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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-11 · Heft 15 (11.4.1871) · p. Seite 301

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 15 (11.4.1871)
Date
1871-04-11
Page
Seite 301 (sequence 13)
Language
German
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801 aus; es floß Blur uno unter den Arabern gab es einige Todte. Wenn die Mnnicipalbchörde Vorsichtsmaßregeln getroffen hätte, so hätte dieser Sturm verhütet werden können. Seitdem H. Cremieux die Naturalisation an Masse aller eingeborenen JSraeliten decretirt hat, sind die Araber wüthend; sie sagen, daß sie seit mehr als dreißig Jahren ihr Blut mit dem unseren auf allen Schlachtfeldern vergießen, und zum Dank für ihre Spfer werden sic fetzt weniger gut behandelt als die Juden- Sic übersehen absichtlich, daß den Juden der Titel „Bürger" verliehen worden, erstens weil sie ihn verlangt haben, und dann weil ihre Befähigung sie würdig machte, Neckte des Bürgers zu genießen, so wie sic seine Pflichten erfüllen. Die Araber, welche stets auf die Juden mit Verachtung geblickt, haben sich bei dem Gedanken empört, daß sie von der Negierung falsch beurthcilt worden seien; ihre Würde und ihr Stolz fühlten sich dadurch beleidigt. Samstag, den 25. Februar, mißhandelten die jüdischen Tiralleurs der Nationalgarde einige Muselmänner; die Sache wurde vor das Strafgericht gebracht, und, ob mit Recht oder Unrecht, zwei Araber wurden zu 16 Frcs. Geldbuße verurtheilt. Diese Lerurtheilnng wurde zum Signal der Emeute. Tausende von Biskris, Lastträgern und Kabilen ergossen sich gegen 4 Uhr Abends über die Straßen, wobei sie lautes Geheul ausstießen und riesige Stöcke schwangen. Sie stürzten sich auf alle unglücklichen Bekenner Mösis, welchen sie begegneten. Tie Schläge erdröhnten auf dem Rücken dieser Unglücklichen von einem Ende der Straße bis zum anderen. Bald hatten sic die Schaufenster der jüdischen Kaufleute eingedrückt und überließen sich mit ungestörten Kräften und edlem Enthusiastnus der Plünderung. Dies liegt so ganz in dem Charakter und Blute der Beduinen: im Stillen eine schreckliche Rache vorbcrcitcit und sie dann mit Gewalt auSsühren. Ihre Natur eignet sich besser zu Angriffen mit bewaffneter Hand als zu dem geistigen Kampfe, zum Wettstreit in der Arbeit. Sie sind tapfere Soldaten, aber nichts in der Thätigkcit des Friedens, unempfindlich gegen die Fortschritte der Civilisation. Auch sind sie von einer wilden Eifersucht gegen die Juden erfüllt, deren Arbeiten und Handel die ganze Eolonie bereichern. Am Sonntag, welcher dieser Manifestation voranging, hatten die arabischen Notablen Schritte bei dem Eon missar der Republik gethan, um sich wegen des Betragens der Juden zu beklagen und um die Cr lanbniß zu bitten, sie eine halbe Stunde durchprügcln zu dürfen. „Sie haben Gewehre, fügten diese Anführer hinzu; wir verlangen nur Stöcke und eine halbe Stunde thun zu können, was wir wollen. Wir nehmen cs auf uns, Ihnen alle Gewehre derjenigen zu bringen, welche sich nicht verstecken und es wagen, anszugchen." Ter Gouverneur, wie man wohl denken kann, verweigerte es; aber die Ausführung der Drohungen der Araber ging ohne seine Einwilligung vor sich. Vorgestern fand in Buffarick eine ähnliche Emeute statt. Fünfhundert Araber stellten sich auf der Mairie ein; sie sandten Dclegirte an den Maire, um eine Stunde, wo sic frei die Juden durchprügcln dürften, zu fordern. Der Maire verweigerte cs, aber die Glaubensgenossen des Herrn Erömieux mögen auf ihrer Hut sein. Der Maire von Algier ließ folgende.Bekanntmachungen an die Straßenecken heften: An die eingeborenen Muselmänner. Ter Maire ist in Kenntniß gesetzt worden, daß bedauerliche Kämpfe zwischen den eingeborenen Musel - mäunern und Israeliten stattfiuden. Solche Sccnen gehören nicht mehr in unsere Zeit; sic widersprechen jeder Civilisation und dem Geiste der Brüderlichkeit, welcher alle Glieder der algerischen Familie beseelen soll. Es wäre endlich gut, den alten Racenhaß abzulcgen. Die Republik fordert von uns, brüderlich uns einander zu nähern, um nur ein einziges Volk auszumachen. Ter Maire hofft, indem er an die Vernunft und den Patriotismus seiner eingeborenen Mitbürger appcllirt, daß auf seine Stimme gehört werden wird. Er würde nur sehr ungern zu Gewaltmaßregeln greifen, die er aber nichtsdestoweniger anwenden müßte, wenn solche Gewaltsceuen, wie sic ihm berichtet worden, noch einmal Vorkommen sollten. Algier, den 28. Februar 1871. Die Scenen, welche gestern die Stadt betrübten, werden sich nicht wiederholen. Es könnten nur noch persönliche Streitigkeiten zu fürchten sein. Um ihnen

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