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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-11 · Heft 15 (11.4.1871) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 15 (11.4.1871)
Date
1871-04-11
Page
Seite 302 (sequence 14)
Language
German
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302 znvorzukommen, um neue Unruhen zu vermeiden, befiehlt der Maire den Frauen, Bindern, den eingeborenen Muselmänner und besonders auch den Israeliten, in ihren Häusern zu bleiben und sich unter keinerlei Vorwand auf den Straßen und öffentlichen Plätzen anfzuhalteu. Patrouillen der Rationalgarde werden diesen Befehl streng überwachen. Algier, den % März. Dänemark. Kopenhagen, im März. (Privatm.) Ein sprechendes Zeugniß des edlen frommen Geistes und der wahren jüdischen Wohlthätigkeit, welche die hiesige Gemeinde dnrchdringt, bot sich in dem Feste, welches den 19. Februar in Veranlassung des 59-jährigen Jubiläums der sogenannten KrankeuPflegegeseUschaft r-.ssr.) statt fand. Diese Gesellschaft begann ihre Wirksamkeit im Jahre 1821 mit nur dreißig Mitgliedern, die den Zweck hatten, bei armen Kranken zu tvachen und so weit wie möglich sie mit Geld zu unterstützen. Aus diesem bescheidenen Anfänge hat sich jetzt eine Gesellschaft entwickelt, die über 500 Mitglieder nebst einer weiblichen Abtheiluug von 200 Mitgliedern zählt und deren Wirksamkeit im Veiufe der Jahre sich so entfaltet hat, das; sie jetzt nicht nur mehrere Hundert Kranke mit bedeutenden Geldsummen zu unterstützen vermag, sondern auch im Stande ist, sie mit Medicamenten, Bekleidungsgegenständen und Hausgeräthen zu versehen und Wärter für sie zu miethen. Auch sind die Mittel der Gesellschaft jetzt so bedeutend, daß sie jährlich 1800 Thlr. zu diesem Zwecke verwenden kann. Jüngst hat man auch einen Anouymenfonds errichten können, wodurch ehrenwerthe arme Familien, die nicht öffenlliche Hülfe beanspruchen wollen, mit reichlichen Gaben in Kranlheitsfällen unterstützt werden, ohne daß ihre Flamen weder in dem Rechenschaftsberichte angeführt, noch Anderen als den drei Mitgliedern der Direetion bekannt werden. Dieser schönen Seite der Wirksamkeit des Vereins ist ein Drittel der jährlichen Einnahine gewidmet. Diese schone und wahrhaft wohlthätige Gesellschaft feierte im verflossenen Monate ihr 50-jähriges Jubiläum. Die Feierlichkeit fand im großen Festsaale der neuerbauten Freimaurerloge statt, der wohlwollend dazu überlassen wurde. Nachdem eine eigens in Veranlassung des Tages vom Eoniponisten Hrn. Nicolai Bcrendt verfaßte Cantate von 50 Sängern gesungen worden war, bestieg Herr vr. A. A. Wolfs den Redncrstnhl und entwickelte in einem längeren in hohem Grade begeisterten und gelungenen rhetorischen Vortrag das Wesen und die Bedeutung des jüdischen 'on #3. Beginnend mit den Worten der Sidra, womit er auch am Tage ziivor rss) die Gemeinde erbaut hatte “;Nb:2 nbra ■»d:» ~:n lExod. 23, 30) und diese als Jnscription über dem Festtempel, worin wir zur Feier versammelt waren, bezeichnend, schilderte er den eigentlichen Werth der jüdischen Wohlthätigkeit, die verschiedenen Formen, in welchen sie hervortritt und wodurch sie die Würde unserer Religion bewährt, hob den rechten Gebrauch hervor, der davon gemacht werden soll, die rechte Weise, wie sie geübt werden muß, und den reichen Segen, der als Lohn dafür geerntet wird. Wiewohl dem ganzen Vortrage, in welchem jeden Augenblick neue und erhabene Gedanken, geistreiche Erklärungen der Schriftworte und talmuoischer Stellen, sowie auch bedeutungsvolle Vermahnungen vorkamen, mit der gespanntesten Aufmerksamkeit von dem zahlreichen Publikum gefolgt wurde, war cs doch besonders der Schluß, in welchem der Redner, tief bewegt, einen innigen Dank zur Erinnerung an die Männer brachte, denen es nicht vergönnt war diesen Tag zu erleben und die ihre Zeit und Kräfte der Wirksamkeit der Gesellschaft gewidmet hatten, was einen mächtigen, tiefen Eindruck aus die Versammlung machte. Jedes Wort trug den Steinpel der höchsten Beredsamkeit und entlockte, mit dem Feuer der Begeisterung gesprochen, den Augen der Zuhörer Thränen. Es ist übrigens eine Sache der Unmöglichkeit, den Inhalt dieses langen und glänzenden Vortrags mit wenigen Worten zu skizziren, er wird in einigen Tagen im Drucke erscheinen und ich werde mir dann erlauben, Ihnen, Herr Redaeteur, ein Exemplar zu übersenden. Eine seltene Feierlichkeit steht unserer Gemeinde bevor, indem Herr 0>. Wolfs im Anfänge Mai seinen 70jährigen Geburtstag feiert. Mehr als 40 Jahre hat er den hiesigen Platz als Prediger und Rabbiner bekleidet und sich in dieser langen Zeit außerordentliche Verdienste erworben. Wenn unsere Gemeinde heute eine geachtete und angesehene Stellung im Staate einnimmt, wenn wir einen den Zeitverhältnissen angemessenen Gottesdienst, ein würdiges Gotteshaus, so-

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