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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-11 · Heft 15 (11.4.1871) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 15 (11.4.1871)
Date
1871-04-11
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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297 Haigcrloch ^Hohenzoll^rn), 30. März. tPrivatm.) Herr Jul. Ullmaun von hier, Füsclicr im 3. Rhein. Jnf.-Reg. Nr. 29, hat bei Peronne sich das eiserne Kreuz erworben. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 28. März. «Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei den „28. Jahresbericht des Vereines zur Beförderung der Handwerke nnter den inländischen Israeliten." Die Zahl -der durch den Verein dem Handwerke zngeführtcn Jünglinge mehrt sich alljährlich. Im verflossenen Jahre wurden 81 ausgenommen, -18 vollendeten ihre Lehrzeit, 14 verließen das Handwerk, und die Zahl der Zöglinge belief sich auf 274. Das Wachsthum des Vereins berhätigte sich dadurch, daß die. Zahl seiner Mitglieder von 410 auf 479 stieg, und die Einnahmen von 7735 fl. auf 8312, sowie auch die Ausgaben von 6553 fl. auf 7526 fl. Diese Ausgaben bestehen in genossenschaftlichen Gebühren, Wäsche und Bekleidung, Vildungsanstalten und Werkzeugen, Unterstützungen und Regie. Außerdem wurden zwei Meister mit 300 und 200 fl. unterstützt. Die im Jahre 1870 aus der Lehrzeit getretenen 48 Gehüsten gehören 13 verschiedenen Handwerken an, in welchen Schlosser und Drechsler am zahlreichsten vertreten sind, Kupferschmiede und Zcugschmiede, sowie Tischler nicht fehlen. Von den gewöhnlicheren Handwerkern sind nur die Schuhmacher vertreten, die Schneider gar nicht. Diese eminenten Erfolge des Vereins werden ihm gewiß immer mehr Freunde und Schenkungen zuführen, so daß die Mittel desselben sich immer mehr vergrößern werden. Wien, 29. März. (Privatmittheil.) Die Herren Barone Rothschild, Todesco, Schey re. haben bezüglich der neuen französischen Anleihe — doch nein, genannte Herren, denen sich noch andere Herren vom Adel und aus dem Bürgerkreise anschlossen — haben an den Gemeindevorstand eine Zuschrift gerichtet, daß man nach wie vor die Gebete um die Wiederherstellung des blutigen Opfereultus und um die persönliche Wiederkehr nach Palästina bcibehalte.*) Welch Lachen würde man aufschlagen, wenn etwaZunz, Geiger, der *) Tic Herren mögen sich doch vor Kladderadatsch in Acht nehmen! Preßburger Rabbiner, Z. Frankel, Philippson rc. den Herren von der Börse diese oder jene Finanzoperation empfehlen würden, und doch verstehen diese Herren von Nationalökonomie — wenn sie auch gar nichts von derselben wissen — mindestens eben so viel als jene Herren Barone vom Judenthume. Die Herren Barone :e. sind gewiß sehr wackere, Wohl- und mildthätige Männer, deren Wechsel von jedem Bankhause angenommen werden; ich zweifle jedoch daran, daß ein „frommer" Jude sich zu ihnen auf ein Mittagsmahl, das in culinarischer Beziehung gewiß tadellos ist, wird einladen lassen. Sie erscheinen im Gottcshause an den höchsten Festtagen oder wenn sonst eine große Feierlichkeit stattsindct, und trotz ihrer Unterschrift glaubt kein Mensch daran, daß sie nach Jerusalem ziehen wollen, um daselbst ihre Lebenstage zu beschließen, oder daß sie sich wirklich nach dem blutigen Opfercultus sehnen. Die Herren mögen es auch nicht wissen, daß sie, wenn der blutige Opfereultus eingeführt wird, wenn sie eine Sünde begangen haben werden — und auch solche Herren sündigen — ein Opfer werden darbringen müssen. Es wird auch nicht uninteressant sein mit anzusehen, wie die Frauen Baroninnen rc. nach einem Wochenbette mit einem Lamme oder einer Turteltaube, wie cs das Gesetz vorschreibt, vor dem Priester erscheinen werden. Selbstverständlich werden auch die Herren und die Frauen, wenn sie ein Geschwür rc. haben, nicht mehr ihren Hausarzt oder einen Professor holen lassen, sondern sie werden zu dem Priester gehen. Es wird sich dann nur fragen, woher die Priester nehmen. — Doch lassen wir den Scherz. Wie cs scheint, wird der Verlauf der Sache folgendermaßen sein. Vorläufig ruht die Sache, und im Sommer geschieht ohnedies nichts. Wenn dann der Winter kömmt, werden Wahlversammlungen stattfinden, und da wird ohne Zweifel der Vorstand gemahnt werden, sein Wort cinzulösen. Inzwischen dürste auch eine Shnodalversammlung stattfiuden, *) die der Sache einen Ruck nach Vorwärts gibt. .*) Wenn Gemeinden wie Wien solche Beanstandungen finden und in dieser Art Vorgehen, so fragt es sich, ob man mit irgend einem Rechte von so und so vielen meist schlecht besoldeten Rabbinen verlangen kann, auf ihre eignen Kosten jährlich zu Shnodalversammlungen zu reisen, deren Beschlüsse durch die Autorität einiger Bauquiers in Frage gestellt werden. 15

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