Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1871)
- Date
- 1871-04-04
- Page
- Seite 274 (sequence 6)
- Language
- German
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274 lich bekannten Küche des Herrn Goldmann gespeist und mit Wein bewirthet, und schließlich auch noch von den hiesigen Einjahrig-Freiwilligen mit Kaffee und einer Champagnerbowle regalirt wurden. Besonders erfreulich war der während des Mahles herrschende joviale Ton, und war cs wohlthuend zu sehen, wie die deutschen und französischen Soldaten, welche sich noch vor wenigen Wochen als Feinde gegenüber gestanden hatten, als Genossen desselben Glaubens nunmehr auf das freundschaftlichste miteinander verkehrten, und wie, nachdem von Seiten des Herrn Landrabbincrs Dr. Meyer der erste Toast auf den Kaiser ausgebracht worden war, die Franzosen sich inso gehobener Stimmung befanden, daß sie die deutschen Soldaten als ihre Waffenbrüder leben ließen und sie umarmten. Die Feier machte auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck. Um an der am 15. d. M. Hierselbst stattgehabten Friedenöfeier auch den Armen in der Stadt einen frohen Tag zu bereiten, hatte sich ein Damencomits, die Gräfin Anna zn Stolberg an der Spitze, gebildet, welches zur Bertheilung an die Armen Gaben an Geld wie an Lebensmitteln entgegennahm. Für die jüdischen. Armen, welche von Letzteren keinen Gebrauch machen konnten, wurden von dem Eomits 100 Thlr. hergegeben, welche der Frau Alexander Cohen, der Präsidentin des israelitischen Frauenvereins, zur Bcrtheilung zugcfertigt worden sind. Derselbe Tag brachte den hiesigen Armen auch noch von auswärts und zwar von jüdischer Seite eine freudige Ucberraschung. Herr Obercoinmerzienrath Simon in Wien feierte nämlich an jenem Tage seine silberne Hochzeit, und wie er an seinem Freudentage sich der Armen in Wien erinnerte, indem er den dortigen jüdischen Armen 1 *4 00 fl. und den christlichen 1000 fl. zukommen ließ, so vergaß er auch der Armen in feiner Geburtöstadt nicht und übersandte dem Magistrate hiersclbst für die christlichen Armen 50» Thlr. und dein Landrabbiuer die gleiche Summe für die hiesigen jüdischen Armen. Der Magistrat hat hierauf Herrn Simon ein Dank- und Glücklvunschtelegramm zugesandt. Außerdeut setzte der Jubilar dem hiesigen, von ihm gegründeten israelitischen Waifenhause für seine Lebensdauer noch einen jährlichen Zuschuß von 400 Thlrn. aus. Die durch den Abgang des Dr. Max Landsberg nach Nochester hier vacant gewordene Stelle eines Stiftsgelehrten ist dem Dr. Holländer in Berlin verliehen worden. Cöln, 23. März. Gestern Nachmittag kamen aus Frankreich 12 durch den Krieg elternlos gewordene israelitische Knaben Hierselbst an. Diese Verwaisten wurden hier von einem Comits in Empfang genommen, welches Dispositionen für die weitere Versorgung derselben treffen wird. Aus der Provinz Posen, im März. (Privatm.) Die „P. 3." berichtet: Eine Synagoge auf Actien. In Warschau beabsichtigen die wohlhabenderen Juden eine neue Synagoge zu errichten. Bereits hat sich ein Eomits zn diesem Zwecke gebildet, welches das Capital durch Actienemission zusammenbringen will. Der Bau soll einer der prächtigsten in Warschau werden. Dasselbe Verhältniß, welches Ihr Correspondent aus Krakau in Nr. 7 d. Z. erwähnt, daß, während bis 1848 die Juden an den christlichen Feiertagen in vielen Straßen sich nicht sehen lassen durften, gegenwärtig in denselben bereits alle Juden, welche auf etwas Bildung Anspruch machen, über 150 jüd. Kaufleute ihre Gewölbe in den übrigen Theiten der Stadt haben und es daselbst schon über 20 jüdische Hausbesitzer gebe, findet auch in den meisten Städten unserer Provinz statt. Während vor 1848 nur sehr wenige jüd. Familien auf den Marktplätzen Wohnung hatten und diese sich nicht bei einer katholischen Procession sehen lassen durften, wenn sie nicht mit Steinwürfen begrüßt werden wollten, sind jetzt die meisten Häuser dieser Plätze Eigenthum jüdischer Familien geworden und sieht sich die katholische Geistlichkeit veranlaßt, ihre Proeessioncn auf die Näumlichkciten nächst der Kirche zu beschränken und sind verlegen, wo sie am Frohnleichnamstag, wo diese Feierlichkeit doch nun einmal eine größere Ausdehnung beibchalten soll, ihre Altäre ausstellen sollen. Herr Sanitätsrath und Kreisphysicus Dr. Lewin, zur Zeit Hofarzt der Lazarethe zu Epernay, ist, in Anerkennung der vorzüglichen Beschaffenheit der ihm unterstellten 11 Lazarethe, mit dem eisernen Kreuze decorirt worden. Der Rabbiner Dr. phil. Lewin aus Pinne, der Sohn eines dortigen Kaufmanns, ist bekanntlich als jüdischer Fcldseelsorger nach dem Kriegsschauplätze ge-