Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1871)
- Date
- 1871-04-11
- Page
- Seite 298 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Tic Mitteilung, die 3ic jüngst brachten, daß der Vorstand beabsichtige, im Leopotdstädter Tempel eine andere Liturgie einzuführcn, als im Tempel in der Stadt, ist nicht richtig. .Pest, 2-4. März. «Privatmilch.) Am 22. d. hat der israelitische Eongreß wieder eine Bethätigung erhalten. Ter neue Eultnsmiuister Pauler hatte durch Erlaß die Versammlung der Distrietspräsidenten cinzuberufen augeordnet, und diese fand am gedachten Tage unter dem Vorsitz des Herrn Martin Scbwciger statt. Die Sitzung wurde durch Erwählung von fünf Snbcommissiouen ausgefüllt. Zu gleicher Zeit fand eine Sitzung der Eougreßcommission unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Hirschler statt. Ein Bericht über die Thätigteit des Präsidiums seit der letzten Sitzung am 49. April vor. Jahres wurde verlesen und die Rechnungen des Präsidiums geprüft. Die Versammlung der Distrietspräsidenten wird fortgesetzt werden. Möchte die Eongreßpartei endlich aus den Formalitäten zu einer wirklichen That konnnen, und die Gründung einer Stätte der jüdischen Wissenschaft und des höheren Lehruntcrrichtcs in die Hand nehmen. Was hilft der Kampf um die Existenz einer Organisation, wenn dieselbe, die doch immer nur ein Gesäß bleibt, mit keinem wesentlichen Inhalt ausgefüllt wird'? Pest, 25. März. iPrrvatmitth.) Am 23. fand eine zweite Versammlung der israelitischen Tistricts- Präsidenten statt. DaS Wichtigste, was aus der Berathung hervorging, war zunächst, die Auflösung der Mustcrhauptschnlen ehestens zu bewirken. Als Grund wurde geltend gemacht: Mustcrhauptschulen befinden sich in den größten Gemeinden Ungarns, wie in Pest, Temesvür, Fünskirchen und S. -A. -Ujhely, und kostet deren Erhaltung dem Schulfonds jährlich bei 39,909 fl., mit welcher Sumuie eine große Anzahl von kleineren und dürftigen Gemeinden unterstützt werden könnte. Ferner wurde die israelitische Landeöcanzlei eingerichtet, welche die Vermittelung zwischen dem Eultusministerium und den Distrietspräsidenten zu übernehmen hat. Endlich beschloß die Versammlung: In Erwägung dessen, daß die überwiegende Majorität der Gemeinden des Landes bereits organisirt ist und jene Abänderungen in den Statuten, welche ans Erfahrmtg von allen Seiten als modifieationsbedürftig angesehen werden, nur im Schoße des Eongrcsscs gesetzlich vorgenommen werden können; in Erwägung dessen ferner, daß die im Interesse der vaterländischen Enltur so dringend gebotene Errichtung der Rabbiner-Bildungsanstalt ohne neuere Entschließungen durch den Eougreß nicht denkbar ist: sei der Eongreß für Anfang des Jahres 1872 einzuberufen. lieber den Tag der Einberufung werden sich die Distrietspräsidenten im Wege der Landescanzlei verständigen. Präsident und Schriftführer der Versammlung werden beauftragt -- auf Grund $ 02 des Wahlstatntes — die diesbezügliche Anzeige an den Minister für Eultus und Unterricht zu machen. Seitens der Subcommission, die mit der Revisien des Budgets vom Laudcsschnlfonds pro 187! und der Antragsstellung betraut wurde, erstattet Herr Dr. Joseph Ligen Bericht, dem wir entnehmen, daß der LandesschnlsondS bei einem Capital von 2,152,521 st. 31 kr. ein jährliches Erträguiß von 100,235 fl. 01!r. abwirst. Die Mnsterhauprschulen saunnt den Pensionen an gewesene Lehrer dieser Schulen nehmen mehr als 30,000 fl. des Erträgnisses in Anspruch, daher zweimal so viel, als alle Gemeinden Ungarns Subventionen erhalten; der Beschluß bezüglich der Auflassung der Musterhauptschnleu erscheint daher für vollkommen gerechtfertigt. Die Lehrcrpräparandie kostet 8000 fl.; für 20 Stistungsplätze in der Wien-Meidlinger Taubstummenanstalt und 12 Plätze im Pestcr Blindeninstitnt werden 7200 fl. verausgabt; endlich sind ins Budget für Subventionen an Gemeinden, sammt den in diesem Jahre zu vertheilenden, 21,000 fl. eingestellt. Das Budget weist im Ganzen einen Ueberschuß von 27,000 fl. aus, der zu capitalisiren wäre. Pest, 30. März. Ungarischer Reichstag. Der vom ungarischen israelitischen Eongreß entsendete Ausschuß bat, daß der Eongreß von 1868- 1860 nachträglich als die zur Vertretung der Israeliten berechtigte Eorporation legalisirt werde. Dagegen petitionirte der Vertretung s a u s s ch u ß, welcher von der 1870er „constitnirenden Versammlung der ungarischen und siebenbürgischcn orthodoxen Juden" exmittirt war. daß die erwähnte Petition des Eongreß- AuSschusses zurückgewicsen werden möge, weil derselbe nicht berechtigt sei, alle Israeliten zu vertreten, und weil die Ecngreßbeschlüsse den israelitischen Fundamculaldogmcn zuwiderlanfen. Außerdem hat dieser