Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1871)
- Date
- 1871-04-11
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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In der Erörterung dieser Frage beruft er sich nun auf das bekannte Gutachten des Dr. Aub dem sel. Nosenstein gegenüber, das zuletzt in dem talmudischen Grundsatz gipfelt: „Die Rücksicht auf die Achtung und den Anstand sei so wichtig, daß um deswillen selbst ein Gesetz der Thora übertreten werden darf." Hierzu komme, daß es auch schon in der Casuistik Fälle giebt, wo den Frauen volle Glaubwürdigkeit zuerkannt wird, (s. Darke Mosche zu Tur. Choschen Mischpat 35), in unsrer Zeit aber die Zeugnißbefähigung der Frauen feststeht. — Der folgende Abschnitt betrifft die „Unterrichtsfrage." Da aber die desfallsige Commission keinen Referenten bestellt hatte, so übernahm es Herr Dr. Aub, die Anträge zusammenzustellen. Sie beziehen sich theils auf Errichtung von Lehrerseminarien, theils auf den obligatorischen Religionsunterricht. Herr Meyerhof aus Hildesheim beantragte, die bereits bestehenden jüdischen Lehrerseminarien zu erweitern, Herr Dr. Philippfon (Destau) die Hauptgemeinden Deutschlands zur Errichtung von Seminarien zu bewegen; H. Blumenau in Bielefeld: mit der in Gründung begriffenen „Hochschule für die Wistenschaft des Judenthums" ein „Seminar" zur Ausbildung von Religionslehrern zu verbinden. Dieser letzte Antrag ist ein eigener, der mit den vorhergehenden nicht in Widerspruch steht und dessen Motivirung wohl hätte mitgetheilt werden sollen. Hinsichtlich des zweiten Gegenstandes hatte Herr Wieruszewski aus Görlitz beantragt: die Versammlung wolle bestimmen, welche Religionsunterrichtsgegenstände obligatorisch und welche facultativ sein sollen. Es handelt sich dabei wesentlich um den Unterricht in der hebräischen Sprache. Dr. Hochstädter will denselben obligatorisch erklären, Dr. Philippson (Dessau) für relativ-obligatorisch, d. h. so lange unser Gottesdienst nicht ganz in der Muttersprache abgehalten wird, Dr. Szanto für facultativ. (Fortsetzung folgt.) Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Israeliten in Straßburg, Metz und den Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. Von Herrn Dr. mell. Lehmann in Fürth gesammelt 14 Thlr. Gesammtsumme: 1195 Thlr. 20 Sgr. 5 Pf. und 290 Frcs. Die Redaction. Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Verzeichnisse kamen uns ferner zu aus den Gemeinden: Wattenschcidt, Dresden, Herbcde, Mühlhausen bei Bamberg, Adelsdors, Oldenburg, Nürnberg, Ober- Glogan, Mainz. Literarischer Wochenbericht. St. Petersburg, im März. Es ist Ihnen bekannt, daß Herr A. Zeder bäum in Odessa zwei Zeitschriften herausgab, eine in hebräischer Sprache Hammeliz, eine andere im russisch-jüdischen Jargon mit hebräischen Lettern Kol mewaffer. Die Tendenz dieser Zeitschriften war besonders gegen den Chassidismus und die, aller Bildung unzugängliche Hyperorthodoxie gerichtet und suchte in der Masse das Bedürfniß des Schulunterrichts für die Jugend zu nähren. Man kann voraussetzen, daß Herr Zederbaum alsbald harte Kämpfe zu bestehen hatte, ohne dafür die Unterstützung des gebildeteren Theils seiner jüdischen Landsleute in solchem Maße zu finden, daß es nicht einer außergewöhnlichen Ausdauer bedurft hätte, um nicht zu ermüden und nachzulassen. Endlich fand er es doch für geeigneter, Odessa zu verlassen und seine publicistische Thätigkeit in Pete r s b u r g fortzusetzen. Hier erscheint regelmäßig y»b7ari weiter, und bringt oft sehr gediegene Aufsätze in correctem und fließendem Hebräisch. Außerdem aber erhielt er die Erlaubniß, ein russisches Wochenblatt „Bote der russischen Juden" herauszugeben, in welchem die allgemeinen politischen Ereignisse in einer Rundschau mitgetheilt, besonders aber die Angelegenheiten der russischen Juden erörtet werden, um eine klare und gründliche Kenntniß derselben in allen Kreisen zu verbreiten. Es versteht sich von selbst, daß dieses Blatt ebenso auf die nichtjüdischen Kreise wirken soll, wie auf die Juden selbst. Man erinnert sich, daß ähnliche Versuche, aber von der Provinz aus, gemacht worden. Dies Mal hat das Blatt seinen Wohnsitz in der Residenz des russischen Reiches selbst und findet daher leichter die Canäle, in welchen es in einen wirkungsreichen Fluß gelangen kann. Man wird daher die Bedeutung dieses Unternehmens hoch anschlagen müssen. Der Kol mewasser ist in Odessa geblieben, und redigirt ihn Herr Zeder-