Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1871)
- Date
- 1871-04-04
- Page
- Seite 273 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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873 Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Wir erhielten ferner Verzeichnisse aus den Gemeinden: Mühringen, SLepiugen, Mühlen am Neckar tWürttemberg), Neffclrodc, Frielendorf -Hcsicn), Bayreuth, Stuttgart, Fürth, Heilbronn, Hannover. Ferner durch den Herrn G. Sender in Tholey: Aach, Binningen, Cöncn, Fegen, Freudcnbnrg, Herchweiler, Hermeskeil, Illingen, Akünchweiler, Neumagen, Ottweilcr, Oberemmel, Osan, Rachtig, Saarbrücken, Seibersbach, Schweich, Trittenheim, Wawern, Zeltingen. Wir knüpfen hieran ein besonderes Gesuch an die Herren Rabbiner und Lehrer in Württemberg, da uns aus diesem Lande die gewünschten Verzeichnisse bis jetzt nur aus Göppingen, Heilbronn und Stuttgart zugekommen sind, diese Lücke auszufüllen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, 20. März. (Privatmitth.) Auch in hiesiger Gemeinde -existirt ein Verein zur Unterstützung jüdischer Studirenden, nämlich die „Mendelssohnstiftung /' und bringt dieselbe jährlich zwischen 5—600 Thaler zu diesem Zwecke auf. (Wir werden in nächster Zeit, nachdem uns über diesen Gegenstand so viele erfreuliche Mittheilungen zugekommen, eine Zusammenstellung darüber geben.) Aus dem Hannöverschen, im März. (Privatim, Es möchte wohl für unsere Glaubensgenossen im Elsaß und Deutsch-Lothringen von Interesse sein, zu erfahren, daß auch in Preußen die jüdischen Angelegenheiten nicht nach einer und derselben Weise geordnet sind, sondern daß in den 1866 annectirten Provinzen die Verhältnisse der Juden so belassen wurden, wie man sie vorfand. Es ist dies namentlich in dem ehe maligen Königreich Hannover der Fall. Unsere Provinz, das vorm. Königr. Hannover, hat 4 Landrabbinate; das zu Emden und Hildesheim sind gegenwärtig vacant, das zu Hannover ist in Personal-Union mit dem zu Stade, und fungirt daselbst Herr Or. S. Meyer seit 25 Jahren als Landraböiner. DaSLandrabbinat zu Hildesheün umfaßt den Bezirk der Landdrostei Hildesheim mit 38 Gemeinden, deren größte Hildesheim mit circa 90 Familien und etwa 450 Seelen. Der Landraböiner hat in unserer Provinz die Stellung eines Staatsbeamten (nur wird er von den Gemeinden aus der Land.-Rabb.-Casse seines Bezirkebezahlt) und es steht ihm das Aufsichtsrecht über daS Synagogen-, Schul- und z. Z. noch das Armenwesen zu; dies Alles ist staatlich seit 1812 44 geordnet und geregelt und sind die Gemeinden verpflichtet nach Proportion ihrer Staatssteuern zur Landrabb.-Casse (zwangsweisebeizutragen. Der Landrabbiner nimmt also in unserer Provinz die Stellung eines staatsseitig anerkannten Geistlichen und zugleich Verwaltungs- und Schulbeamten ein. Die Gemeinden sind auf fast allen Gebieten an seine Mitwirkung (vorzüglich bei Anstellung und Entlassung von Lehrern und Schächtern) gebunden. Es steht ihm die Jnspection der Gem.-Schulen und Anstalten nicht blos zu; er muß sie vielmehr (auf Kosten des Ganzen) alle zwei Jahre inspiciren. Er verkehrt amtlich mit der ihm Vorgesetzten Regierungsbehörde, hier Landdrostei benannt. Die Anstellung erfolgt durch Bestätigung der eben genannten Behörde auf Lebenszeit und geht aus der Wahl dreier, von der Hauptgcmeinde zu präsentirender Candidaten hervor; diese muß die absolute Majorität der Wählenden ergeben. Hannover, 20. März. -Privatmitth.) Am jüngsten Purimfestc fand in hiesiger Gemeinde eine ganz eigcnthümliche Feier statt. Ter Gedanke, daß es sich empfehlen dürfte, den hier in Garnison befindlichen Militärpcrsonen jüdischen Glaubens wie auch den hier ccrnirten jüdischen Franzosen durch kostenfreie Bewirthung eine Purimfreude zu bereiten, veranlaßt Herrn Dr. Kayscrling und Herrn A. Molling zu diesem Zwecke eine Sammlung zu veranstalten, welche ergiebig genug war, um dein gedachten Vorhaben vollkommen entsprechen zu können, und nachdem den genannten Soldaten für jenen Tag bei dem hiesigen Generalcommando Tienstfrciheit erwirkt worden lvar, versammelten sich dieselben, einige fünfzig an der Zahl, unter denen sich ein Lieutenant aus Berlin und ein hier wohnender königlicher Stabsroßarzt befanden, Nachmittags in Spaniers Hotel, wo sie aus der rühm-