.) Nachtrag. Bonn, 4. April. Die Wiener „Presse" bringt ein Telegramm aus St. Petersburg, nach welchem ein Ukas bcvorstehe, der die hebräische und polnische Sprache in den Synagogen verbieten und die russische Sprache einfnhren solle. Zn diesem Zwecke übersetze ein Jude Mandel stamm das hebräische Gebetbuch ins Russische. Wir halten diese Nachricht für durchaus falsch, da ja die polnische Sprache in der Synagoge überhaupt nicht gebraucht wird. Vielleicht beschränk

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