Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1871)
- Date
- 1871-04-11
- Page
- Seite 293 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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293 jüdischen Volkssitten an. Der Vers, der vorliegenden Sckrift schlug einen anderen Weg ein. Ohne novellistische Beigabe giebt er „Federzeichnungen" dieser Sitten selbst, indem er sie an einzelne Gestalten anknüpft, wie sie sich unter den gleichen Verhältnissen in den verschiedensten Gemeinden und Familien ergaben. Dadurch vermochte er die objectiv gewordenen Eigenthümlichkeiten mit der subjectiven Persönlichkeit zu verbinden und seine Bilder um so anschaulicher zu machen. Der Vers, hat hierbei das Bestreben, in scharfen Umriffen ohne Ausführung im Detail zu zeichnen, was häufig in frappanter Weise wirkt, nicht selten jedoch auch unbefriedigt läßt. Diese Gabe ist demnach sehr willkommen zu heißen. Mochte sie den Verfaffer, sowie Andere, zur Vermehrung ähnlicher Tableaux aufmuntern. Am Schluffe sind einige Scenen in gebundener Rede binzugefügt, zuletzt das Gedicht Jom-Kipur, das bei Levit in Bromberg mit bildlichen Darstellungen besonders erschienen ist. Einladung zur zweiten israel. äiznode. Die zweite israelitische Synode wird in diesem Jahre in Augsburg tagen. Die Verhandlungen werden am 11. Juli Vormittags beginnen und 8 — 10 Tage dauern. Zur zahlreichen Theilnahme werden alle (nach § 1 der Geschäftsordnung und S. 198 der Verhandlungen) dazu Berechtigten hierdurch geziemend eingeladen. § 1 der Geschäftsordnung. Mitglieder der Synodalversammlung sind: 1) die von den Gemeinden deputirten Vertreter derselben, deren Zahl jeder einzelnen überlaffen ist; 2) jeder amtirende Rabbiner; 3) jeder jüdisch-theologische Gelehrte. Zur Mitgliedschaft bedarf es der Anmeldung beim Comite. vor Eröffnung der Sitzungen. Zu wünschen ist, daß dies acht Tage vorher geschehe. Ueber später gewünschten Eintritt hat das Präsidium oder die Versammlung zu beschließen. S. 198 der Verhandlungen. Majoritätsbeschluß: Die vom Staate mit öffentlichem Charakter an den Volksschulen an gestellten Lehrer, welche bereits 10 Jahre im Amte sind, werden als Mitglieder zugelassen. Ohne der Bestimmung deS eben gedachten § 1 entgegen zu treten, heben wir doch nachdrücklich hervor, daß es auS mehrfachen Gründen sehr wünschenswerth ist, daß die Anmeldungen der verehrten Mitglieder viel früher geschehen; wir verbinden deshalb mit der ergebensten Einladung zugleich die dringende Bitte, die Anmeldungen so bald wie möglich an den mitunterzeichneten Vorsitzenden gelangen zu lasten. Berlin, den 31. März 1871. Die Berufungs-Commission der zweiten israel. Synode. Vorsitzender Professor Vr. Lazarus (Berlin, Königsplatz 5). Landrabb. vr. Adler «Cassel). Großrabb. E. A. Astruc (Brüssel). Rabb. vr. Aub (Berlin). Banquier Max Obmnaycr (Augsburg). Rabb. vr. Philippson (Bonn). Banquier S. Nosenbusch (Augsburg). Ritter Josef v. Wertheirner (Wien). Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 29. März. (Privatmitth.) Der bekannte Abg. Miquel, früher Oberbürgermeister von Osnabrück, jetzt wieder.in den deutschen Reichstag gewählt, unterlag in seinen: früheren Wahlkreise seinem klerikalen Gegner. Er erhielt deshalb eine Adresse von zahlreichen Wählern, und erließ von hier aus am 17. März eine Antwort, aus welcher Sie um so eher die bedeutsamste Stelle — das ganze Schreiben veröffentlicht die „Köln. Zeit." — hervorheben werden, als dieselbe mit Ihrem Leitartikel in Nr. 11 d. Z. wesentlich übereinstimmt. Zu der Bekämpfung Miqnels hatten sich die welsische und die klerikale Partei vereinigt. Er spricht nui: zuerst über die politische Bedeutung der welsischen Partei, der er jede Zukunft abspricht und sagt: „Diese Partei ohne große Aufgaben und ohne positiven Inhalt wird von selbst zerbröckeln und allmälig sich auslösen. Ganz anders steht cs mit ihren heutigen Bundesgenossen. Leider beherrscht heute die jesuitisch-romanische Richtung fast die ganze katholische Kirche. Das christlich-katholische Bewußtsein auf der Grundlage deutscher Gesittung und Gesinnung lebt beinahe nur noch in der älteren katho-